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16.03.2019

sE Electronics V Beat und V Kick Test

Dynamische Schlagzeugmikros

V-amilienzuwachs

Nach dem V7 X, einem Instrumentenmikrofon im Handheld-Format, bietet die chinesische Firma sE Electronics seit der NAMM Show 2019 nun auch spezielle Schlagzeugmikrofone an, das sE V Beat und das sE V Kick. Beim V Beat handelt es sich um ein für die Tom- und Snaredrum-Abnahme optimiertes Mikrofon, das V Kick soll an der Bassdrum besonders gute Ergebnisse liefern. Ebenfalls Teil dieses Tests ist die V Clamp, ein kompaktes Haltesystem für die V Beats. Nun ist es nicht so, dass es in diesem Produktsegment einen wirklichen Mangel gäbe: Viele Hersteller haben entsprechende Modelle im Angebot. SE wollten es allerdings noch etwas besser machen und versprechen nicht nur sehr gute Sounds, sondern auch ein optimales Handling der V-Komponenten.

SE Electronics kommen zwar aus China, gehören aber nicht zu den typischen OEM- oder Niedrigpreis-Herstellern. Stattdessen sieht Firmengründer Siwei Zou seine Firma als innovatives Familienunternehmen mit eigener Entwicklungsabteilung und viel Handarbeit in der Produktion. Kooperationen mit dem Studiotechnik-Ass Rupert Neve haben zu High-End-Produkten wie dem RNT oder den eigenwillig designten RN 17 geführt, welche sich in der Recordingszene eines sehr guten Rufs erfreuen. Und so ist es auch kein Wunder, dass man sich in den finanziell weniger belastenden Gefilden dynamischer Instrumentenmikrofone ins Zeug legt. Was V Beat und V Kick können, lest ihr im Folgenden.

Details

Die Ausstattung ist reichhaltig

Drei V-Beat- und drei V-Kick-Mikros sowie drei V-Clamp-Halterungen entnehme ich dem Lieferkarton von Mega Audio, dem sE-Vertrieb in Deutschland. Zunächst fällt mir beim Auspacken der V-Mikros ein relativ intensiver Kunststoffgeruch auf, der noch die folgenden Tage mein Studio dominiert. Funktionalität und Klang werden dadurch natürlich nicht beeinträchtigt, manche Menschen stört das aber und zu denen zähle auch ich. Sehr positiv tun sich die Testkandidaten in puncto Ausstattung hervor. Sowohl den V Beats als auch dem V Kick liegt eine kurze Anleitung samt Datenblatt, ein EU-Verkleinerungsgewinde sowie ein Kordelgewinde für das Mic-Claw-System der Firma LP bei. Dazu gibt es jeweils eine kleine Kunststofftasche sowie einen zusätzlichen, innen montierbaren Windschutz. Auch den V-Clamp-Halterungen liegt ein zusätzliches EU-Gewinde bei. 

V Beat für Toms und Snare

Dass sich sE beim Design der V Beats Gedanken gemacht hat, merkt man auf Anhieb. Es beginnt beim kurzen Body der Mikrofone, welcher die Positionierung auch in engen Platzverhältnissen erleichtern soll. Nur neun Zentimeter misst der Korpus. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass man die XLR-Buchse in den per Gelenk verstellbaren Fuß integriert hat. Direkt daneben befindet sich das Stativgewinde. Mit Ausnahme der Verstellschraube für den Mikrofonwinkel besteht das gesamte V Beat aus Metall. Schraubt man den Gitterkorb ab, offenbart sich ein schwarzes Kunststoffgehäuse, das in einem Stoßdämpfer aus weichem Gummi sitzt und leicht mit dem Finger bewegt werden kann. Dieselbe Konstruktion kommt auch beim Schwestermodell V7 zum Einsatz, ebenso die leichte Alumembran, welche in einen Neodym-Magneten taucht. Auch bei den technischen Daten herrscht Gleichstand. So weist sE für das V Beat eine Supernierencharakterisitk aus, die helfen soll, seitliche Einsprechungen zu reduzieren und den Fokus auf die Trommel zu erleichtern. Der breite Frequenzgang von 30 bis 19000 Hertz soll den V Beats gegenüber Konkurrenzprodukten sowohl mehr Bass als auch eine erweiterte Höhenwiedergabe ermöglichen. Zwischen 100 und 1000 Hertz fällt die Frequenzkurve sehr eben aus, danach steigt sie langsam, aber sehr flach an, echte Peaks oder Einbrüche sind nicht zu verzeichnen. 2,0 mV/Pa können als normaler Empfindlichkeitswert gelten, deutlich mehr wären in Anbetracht der Anwendung als Close Mic auch nicht praxisgerecht. 

