Recording Kopfhörer Hersteller_Sennheiser
Test
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21.03.2018

Praxis

Verwendungszweck

Seine offenen Bauart prädestiniert den Sennheiser HD 800 S für den stationären Betrieb. Der Einsatzort kann sowohl das Wohn- oder Musikzimmer eines Musikliebhabers als auch der Regieraum eines Tonstudios sein, wozu der HD 800 S aufgrund seiner grandiosen Wiedergabe absolut geeignet ist.

Tragekomfort

Der Sennheiser-Kopfhörer passt sich perfekt meiner Kopfform an und sitzt sehr sicher, ohne dass ein nennenswerter Anpressdruck zu bemängeln wäre. Die Polsterung des Kopfbügels und der Ohrmuscheln besteht aus Mikrofaser-Gewebe, das sich sehr angenehm auf der Haut und auf meinem Haupt trägt. Wie bereits erwähnt, fällt auch das Gewicht des HD 800 S sehr moderat aus, sodass man dem Testmodell einen insgesamt tadellosen Tragekomfort attestieren kann.

Klang

Testbedingungen

Über die Notwendigkeit des "Einspielens" von Kopfhörern findet man unterschiedliche Aussagen und selten konkrete Informationen. Einige Hersteller geben beispielsweise an, dass ihre Wandler bereits eingespielt sind, andere bitten vor einer Beurteilung darum, den Kopfhörer einzuspielen. Dritte sind der Meinung, dass eine eventuell empfundene Klangverbesserungen nach der "Einspielphase" ein nicht messbarer, psychologischer Gewöhnungseffekt ist. Nichtsdestotrotz habe ich den Sennheiser HD 800 S vor diesem Test mehrere Tage an meinen alltäglichen DAW-Tätigkeiten teilhaben lassen und auch zwischendurch musikalisch beschallt.

Der Test erfolgte an den folgenden Kopfhörerausgängen/Verstärkern:

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus Sweeps, übliche DAW-Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix vertrauter Eigen- und Fremdproduktionen über den HD 800 S angehört und analysiert.

Der erste Eindruck

Obwohl vorher noch kein HD 800 oder HD 800 S auf meinem Kopf Platz gefunden hatte, herrschte sofort eine zufriedene Vertrautheit zwischen dem Sennheiser-Kopfhörer und mir. Die, auch für unser elitäres Testfeld außergewöhnlich natürliche Raumabbildung sowie eine Frequenzwiedergabe, die frei von Färbungstendenzen ist, fallen unmittelbar auf!

Frequenzgang

Wie soeben bemerkt, zeichnet sich die Frequenzwiedergabe des HD 800 S durch ein bemerkenswert hohes Maß an Natürlichkeit aus. Als Leser einschlägiger Foren war mir bereits bekannt, dass beide 800er häufig als "hell abgestimmt" beschrieben werden, was ich bestätigen kann, allerdings darf man hell nicht mit grell verwechseln. Die detaillierte und absolut hochaufgelöste Darstellung hoher Frequenzen ist alles andere als plakativ oder gar störend, fügt sich perfekt ins gesamte Geschehen ein und ist nicht zu vergleichen mit dem zum Mischen/Mastern allenfalls eingeschränkt geeigneten Höhenboost eines Fostex TH900mk2 oder Beyerdynamic DT 1990 Pro. Die Mitten sind lebendig und plastisch, ohne den Hauch einer Färbung, was tontechnische sowie kreative Beurteilungen und Aktionen begünstigt. Kommen wir zum Bassbereich. Zum reinen Musikgenuss empfinde ich die Abstimmung als homogen und geschmackvoll, zur kritischen Beurteilung, um beispielsweise Missstände aufzudecken, fehlt mir etwas Quantität, zumindest im Subbass. Das schließt eine professionelle Beurteilung nicht aus, allerdings ist hierzu eine erhöhte Aufmerksamkeit sowie Vergleichs- und Einhören mit dem HD 800 S erforderlich. Fazit: fast perfekt!

Impulsverhalten

Impulse und Transienten werden mit einer Präzision auf Referenzniveau wiedergegeben. Ein unmittelbarer Vergleich zur elektrostatischen, magnetostatischen und dynamischen Konkurrenz in Form des AKG K812 offenbart, dass der Sennheiser HD 800 S den Spitzenmodellen unseres Testmarathons "Referenzkopfhörer fürs Studio" mindestens ebenbürtig ist. Mit dieser Fähigkeit eignet sich der Sennheiser-Kopfhörer für jegliche Einsatzszenarien im Studio, wie etwa Dynamikbearbeitung und Editing.

Räumliche Abbildung

Die Raumabbildung des Sennheiser HD 800 S entspricht zu 100 Prozent meinen persönlichen Hörpräferenzen. Mit seiner gemäßigt breiten Stereobühne erreicht der Sennheiser-Kopfhörer eine Natürlichkeit, die man mit anderen Modellen nur unter Einsatz einer Crossfeed-Funktion erreicht, wie man sie aus verschiedenen Kopfhörerverstärkern kennt. Somit ist der Sennheiser HD 800 S der Teilnehmer unseres Testmarathons, welcher der Wiedergabe über Lautsprecher am nächsten kommt. Die Separierung einzelner Mixelemente ist nicht ganz so ausgeprägt wie beim in dieser Beziehung extrem analytischen AKG K812, allerdings begünstigt dies die realistische Raumanmutung des HD 800 S, dessen Phantommitte zudem perfekt ausbalanciert ist und beispielsweise Gesangsstimmen so darbietet, wie man es von guten Studiomonitoren kennt.

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