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Test
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07.01.2015

Praxis

Bändchenmikrofone wie das sE Electronics X1R benötigen flüsterleise Mikrofonvorverstärker, möglichst mit einer hohen Eingangsimpedanz. Die folgenden Beispiele wurden daher mit einem True Systems P-Solo Ribbon aufgenommen, der erst gar nicht über Phantomspeisung verfügt. Lediglich das Kondensatormikrofon für die Testbeispiele ging direkt in den Lavry AD11. Eine gute Alternative sind aber immer auch Add-Ons wie der Cloud Lifter aus den USA oder der Triton FetHead aus den Niederlanden, welche die Phantomspeisung zum Mikrofon hin sperren, aber als Verstärkungsspannung nutzen, um das Signal zu boosten.

Schon bei 30 Zentimetern Abstand fällt auf, dass das Mikrofon nicht zur Fraktion warmer, düsterer und dicker Mikrofone gehört, sondern erstaunlich frisch und aufgeräumt daherkommt. Somit ist es sicher ein besserer Allrounder, aber lässt eben auch einige Eigenschaften vermissen, für die man sonst gerne mal zum Ribbon greift. Anstatt schon beim Mikrofonieren an De-Essing des Gesangs zu denken oder an den EQ, der die beißenden Anschläge der Stahlsaiten der Akustikgitarre zähmen soll, kann man oft einfach ein Bändchen aufstellen und alle Probleme haben sich in Luft aufgelöst. Trotdem: Das X1R ist nicht crisp und knusprig, sondern transportiert noch etwas von genau dem Sanftmut und der Seidigkeit, für die dieses Empfänger-/Wandlerprinzip von manchen so geliebt wird. Besonders der Vergleich mit dem X1-Kondensatormodell zeigt dies sehr plakativ. Ich kann im Signal des X1R eine leicht resonierende Signalkomponente in den Hochmitten und Höhen feststellen. Das „leicht“ war hier wirklich ernst gemeint. Erst starke EQ-Eingriffe bringen dies wirklich nach vorne. Hier zeigen sich die Unterschiede zu den deutlich teureren Klassikern – warum sE in seinen Unterlagen und auf der Website unbedingt den Vergleich zu diesen sucht, ist mir schleierhaft: Das X1R ist gut genug, aber gegen die „Großen“ zieht es den Kürzeren.

Trotz wirklich ordentlich ausgeprägter Höhen wirkt das sE nicht ganz so transparent und luftig, wie man es sich vielleicht wünschen könnte. Nun ja: Mit zwei Mikron ist das Aluminiumband dünner als die Membran der meisten Kondensatormikrofone, aber immer noch dicker als beispielsweise das des Coles 4038, welches fast nur ein Viertel davon misst und entsprechend noch flotter den Bewegungen der Luftmoleküle kann (wenngleich auch die Bandvorspannung und die Frequenz dafür ein wichtiger Faktor sind). 

Die beigefügten Audiobeispiele zeigen eigentlich recht deutlich, dass es auch im Studio bei Vocals eben nicht immer das Kondensatormikrofon sein muss – auch das Tauchspulenmikrofon RE20 leistet hier hervorragende Dienste!

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