V-Clamp-Halterung

Als Teil der V-Reihe ist das V-Clamp-Haltesystem sowohl als Ergänzung zum V Beat als auch als Halterung für Mikrofone von Fremdherstellern vorgesehen. Es gehört also nicht zum Lieferumfang des V Beat, sondern muss separat erworben werden. Seine Konstruktion ist denkbar einfach. Sie besteht aus einer Kunststoffklaue, welche am Spannreifen fixiert wird – ein System, das viele andere Firmen auch verwenden. Der Clou des V Beat ist der Umstand, dass diese Klaue mit einer Vollmetallstange kombiniert wird, an deren Ende das Mikrofon aufgeschraubt wird. Über eine Feststellschraube kann die Stange nun in einem Bereich von etwa vier Zentimetern in der Höhe verstellt sowie um die eigene Achse gedreht werden. Im Vergleich zu den Lösungen anderer Anbieter soll dadurch eine wesentlich größere Bandbreite an möglichen Abständen und Winkeln des Mikrofons zur Felloberfläche erreicht werden. Als weiterer Vorteil wird der Umstand genannt, dass die Klemmen zum Transport an den Trommeln verbleiben können.

V Kick für die Bassdrum

Wie auch die V Beats kommt das V Kick sehr kompakt daher, etwa zehn Zentimeter misst das Gehäuse in der Länge. Ein Grund dafür ist der hinten ausgeschnittene Korpus, der das Haltegelenk mit integriertem Stativgewinde und XLR-Anschlussbuchse beherbergt. Mittels Flügelschraube kann das Mikro in einem Bereich von etwa 160 Grad geschwenkt werden, was für die allermeisten Anwendungen mehr als genug sein dürfte. Die Kapsel sowie deren schwimmende Aufhängung entspricht formal den V Beats, technisch ist das Mikrofon jedoch auf die Anwendung in der Bassdrum hin optimiert. So reicht der Frequenzgang mit 20 Hertz noch etwas weiter hinunter, obenrum bleibt es bei den 19000. Und es besitzt eine weitere Besonderheit, nämlich zwei versenkte Schieberegler, mit denen sich die Klangcharakteristik des V Kick in insgesamt vier Variationen verändern lässt. Beide Regler besitzen zwei Stellungen, welche jeweils mit den Begriffen „classic“ und „modern“ beschriftet sind. Der linke legt den generellen Klangcharakter des V Kick fest, der rechte greift speziell in die Abbildung der Höhen ein. Eine Speisespannung benötigt das V Kick nicht, die Schaltung ist passiv ausgelegt. Ein Blick auf den Frequenzgang zeigt, dass das Mikro in allen Stellungen über einen bereits vorgeschneiderten Frequenzgang verfügt, der Mittenbereich ist also abgesenkt, während Bässe und Präsenzbereich hervorgehoben werden. In der Classic-Stellung des linken Reglers verläuft die Kurve etwas moderater, im Modern-Modus werden die Mitten noch weiter reduziert. Der rechte Regler arbeitet eher im Spektrum des Beater-Anschlags, hier bildet die Frequenzkurve in Modern-Stellung zwischen etwa 5000 und 15000 Hertz eine Ebene, während es in der Classic-Stellung nur einen kurzen Peak bei 4000 Hertz gibt.

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