Hersteller_Sennheiser Mikrofon
Test
2
27.01.2012

Sennheiser MD 441 Test

Tauschspulenmikrofon-Klassiker

Spannenlanger Hansel

Diese Information vorweg: Das Sennheiser MD 441 ist teuer, vor allem für ein dynamisches Mikrofon. Tausend Euro für ein Tauschspulenmikro! Dennoch findet es sich in jedem Shop, der etwas auf sich hält, wird in sehr vielen Studios eingesetzt und ist als Reportermikrofon beliebt und verbreitet. Dieser Lulatsch hat also offensichtlich etwas, was andere nicht haben.

In Reportagesituationen versteckt sich das 441 oftmals unter einem Schaumstoff-Hut, der gerne mit einer Senderkennung bedruckt wird. Kennt ihr unsere Video-Reportagen von der Musikmesse Frankfurt? Bingo: Hauptsächlich verwenden wir dort das MD 441! Feuchtbiotop-Expertin Charlotte Roche hat zu ihrer Zeit bei Viva Zwei ebenfalls sehr gerne mit dem “Vierviereinser” im Fernsehbild herumgestochert. Der Anwendungsbereich des Mikrofons umfasst aber weit mehr als nur die menschliche Stimme: Hi-Hat, Overheads, Snare Top, Snare Bottom, Toms, Bassdrum, Overheads, Percussion, Gitarren- und Bassamps, Holzbläser… Wer will, kann diese Liste fast beliebig weiterführen.  

Details

Es muss nicht immer rund sein

Optik ist ja Geschmackssache, aber dass diese Rute mit dem Viereck-Querschnitt und dem mit Plastik-Lederimitat beplankten Griff langweilig wäre, kann wohl niemand behaupten. Ohne Windschutz ist das 441 auf jeden Fall ein gestalterisches Statement. Aber ich finde ja auch nicht, dass sich Technik ständig unterordnen muss. Als Ende der 90er diese todlangweiligen Lounge-CD-Sampler auf den Markt kamen, hatten einige schlicht und einfach ein solches Mikrofon auf dem Cover, wenn es nicht gerade der Grundig-Kugellautsprecher oder der Schneewittchensarg von Braun war.

Dynamisches Mikrofon mit den akustischen Eigenschaften eines Kondensatormikrofons

Die Druckgradientenempfänger-Kapsel im Sennheiser MD 441 verfügt über eine verhältnismäßig starke Richtwirkung, genaugenommen handelt es sich um eine Superniere. Deren Off-Axis liegt laut Diagramm bei 120°, in den technischen Daten wird von 130° gesprochen. Identisch sind hingegen die schriftlichen und grafischen Angaben des Frequenzgangs, denn dieser wird mit 30 Hz bis 20 kHz angegeben. Der grafische Frequenzgang bescheinigt dies und gibt sogar den Toleranzbereich mit an. Neben recht gleichmäßigem Verlauf von weit unter 80 Hz bis über 2 kHz erkennt man darüber leichte Dellen und Überhöhungen, die stärkste davon bei 7 kHz. Oberhalb von 10 kHz geht es zwar auch nach "unten", allerdings recht sanft, sodass man von einem generell recht präsenten Mikrofon sprechen kann. Noch mehr Brillanz erhält man durch das Betätigen des gleichnamigen Schalters auf der Unterseite des Mikrofonfußes. Dadurch wird ab einem Kilohertz linear etwas angehoben (ca. 2 dB), unterhalb dieser Frequenz um etwa den gleichen Betrag abgesenkt. Mit dem Sennheiser MD 421 teilt das MD 441 nicht nur vier Fünftel des Produktkürzels, sondern auch den fünfstufigen M-S-Schalter, der als Drehring um die XLR- (im Falle meines älteren 441der Kleintuchel-) Buchse herumgebaut ist. Die wesentliche Aufgabe dieses Bass-Roll-Offs ist es, zu basslastige Signale, wie sie bei der Verwendung der meisten Druckgradientenempfänger im Nahbereich der Schallquelle auftreten, etwas auszudünnen.

Eine "Brummkompensationsspule" lässt Störgeräusche außen vor

Die weiteren Eckpunkte des MD 441 sind schnell genannt: Sein Feldleerlauf-Übertragungsfaktor beträgt 1,8 mV/Pa für 1 kHz, es kann dank eines Gewichts von weniger als einem halben Kilogramm auch von Reporterinnen und schmächtigen Reportern lange ermüdungsfrei in der Hand gehalten werden. Die Nennimpedanz beträgt übrigens 200 Ohm. Vielleicht ebenfalls erwähnenswert ist, dass ein Humbucker (also eine “Brummkompensationsspule”) genau so eingebaut ist wie ein interner Poppschutz. Dass diese beiden Vorrichtungen hervorragend funktionieren, kann ich schon mal verraten, bevor es an die genaue Ausleuchtung des 441 im Praxisteil geht.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare