Gitarre Bass
Feature
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21.10.2011

Convention-News

Die erste Alumni Convention fand im Jahre 2005 an der SAE Frankfurt statt. Ich erinnere mich, dass dort ein paar Personen aus dem Dunstkreis des SAE Institute zusammenstanden und sich in Fachsimpeleien vertieften. Abends fand eine ordentliche Party statt, zu der Busse verschiedener deutscher SAE-Institute aktive Studenten ausspuckten. Die Party ist vom Prinzip geblieben, doch über die Jahre hat nicht nur sie sich weiterentwickelt und an Größe gewonnen: Um sie herum ist eine handfeste Fachmesse entstanden, auf der Hersteller und Vertriebe der Audio-, Film-, Web- und Game-Design-Branche nicht nur schnöde ihre Produkte ausstellen, sondern auf der man so manche Produktneuheit zum ersten Mal in den Händen halten und ausprobieren kann.

Presonus beispielsweise nahm das Zusammensein von Alumni, SAE-Mitarbeitern, Fachpersonal und Presse zum Anlass, auf einer kleinen Pressekonferenz die neuen Killer-Features ihres Studio One Major-Releases zu veröffentlichen. Auf dem Campus des SAE Institute im Norden Berlins tummelten sich in den verzweigten Gebäuden am 13. und 14. Oktober zwar viele Leute, doch sind Areal und Ausstellungsfläche so groß, dass niemand fieses Gedränge oder ewiges Schlangestehen zum Ausprobieren von Equipment befürchten musste. Außerdem verschwanden sehr viele Leute in einem der vielen Seminarräume, in denen eigentlich durchgängig ein sehr abwechslungsreiches Programm geboten wurde.

Ich bin über das Gelände gestreunt und habe Party Party sein lassen, um die Zeit für lange Gespräche und das Begutachten diverser Produkte zu nutzen. Weil auch Fotoapparat und Notitzblock nicht gefehlt haben, gibt es hier ein paar News der Hersteller und Vertriebe aus erster Hand.

Presonus stellt Studio One 2 mit Killer-Features vor

Gestikulierend links im Bild erklärt Andreas von Presonus die neuen Features der recht jungen DAW Studio One 2. Weil man gerne eine Funktionalität wie die von Melodyne implementieren wollte, hat man direkt eine offene (und auch für Dritthersteller kostenlose) Schnittstelle entwickelt. Das klingt vielleicht erst einmal nicht besonders, doch funktioniert diese Schnittstelle für das Audio-Editing! Meinem alten Traum, eine DAW zu besitzen, in der quasi die Spuren von unterschiedlichen Herstellern genutzt werden können, scheint damit ein Stück näher gerückt zu sein! Studio One 2 wird mit einer Melodyne-Version geliefert. Die umständliche Routing-Arbeit entfällt dadurch, dass Melodyne der Editor ist! Selbst mehrstimmige Editierungen werden durch Melodyne DNA ermöglicht (diese Version befindet sich allerdings nicht im Lieferumfang). Als Beispiel: Die Vocal-Spur kann direkt im Track mit Melodyne korrigiert werden, dann wird sie ohne viel Aufwand einfach auf eine Instrumentenspur gezogen, um dort ein Synthie-Pad zu steuern. Diese Unterfütterung funktioniert auch beispielsweise mit Gitarre und Orgel-Doppelung oder als Drum-Replacer! Auch die anderen Features von Studio One 2 können sich sehen lassen: Eventbasierte Effekte, ein gut funktionierender Browser (mit Server- und Soundcloud-Anbindung), ein neues Medienformat, das neben MIDI und Audio auch Effekte, Routing und Instrument-Settings beinhaltet, DDP-Support, einen neuen Amp-, Effekt- und Cabinet-Simulator und vieles mehr. Man darf also gespannt sein!

DPA, SE Electronics und FOSTEX

Schwer belagert war der Stand von Mega Audio aus Bingen am Rhein. Aus dem Vertriebsprogramm, welches neben Midas und Bricasti auch Millennia, Radial und Rupert Neve beinhaltet, haben besonders DPA und Fostex für Aufmerksamkeit gesorgt. DPA zeigte d:fine, ein “einohriges” Headset bekannter Top-Qualität und die recht neue Reference-Standard-Serie. Von Fostex bekamen die Messebesucher den audiophilen iPhone-Kopfhörerverstärker HP-P1 zu Gesicht. Auch das mit zwei Mikrofonen ausgestattete Audio-Interface AR-4i für das beliebte Smartphone und die neuen Kopfhörer TH-5b und TH-7b gab es zu sehen.

