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05.11.2018

Schlagzeug-Workshop: 8 Möglichkeiten für kreative Tomsounds

So holt ihr facettenreiche Sounds aus euren Tom-Toms heraus

Drum Sound Tutorial

Tom-Toms, deren Herkunft im asiatischen Raum liegt, sind über die Jahre zum festen Bestandteil des heutigen Drumsets geworden. In ausufernden Setups lassen sich mit ihnen sogar ganze Melodien spielen, während im Standardaufbau meist zwei oder drei Exemplare am Schlagzeug zu finden sind. In der Regel sind sie aus Holz gefertigt, aber es gibt sie auch aus Acryl und Metall, mal mit, mal ohne Resonanzfell, mit immens tiefen Kesseln oder in besonders flacher Ausführung und mit verschiedensten Varianten der Aufhängung. In vorangegangen Artikeln haben wir bereits viele verschiedene Möglichkeiten zur Veränderung von Bassdrum- und Snaresounds vorgestellt, doch natürlich bestimmt auch der Klang der Toms wesentlich den Charakter des Drumsounds. Welche einfachen Mittel große Unterschiede bewirken, zeigen wir euch hier genauer.

Zu einem authentischen und musikalischen Drumsound gehören natürlich alle Instrumente des Schlagzeugs. Anders als bei Becken, die sich klanglich nicht grundlegend verändern lassen, sind Trommeln im Regelfall sehr wandelbar, und es ist erstaunlich, wie sich die richtige Fellauswahl oder die Art der Dämpfung auf den Klang auswirken und sich damit ohne großartige Investitionen neue klangliche Welten öffnen. Musikalisch gesehen lohnt es sich also sehr, den exakt passenden und somit auch für die Mitmusiker inspirierenden Drum- und eben auch Tomsound für die jeweilige Musikrichtung zu finden.

Das Setup

Wie in unserem Feature zu unterschiedlichen Bassdrum Sounds, haben wir auch für die Tomsounds klassische Größen desselben Sets verwendet. Die Slingerland Toms in den Größen 13 x 9 und 16 x 16 Zoll stammen aus den Siebzigerjahren und haben einen dreilagigen Kessel mit Verstärkungsreifen. Das Rack Tom sitzt in einem Snare-Ständer, während das Floor Tom sicheren Halt auf drei Beinen findet. Zur klanglichen Optimierung ist der Korb des Snare-Ständers nicht besonders fest gezogen, und das Tom liegt, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, mit dem Flansch des Spannreifens auf – ein kleiner, aber feiner Unterschied, der teilweise immense Auswirkungen auf das Schwingverhalten des Kessels hat. Damit auch das Floor Tom seinen vollen Klang entfalten kann, sind die Beine mit Pearl Air Suspension Feet ausgestattet. Auch diese kleine Veränderung bewirkt viel in den tiefen Lagen. Die Fellauswahl spielt eine große Rolle, da man so im Handumdrehen den Grundsound der Trommeln ändern kann. Mittlerweile gibt es so unglaublich viele Modelle, weshalb wir uns auf die Klassiker, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben, beschränkt haben. Abgesehen von der Auswahl der Felle, lässt sich durch Dämpfung, mal mehr, mal weniger, eine Anpassung des Sounds vornehmen. Natürlich sind der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt, und so lassen sich die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die wir im Artikel zur Modifikation des Snaresounds beschrieben haben, selbstverständlich auch an den Toms ausprobieren.

1. Runder und warmer Tomsound

Für viele Musikrichtungen ist ein offener, warmer Tomsound gefragt. Natürlich sind da coated Felle die beste Wahl, da sie einen wärmeren Klang mit weniger Attack als bei klaren Fellen produzieren. Viele Trommler lassen bei ihrer Fellauswahl die Resonanzfelle außer Acht und versuchen nicht selten, lediglich mit hochwertigen Schlagfellen einen guten Sound zu erreichen, während auf der Unterseite noch unpassende oder schlicht minderwertige Werksfelle montiert sind. Das Resonanzfell ist aber maßgeblich für die Kontrolle des Sustains zuständig, und auch hier eignen sich weiß beschichtete Felle hervorragend. Diese Auswahl mag etwas unpopulär sein, bewirkt aber viel. Auf der Oberseite sind doppellagige Felle, wie zum Beispiel Remo Emperor, ein Garant für ausgewogenen Attack und warmen Bass. Ganz nebenbei sind doppellagige Schlagfelle natürlich auch langlebiger als ihre einlagigen Artgenossen. Musikalisch lassen sich damit viele Genres im Rock-Pop-Bereich bedienen, und auch im akustischen Gewand sorgt der volle Ton der Toms für Spielfreude.

2. Offener Tomsound

Ein absoluter Klassiker, und deshalb auch oft die Werksbefellung bei neuen Drumsets, sind einlagige, beschichtete Felle auf der Oberseite in Kombination mit klaren, einlagigen Resonanzfellen. Daraus resultiert ein klarer Ton mit nicht zu vordergründigem Attack und ausgewogenem Sustain. Mit dieser Fellkombination lässt sich das volle Klangpotenzial der Toms am leichtesten ausschöpfen.

