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Test
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13.05.2016

Sennheiser Evolution e 835 Test

Dynamisches Gesangsmikrofon

Anfängers Liebling

Auf der Suche nach einem geeigneten Vocal-Mikrofon für den Proberaum und Live-Gigs, als „Massenware“ für den Equipment-Verleih und als Allround-Recording-Mikro kommt man immer wieder mit dem Shure SM58 in Berührung. Preispunkt: Gut einhundert Euro. Es heißt auch, dass es kaum sinnvoll ist, deutlich weniger Geld für ein derartiges dynamisches Mikrofon auszugeben. So kommt es, dass das 58er „auf dem Markt sitzt“ wie es aussieht: stabil und gefestigt. Dazu klingt es auch, wie es aussieht, nämlich recht kompakt.

Um typischen Platzhirschen Paroli zu bieten, gibt es mehrere Herangehensweisen. Eine ist die Unterbietung des Preises, doch wer als Käufer selbst bei einem etwas preiswerten Mikrofon viel sparen möchte, der hat entweder keine andere Wahl oder macht einen Fehler, wie ich finde. Deutlich bessere Erfolgsaussichten hat es, sich ein wenig abzuheben. Und so kommt es, dass der zweite Traditionshersteller auf dem Mikrofonmarkt mit einem „S“ als Anfangsbuchstaben, also Sennheiser, mit dem e 835 aus der Evolution-Serie ein Allround-/Gesangsmikrofon anbietet, das etwas luftiger zu klingen verspricht, preiswert zu haben ist und dennoch – man höre und staune – Made in Germany ist.

Details

Mikrofon Made in Germany: ja, tatsächlich

Jeder ahnt es, fast jeder weiß es: Wenn „Made in…“ auf einem Produkt draufsteht, kann im Grunde fast alles damit gemeint sein. Wer fair ist, nennt Produkte „Assembled in…“, um dem Geruch einer Mogelpackung entgegenzuwirken. Gut, das „Made in Germany“ prangt unübersehbar auf dem Handgriff des e 835, es stimmt aber auch. Denn in Wedemark, unweit von Hannover, werden die Evolution-Mikros komplett hergestellt. Sennheiser hat sehr früh angefangen, die Herstellung von Mikrofonen zu automatisieren und hat sich zu diesem Zweck Hilfe eines Maschinenbauers geholt, der auch die preiswerte Massenfertigung gewisser Schweizer Uhren ermöglicht hat. In Handarbeit wäre ein Preis von unter hundert Euro nicht möglich gewesen, das erkennt man an den Preisen der dynamischen Mikrofone aus einer Zeit, in der es noch keinen Massenmarkt gab: MD 421, MD 21 und MD 441 sind aufwändig herzustellen und daher sehr kostspielig.  

Ein Patentrezept für ein gutes, preiswertes Mikrofon: wenig Schnickschnack, einfache Technik

Technische Besonderheiten? Herausragende Eigenschaften? Customizing? Vergesst es: Das Sennheiser e 835 ist ein sehr einfaches Mikrofon, das seinen geringen Preis dadurch ermöglicht, dass es annähernd Feature-frei daherkommt. Es ist ein ganz normales dynamisches Mikrofon nach dem Tauchspulenprinzip, besitzt die Richtcharakteristik Niere, bewährten Aufbau und übliche Mechanik. Eine Option gibt es aber dennoch: Als e 835 S ist es mit An-/Aus-Schalter erhältlich, also einer häufigen Fehlerquelle bei der Bedienung und der so gut wie einzigen Möglichkeit für Defekte. Auf den Korpus aufgeschraubt ist ein Korb mit einem Metall-Maschengitter und innenliegendem Popp-Spuckschutz. Entfernt man den Kopf, wird der Blick auf die Kapselkonstruktion freigegeben, die wie üblich mit feinen Geflechten vor der Membran und an den rückseitigen Schallöffnungen arbeitet, um die Richtcharakteristik zu steuern. Fein übrigens: Sennheiser hat es sich nicht nehmen lassen, die gesamte Kapsel mit einem Elastomer zu lagern und dadurch unempfindlicher gegen Griffgeräuschübertragungen und in geringem Maße auch Popplaute zu machen.  

Typischer Frequenzgang

Das e 835 bietet dem Preamp einen recht hohen frequenzabhängigen Widerstand, denn seine Impedanz liegt bei 350 Ohm. Die angestrebte mindestens fünffache Überanpassung ist mit eigentlich allen moderneren Mikrofon-Vorverstärkern dadurch jedoch nicht gefährdet. Der Frequenzgang ist im Datenblatt mit 40 bis 16.000 Hertz angegeben, ein Blick in den stark geglätteten grafischen Standard-Frequenzgang verrät, dass es oberhalb der leichten Rampe von 100 Hz bis 2 kHz im oberen Mittenbereich einen deutlichen Boost gibt, dessen Maximum bei 5 kHz liegt und bei etwas über 10 kHz abfällt sowie einen kleinen Dip mit einer Mittenfrequenz von etwa 7 kHz aufweist. Das sind natürlich alles keine Mängel, vielmehr sorgt dieser Frequenzgang dafür, dass der Sound eher präsent und durchsetzungsstark ist, aber Zischlaute, wie sie durch S-, Sch- und T-Laute produziert werden, nicht zu scharf übertragen werden. Es scheint offensichtlich, dass die Ingenieure des niedersächsischen Herstellers hier vor allem die menschliche Stimme im Visier hatten. Die Bässe fallen unterhalb von 100 Hertz stark ab, doch sollte ich dazu anmerken, dass der Messabstand wie üblich einen Meter beträgt. Weil es sich bei Sennheisers e 835 um ein richtendes Mikrofon nach dem Druckgradientenprinzip handelt, ist der Bass jedoch umso stärker betont, je näher sich die Schallquelle, meist also der Mund, an der Kapsel befindet.  

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