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Test
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10.12.2014

Sennheiser MK 8 Test

Umschaltbares Großmembran-Kondensatormikrofon

Gesangsmikrofon? Wer sagt denn so was?

Sennheiser MK 8, das neue umschaltbare Studiomikrofon im Test bei bonedo – Wenn ein deutscher Mikrofonhersteller, der in erster Linie mit hochwertigen Tauchspulen- und Kleinmembran-Kondensatormikrofonen assoziiert wird, ein umschaltbares Großmembran-Mikrofon auf den Markt bringt, lässt das aufhorchen.

Sicher: Das MK 8 basiert auf dem Nierenmikrofon MK 4, welches wir bereits bei seinem Erscheinen 2011 zum Test bitten durften, kommt aber mit weiteren Features – darunter vor allem besagte Umschaltung der Polar Patterns.

Die Serie der “MK”-Mikrofone ist im Moment äußerst winzig, besteht sie doch ausschließlich aus MK 4 und MK 8. Aber eventuell ist ja noch etwas im Busch. Sie sollte aber nicht mit der “MKH”-Serie verwechselt werden, deren herausragendes Merkmal die HF-Technik ist. Das umschaltbare Kleinmembranmikrofon MKH 800 Twin haben wir hier getestet, das Kugelmikro MKH 8020 hatten wir im Rahmen eines umfassenden Testmarathons auf dem Prüfstand.

Es ist kein Geheimnis, dass Sennheiser vor gut 30 Jahren Neumann akquiriert hat und beide Unternehmen dadurch technologisch profitieren konnten. Einiges an Neumann-Expertise wird auch im Sennheiser MK 8 zu finden sein, besonders bei goldbedampften Echtkondensatorkapseln mit großem Durchmesser hat Neumann die Erfahrung mitgebracht. Alleine preislich scheint man sich bei Sennheiser intern einig zu sein, welche Marke welches Feld übernimmt: Neumanns umschaltbare Mikrofone sind alle deutlich teurer als das MK 8, für den Preis des MK 8 erhält man ein Neumann TLM 103 – mit dem Funktionsumfang des wiederum deutlich preiswerteren MK 4.

Details

Gehäuse fast identisch zum MK 4

Äußerlich sind beim MK 8 keine enormen Unterschiede zum MK 4 feststellbar, kräftiger Metallkorpus und Korbgitter sind absolut identisch. Lediglich durch die Zahl 8 und das Fehlen des Cardioid-Icons lassen die beiden sich von der Vorderseite betrachtet auseinanderhalten. Sennheiser verwendet die gleiche Schürzenform, mit der der Korb vorne nach unten gezogen ist, und das Sennheiser-S als prägendes Designelement. Auf der Rückseite sind die Verschiedenheiten deutlicher, denn dort sind Schaltfunktionen eingelassen: Der User kann zwischen drei Varianten wählen, wie mit tiefen Frequenzen umgegangen wird, eine zweistufige Vordämpfung aktivieren und zwischen insgesamt fünf Richtcharakteristika wählen. Das geht natürlich nur mit zwei verbauten Kapseln: Zwei 1”-Großmembrankapseln, welche Rücken an Rücken stehen, lassen durch unterschiedliche Pegelanteile und Phaseninvertierbarkeit der nach hinten gerichteten Membran die Patterns Kugel, Breite Niere, Niere, Superniere und Acht zu. Und ganz im Ernst: Das reicht auch für fast alle Anwendungen. Die Doppelkapselkonstruktion ist nicht starr mit dem Gehäuse verbunden, sondern elastisch gelagert. In vielen Fällen kann man dadurch auf den Einsatz einer externen Spinne verzichten.  

Zwei unterschiedlich steile Filter

Typisch für Doppelmembrankapseln ist, dass es besonders ab dem Kilohertzbereich Unterschiede im Frequenzgang gibt, je nachdem, welches Pattern ausgewählt ist. Die Abweichungen betragen beim MK 8 maximal drei Dezibel, halten sich also zwar in Grenzen, lassen jedoch auch für frontale Signale wahrnehmbare Klangänderungen erwarten. Vereinfachend lässt sich sagen, dass der Standardfrequenzgang von der 10kHz-Überhöhung der Kugel zu einem Support der 5 kHz wird, je näher die Charakteristik der Acht kommt. Wie bei Großmembranmikrofonen üblich (und übrigens durchaus gewünscht) ist die Aufnahme der höchsten hörbaren Höhen eher schwach, die Kurve schneidet die 20kHz-Marke je nach Pattern etwas oberhalb von -20 dB. Anders im Tiefbass, denn dort tritt unterhalb von 100 Hz nur unwesentliche Dämpfung ein. Mit den beiden Filtermöglichkeiten kann man das aber gravierend ändern: Man hat die Wahl zwischen einem mit 6 dB/oct sehr sanft arbeitenden Roll-Off, dessen Grenzfrequenz von 100 Hz zwar recht weit oben liegt, und einem dreipoligen Low-Cut-Filter, welches bei 60 Hz greift. Das schaltbare Pad kann mit 10 oder sogar 20 dB Dämpfung die 142 dB(SPL) Grenzschalldruckpegel deutlich nach oben setzen, was ganz klar für die universelle Einsetzbarkeit des Sennheiser-Mikros spricht.

Eigenrauschen an der Schwelle des Machbaren

Bezüglich der Dynamik steht das Kondensatormikrofon gut da: 132 dB sind möglich, weil der Ersatzgeräuschpegel nur 10 dB(A) beträgt. Weniger ist für ein umschaltbares Großmembranmikro fast nicht möglich, das TLM 107 ruft den gleichen Wert auf. Nun, die wesentlichen Daten sind genannt, bleibt also noch, das gute Stück auf den Mikroständer zu pfropfen, mit 48 Volt Lebenssaft zu versorgen und zu hören, was das Mikrofon selbst zu erzählen hat!

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