Test
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16.12.2020

Praxis

Guter Rückhalt

Beide Mikrofone liegen gut in der Hand und lassen mit ihrer nahtlosen Schwelle von Korpus zu Kopf das rückseitige Umgreifen, beziehungsweise "Abschirmen" mit der Greifhand zu. Das stellt aber gerade beim MD 445 aufgrund seiner hohen rückwärtigen Dämpfung in der Praxis kein Problem dar. Die Rückhaltesicherung für XLR-Stecker ist zwar nicht wie bei einem SM58 von außen zu sehen, aber nichtsdestotrotz vorhanden. Das angeschlossene Kabel kann also nicht versehentlich aus dem Mikrofon herausrutschen. Die Passung mit der mitgelieferten Mikrofonhalterung ist top. Die Mikrofone lassen sich mühelos in diese einschieben. Einmal ineinander gesteckt, greift die Klemme beherzt und sicher zu.

Details, Präsenz und teurer Sound

Die beiden Sennheiser MD-Modelle zeigen sich im Test klanglich deutlich brillanter als die Mikrofone der Evolution-Serie. Wie die Audiobeispiele der Nahbesprechung zeigen, setzt ihre Empfindlichkeit auf Seiten des Interpreten aber auch eine ausgewogene Performance voraus. Bei der nahen Mikrofonierung können sonst vor allem Atemgeräusche stark in den Vordergrund rücken. Plosivlaute werden überraschenderweise dennoch ansprechend und nicht überbordend von beiden Mikrofonen abgebildet.

Das Verhalten der Mikrofone im Klangspektrum gefällt mir gut. Der vermittelte Sound klingt tatsächlich detailreich, präsent und sozusagen "teuer". Auch wenn der Eine oder die Andere bei diesen Mikrofonen klangliche Wärme vermissen wird, dürfen sich hier all diejenigen freuen, die mit einem dynamischen Handheld ein höhenreiches Signal im Stil von Kondensatormikrofonen erhalten möchten. Beim Check in Gesangsaufnahmen stechen allerdings die klanglich scharfen Anteile von Zisch- und T-Lauten ein wenig hervor.

Im Bassbereich wirkt das Signal rund und voll, ohne dabei zu "boomy" zu sein. Bei mittlerer Distanz sorgen die MDs für ein solides klangliches Bass-Fundament. Dasselbe gilt für mittelhohe bis hohe Gesangsstimmen auch in der Nahbesprechung. Die abgebildeten Mitten stellen den Präsenzbereich von Sprech- und Singstimmen heraus. Dabei stehen die hervorgehobenen Frequenzanteile jedoch nicht jeder Stimme gut zu Gesicht. Hier muss ein jeder für sich selbst und auch im Hinblick auf den Einsatzzweck des Mikrofons herausfinden, ob die charakteristischen Formanten der eigenen Stimme vom MD 435 oder MD 445 nicht zu stark in den Vordergrund gehievt werden. Die Umsetzung der Höhen gelingt beiden Mikrofonen in meinen Ohren hervorragend. Der Klang der Mikrofone wirkt hier herrlich offen und unbegrenzt. Selbst der Sound matter Stimmen kann mit diesen Handhelds einfach nicht "muffig" wirken.

Transienten setzen die MD-Mikrofone deutlich und schnell um. Das unterstützt die gute Sprachverständlichkeit zusätzlich. Durch das Mikrofon verursachtes Rauschen kann ich in den Aufnahmen zu keiner Zeit feststellen. Bereits bei der Variante mit Nierencharakteristik wirkt sich das Verlassen der Haupteinsprechrichtung übrigens klanglich wahrnehmbar aus. Dieser Effekt ist – wie zu erwarten – bei der Superniere noch einmal verstärkt vorhanden. Die Superniere MD 445 verlangt vom Performer wirklich ein striktes Einhalten der geraden Besprechung. Wer das bei seiner stimmlichen Darbietung berücksichtigt, wird mit einem Mikrofonsignal beschenkt, das verglichen mit anderen Supernieren-Mikrofonen besonders geringe Übersprechungsanteile enthält. Während mich andere Supernieren immer wieder enttäuscht haben, weil sie in der Praxis schlichtweg noch zu breit waren, kann ich in diesem Fall einfach nur den Daumen heben. Die Nierencharakteristik des MD 435 dürfte für meinen Geschmack dagegen breiter aufgestellt sein, um ungeübteren Sprechern und/oder Künstlern die Performance mit diesem Mikrofon zu vereinfachen.

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