Test
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31.12.2020

Scope Labs The Periscope Test

Druckempfänger-Mikro mit eingebauten Dynamics

Ja, das ist ein Mikrofon. Mit Kompressor.

Ok, ok: Das Scope Labs The Periscope hat auch deswegen seinen Weg in einen Test bei uns gefunden, weil es für ein Mikrofon nun wirklich außerordentlich ungewöhnlich aussieht. Schlimm? Nö, oder? Außerdem gibt es noch eine weitere, technische Besonderheit: Das Kondensatormikrofon mit Kugelcharakteristik besitzt einen eingebauten Kompressor (!). Richtig gelesen: Statt des x-ten Großmembranmikrofons gibt es hier nun also das Review eines nun wirklich in vielen Belangen sehr speziellen Tontechnik-Werkzeugs. Die wichtigsten Fragen, die es zu beantworten gilt, werden wohl sein: Kann man damit wirklich professionell und ernsthaft arbeiten? Ist das alles nur Blendwerk mit krampfig erzwungenen Alleinstellungsmerkmalen? Und: Braucht man sowas?

Details

Die spinnen, die Finnen?

Das Land in Europas Nordosten, welches fälschlicherweise gerne als zu Skandinavien gehörig bezeichnet wird, ist zwar nicht unbedingt die Wiege der Tontechnik, doch sind einige hoch angesehene Audio-Unternehmen dort beheimatet. Neben den bekannten Lautsprecherherstellern Genelec und Amphion sind mir aber nur zwei kleine Mikrofonmanufakturen bekannt: Sandhill bauen exquisite BändchenmikrofoneTimbre Tones stellen Mikrofone aus Holz her (davon gibt es da ja genug). Und wer ein Mikrofon wie das Periscope schon für verrückt hält, dem sei ein Blick auf die finnische Captain Nemo empfohlen, einer Gitarre mit Röhren-Pickup.

Es ist nicht alles Kupfer, was glänzt

Auch wenn es den Anschein hat, besteht das Scope Labs The Periscope nicht komplett aus Kupfer. Das Korpusmaterial ist Aluminium, welches mit Kupfer überzogen, weiter aber nicht behandelt wurde und die Patina bilden kann, die man von Kupfergeschirr und Dächern her kennt. Kupfer ist ein mittlerweile sehr teurer Werkstoff, zudem ist er auch reichlich schwer. Ein normaler Mikrofonhalter reicht hingegen aus, um das The Periscope zu halten. Allerdings leidet dadurch die Gesamtästhetik, der ein ebenso liebevoll designter Halter gut getan hätte – wie schon beim Earthworks SR314. Das Periscope, unleugbar nach seiner Form benannt, besteht aus mehreren an Hausinstallation erinnernde Rohre, die durchaus rustikal miteinander verbunden sind. Am länglichen Ende gibt es einen XLR-Output, die elektrostatische 10mm-Kleinmembrankapsel am anderen Ende. Aufgrund der Abwesenheit von seitlichen und rückwärtigen Schalleintritten gibt es keine andere Möglichkeit, als dass die Richtcharakteristik eine Kugel ist. Ein- und Verstellmöglichkeiten gibt es nicht, folglich besitzt das The Periscope auch keine Schalter.

Technische Daten… technische wer?

Scope Labs wissen wohl, dass die technischen Daten bei einem so speziellen Ding wie dem The Periscope nicht die ausschlaggebenden Punkte sind, die Interessenten dazu bringen würden, das Mikrofon zu kaufen oder die im Recordingbetrieb von hohem Nutzen wären. Zudem sind Messungen nicht immer einfach durchzuführen. Das Erstellen von technischen Daten durch externe Dienstleister könnte das Budget eines in nur geringen Stückzahlen produzierenden Unternehmens sehr belasten. Angaben zu Frequenzgang, THD, Ersatzgeräuschpegel und dergleichen fehlen also genauso wie weitergehende Informationen über den Kompressorschaltkreis und seine Eigenschaften. Die Frage bei einigen Werten wäre zudem, ob man sie nun vor oder hinter der Dynamikeinheit messen sollte? Es ist aber vor allem aufgrund des Exotenstatus des Periscope absolut in Ordnung, wenn keine derartigen Daten geliefert werden. Was allerdings sicher ist: Die Elektronik benötigt eine Spannungsversorgung. Ohne aktivierte 48V-Phantomspeisung bleibt das Scope Labs The Periscope stumm.

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