SE Electronics’ RN17 scheint ein interessantes Werkzeug zu sein. Das Kleinmembran-Mikrofon mit goldbedampfter 17mm-Mylarmembran ist von niemand anderem als Sir Rupert Neve entwickelt worden. Es wird außerdem ein Stereoset mit allen verfügbaren Kapseln geben!

Lötfreier Klinkenstecker von Sommer

Kein Bock auf Löten? Kein Problem: Sommer Cable haben den ersten Klinkenstecker auf den Markt gebracht, der nicht gelötet werden muss: Mit einem speziellen Kabel ist es möglich, dass die mittlere Ader von einem Dorn durchstoßen wird und der Schirm beim Zuschrauben durch die Verjüngung vierer Metallplatten seine Verbindung erhält. Wenn das mal nicht praktisch ist!

Geheimnisse bei AVID

Avids Lars Kischkel hat auf einer Konferenz im SAE-Raum “Bochum” einige neue Features der neuen Pro-Tools-Software gezeigt, die allerdings noch “geheim” sind. So viel kann ich verraten: Es gibt spannende Neuerungen! In der großen Avid-Lounge gab es Produkte aller Produktfamilien zum Anfassen – und die Experten zum Befragen. Besonders beliebt schien das Eleven-Rack zu sein, an dem die Gitarristen ordentlich Gas geben konnten, doch auch die M-Audio-Produkte und das Live-System “Venue” stießen auf deutliches Interesse.

Der “weiche” Summit Audio: Softubes nächster Streich

Die schwedische Edelschmiede war mit ihrem neuen TLA-100A vor Ort, von dessen Qualitäten sich jeder mit einer Pro-Tools-Session und Kopfhörern überzeugen konnte. Summit ließ verlauten, dass Softube das einzige Unternehmen ist, dem man das Coding zugetraut hat. Die erste Überprüfung bestätigt diesen Eindruck.

Tube-Tech, Dangerous und Lavry

So sieht Familie aus: Audiowerk, DA-X und Masteringworx haben es sich im Flur des Recordingtrakts des SAE-Institute gemütlich gemacht und dort einige Schätzchen aus ihrem Vertriebsprogramm vorgeführt. So viel “Blau” sieht man nur selten auf einmal: Per Kopfhörer konnte sich jeder von den Fähigkeiten der Tube-Tech-Geräte überzeugen. Das Traum-Setup wurde erweitert von Mastering-Geräten von Dangerous-Music und den High-End-Wandlern von Lavry. Ein Wunder, dass ich einmal für das Foto einen leeren Platz vorgefunden habe (ok, es war kurz nach der Öffnung).

Mikrofon-Preamp AP 1 von Microtech Gefell

Ob es eine Art “Mode” ist, dass deutsche High-End-Mikrofonhersteller nun auch Preamps herstellen? Bei Microtech Gefell gab es neben den verschiedenen Groß- und Kleinmembranern auch den AP 1 zu sehen. Dieser einkanalige Vorverstärker soll sich durch eine äußerst cleane Verstärkung auszeichnen. Nach bewährter Technik wird Gain in 6dB-Schritten eingestellt, zusätzlich gibt es einen Trim. Neben Phantomspeisung und Phase-Reverse gibt es ein regelbares Hochpassfilter. Bedenkt man die Qualität der MG-Mikrofone, liegt die Vermutung nahe, dass die Gefeller hier erneut ein außerordentliches Werk abgeliefert haben.

“Hands On” bei Steinberg

Steinbergs modulare Bedienoberfläche der CMC-Serie wurde begeistert aufgenommen. In einer Regie hat es sich das Unternehmen gemütlich gemacht und mit offensichtlicher Freude die Module in verschiedenen Kombinationen gezeigt. So hat man viele Interessierte gesehen, die sich vor allem von den Touch-Fadern begeistert gezeigt haben.

