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Test
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29.11.2017

Praxis

Hervorragend für diesen Preis

Ja, es ist erstaunlich, wie „groß“ und „edel“ ein Mikrofon für diesen Preis klingen kann. Im hart umkämpften Markt der hochwertigen Budget-Mikrofone hat sE Electronics das sE2200 noch einmal auf den neuesten Stand gebracht – und das kann man hören! Von dem befürchteten „Billigmikrofon-Höhenhype“ ist nichts zu spüren, das Signal klingt noch einmal etwas „teurer“ als zuvor, was sich besonders auf kurzen Konsonanten der Stimme bemerkbar macht. Auch technisch gibt es nichts auszusetzen. Die Klangeigenschaften bleiben bis hinauf zu hohen Pegeln konstant, die Pads schränken die Agilität der Impulswiedergabe kaum ein.

Das aktuelle Nieren-2200 ist sehr schnell und detailliert, bleibt aber stets fein. Bei der Stimme des Sängers der Testfiles bin ich sowieso meist geneigt, noch ein wenig die Schärfe herunterzuregeln, für die meisten Anwendungen kann man aber absolut glücklich sein. Amy Winehouse hätte auch diese neueste Version des 2200 gut gestanden (Ja, sie hat tatsächlich mit einem sE2200 aufgenommen!). Ich will keine falschen Erwartungen wecken, aber das sE Electronics sE2200 ist ein wirklich vorzügliches Arbeitsgerät. Besonders die hohe Auflösung der so wichtigen Mitten ist erstaunlich, hier überträgt das Mikro mit einer angenehmen Leichtigkeit. Es liefert zudem genug „Fleisch“, um auch starke Filterkurven in der Nachbearbeitung anzuwenden, ohne dass das Signal löchrig wird und zerbricht. Fein ist auch die gut steuerbare und nicht zu „boxy“ klingende Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt. Das Signal bleibt bis zu kurzen Distanzen recht straff und verschwimmt erst spät. Die beiden unterschiedlichen Filter arbeiten glatt und sind daher eine große Hilfe. Mit der schaltbaren Vordämpfung kann man sich mit dem sE2200 ein durchaus an pegelstärkeren Quellen als der Stimme gut agierendes Mikrofon anschaffen. Bassdrum, Gitarrenlautsprecher, Snare-Bottom, Blech und Holz – all dies lässt sich mit dem preiswerten Mikrofon nicht nur „passabel“, sondern sehr gut einfangen. Ein wenig vermehrtes Augenmerk sollte dabei aber dennoch dem Schall aus dem Bereich der Off-Axis gelten, denn jenseits der seitlichen Einfallsrichtung und somit abseits des sehr breiten und konstanten Aufnahmebereichs gerät der Frequenzgang bisweilen ordentlich durcheinander. Bei komplexen Aufbauten mit vielen wichtigen Anteilen von Sekundärsignalen, etwa im Drumkit oder dort, wo der Raum eine große Rolle spielen soll (sehr hohe Aufnahmedistanzen, sehr reflektive Räume und Booths), ist das 2200 vielleicht etwas überfordert, mit absolutem Profiwerkzeug mitzuhalten. Aber kann man das einem Mikrofon verübeln oder gar ankreiden, das wengier kostet als die elastische Halterung eines deutschen Mikrofonklassikers? Ich denke nicht. Auch die Tatsache, dass es deutlich sichere und weniger färbende Poppfilter gibt als das sE-Metallblech, will ich hier nicht allzu stark gewichten.  

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