3. Fetter, warmer Tomsound

Seit etwa zehn Jahren ist für handgemachte Pop- und Indie-Musik ein Drumsound mit tiefen Snares und dumpfen, fetten Toms gefragt. Mit einer guten Portion Gaffa lässt sich dieser Sound mit nahezu jedem Fell erzeugen, jedoch wird er besonders fett mit doppellagigen Fellen in der Coated-Ausführung. Auch hier bietet es sich an, dass die Resonanzfelle ebenso weiß aufgeraut sind. Die Gaffastreifen können nach Bedarf in verschiedensten Varianten aufgeklebt werden. Wichtig ist auch, dass man die Resonanzfelle nicht vergisst. Mit Gaffastreifen auf der Unterseite der Trommel lässt sich das Sustain kontrollieren. Natürlich kann man diesen Effekt auch mit Moongel oder Dämpfungsringen erzielen, jedoch ist Gaffa wesentlich billiger und vielseitiger  einsetzbar.

4. Dumpfer Tomsound à la Ringo

Sicherlich haben es auch schon einige Trommler vor ihm getan, aber spätestens seit dem Song „Come Together“, erschienen auf dem legendären Beatles-Album „Abbey Road“, wird dieser Sound mit Ringo Starr verbunden. Dabei ist es eigentlich vermessen, bei den unglaublich facettenreichen Alben der Beatles, Ringo Starr nur auf diesen einen Drumsound zu reduzieren. Dieser Tomsound ist sehr simpel umzusetzen: Einfach ein paar Geschirrhandtücher auf die Toms legen und los geht’s. Das Spielgefühl ändert sich merklich, die Lautstärke der Toms wird reduziert, und sofort klingt das gesamte Drumset anders. Man kann das Fell natürlich auch nur zur Hälfte mit Tüchern bedecken, um eine nicht ganz so drastische Dämpfung zu erzielen.

5. Rockiger Tomsound

Das komplette Gegenteil zum eben beschrieben Tomsound erzielt ihr mit klaren Fellen. John Bonham, aber auch Alex van Halen, haben diesen Sound berühmt gemacht, und seitdem sind vor allem die Remo Black Dot Felle zu einem Klassiker in der Rockmusik geworden. Ein voller, offener Sound trifft auf eine gehörige Portion Attack. Damit setzen sich die Toms auch bei hoher Lautstärke in der Band noch gut durch. Auf der Resonanzseite bieten sich natürlich auch hier klare Felle an.

6. Concert Toms

Concert Toms kommen, wie der Name schon sagt, eher aus dem Bereich des klassischen Schlagwerks, fanden sich aber vor allem ab den späten Siebzigern bis weit in die Achtzigerjahre an vielen Drumsets. Natürlich sind an „echten“ Concert Toms auf der Unterseite weder Spannböckchen noch Spannreifen verbaut, aber trotzdem ist dieser Sound natürlich auch leicht zu erzielen, indem man die Resonanzfelle an normalen Toms abmontiert. Gegebenenfalls scheppernde Gewinde können mit Klebeband vom Schwingen abgehalten werden, und es bietet sich an, das Rack Tom bei der Montage im Snare-Ständer durch kleine Schaumstoffstücke vor Beschädigungen an der Gratung zu schützen. Ein offener Concert Tom Sound mit kontrolliertem Sustain lässt sich gut mit coated Fellen erzielen, während auch hier klare Felle wieder für wesentlich mehr Attack sorgen.

7. Concert Toms mit viel Dämpfung

Natürlich lässt sich auch der Sound von Concert Toms mit Dämpfung drastisch verändern. Darren King hat in seiner Zeit bei der Indie-Band Mutemath diesen Sound besonders bekannt gemacht. Dazu hat er oft Papier mit Gaffa umklebt und dann den Großteil des Papiers in der Mitte der Schlagfläche wieder entfernt. Dabei einsteht ein attackreicher und trotzdem warmer Sound mit betontem Low End.

8. Sound-Modifikation durch Auflegen von Dingen

Hier ist eure Kreativität gefragt, da den Möglichkeiten eigentlich keine Grenzen gesetzt sind. Im konkreten Beispiel im Video seht ihr einen Vic Firth Dreadlock Besen, der dem Rack Tom einen surrenden Sound entlockt und ein Tamburin sowie einen Shaker aus Juju-Nüssen auf dem Floor Tom. Mit einer solch drastischen Veränderung des Sounds bekommt ihr sofort neue Inspirationen. Besonders sei euch hier nochmal der Video-Workshop zu Snare-Modifikationen ans Herz gelegt. Selbstverständlich lassen sich diese Beispiele auch an Toms umsetzen.

Fazit

Wie ihr seht, könnt ihr euren Toms sehr viele unterschiedliche Sounds entlocken. Natürlich lässt sich die klangliche Palette mit verschiedenen Fellkombinationen und Dämpfungsmethoden beliebig erweitern. Probiert es einfach aus und findet den authentischsten Tomsound, der den Klang eures gesamten Drumsets nach vorne bringt!

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