Sinnvolle Detailpflege bei Brainworx

Brainworx ist für außergewöhnliche MS-Tools bekannt. Da mutet es etwas erstaunlich an, wenn man auf die Frage nach den Neuigkeiten die Information erhält, dass das Metering-Plug-In erneuert wurde. Da sich aber ein zweiter Blick immer lohnt, sollte man durchaus genauer hinsehen. So wird von dem praktischen Helferlein TDM unterstützt, die Grafik anwenderfreundlicher gestaltet und – das ist sicher die wesentliche Information – das K-Metering integriert, das Mastering-Guru Bob Katz in seinem Standardwerk “Mastering Audio” vorgestellt hat.

Tascam zeigt erstmals DR-40

Zum ersten Mal in Europa wurde der PCM-Recorder DR-40 gezeigt. Der vierkanalige Mini-Recorder konnte auch direkt ausprobiert werden. Auch das neue Mikrofon-/Gitarreninterface iXZ konnte begutachtet werden: Wie es sich für Zubehör für iPhone, iPad und iPod gehört, hat Tascam Weiß als Farbe gewählt. Fast schon unscheinbar zwischen den ganzen anderen Geräten konnte man außerdem den ebenfalls neuen Flash-Card-Recorder SS-CDR200 erblicken.

… (fast) ohne Worte: S.E.A. Vertrieb

Dieses Rack spricht im Grunde für sich. Neben den edlen 19”-Geräten aus dem illustren Vertriebsangebot (Universal Audio, Little Labs, Drawmer, Westlake, Vovox…) waren vor allem die Gitarristen begeistert, denn es gab unter anderem den Germanium-Kompressor von Chandler zu testen – und das wurde auch ausführlich getan!

Beyerynamic: Touring Gear

Der Heilbronner Hersteller führte neben Kopfhörern auch die erneuerte Touring-Gear-Mikrofonserie vor. Wenn ihr nicht auf der Convention sein konntet, habt ihr übrigens im bonedo-Testmarathon die Möglichkeit, euch ein genaues Bild von den robusten Mikros zu machen.

Schwarz-Gelb: KRK

In der Wand aus Vorführ-Lautsprechern gab es auch solche, die nicht die Firmenbezeichnung wie die kroatische Insel ohne jegliche Vokale trugen. Offensichtlich zeigte man dadurch, dass man den Direktvergleich mit anderen Global Playern nicht zu scheuen braucht. Neben den schon bekannten Modellen des Herstellers mit den gelben Membranen waren auch die Rokit 10-3 zu sehen und hören. Da sich KRK nun auch um kopfbezogene Abhöre kümmert, durften auch die schwarz-gelben Headphones nicht fehlen!

64-Bit Samplitude

Am Stand von Magix konnten Interessenten dem Produktspezialist Falk Grünewald Löcher in den Bauch fragen. Das Unternehmen zeigte Samplitude X, die DAW mit umfangreichem 64-Bit-Support. Dadurch kann das Programm bis zu einem Terabyte RAM verwenden! Weitere Neuerungen sind integrierte OMF-Fähigkeiten, die Möglichkeit, in den Spuren spektral zu editieren und Tempo-Änderungen grafisch darzustellen. Der Sampler “Independence” ist ab sofort in das Programm integriert, ausserdem gibt es eine Reihe neuer Essential Effects. 

Fischmusik zum Selbermachen

Zum mit Sicherheit besten Mitmach-Erlebnis auf der diesjährigen Convention trugen Ambient Recording bei: Der Hydrophon-Spezialist war mit dem Equipment der Unterwasser-Band “H2EAU” angetreten. In großen wassergefüllten Acrylschalen konnte jeder Messebesucher selbst Musik machen: Die Ambient-Hydrophone nahmen unter der Wasseroberfläche den Sound von Sprühflasche (Shaker), leerem Kanister (Bassdrum), Rührbesen oder Stock im feinen Kies (Hi-Hat) auf und gaben ihn über Lautsprecherboxen wieder. 

Kein Mucks von XI-Machines

Äusserst leise ging es auf dem Stand von XI-Machines zu. Nicht, dass er schlecht besucht war, aber bei XI ist man neben der enormen Leistungsfähigkeit der PC-Systeme auch auf den wirklich flüsterleisen Betrieb stolz. Für Audioschaffende besonders interessant ist die Tatsache, dass es zusätzlich zur Systemoptimierung für eigentlich alle großen DAW-Hersteller auch offizielle Zertifizierungen von SSL und der Vienna Symphonic Library gibt.

Hörstation bei Ultrasone

Beim Kopfhörerspezialisten konnten verschiedene Modelle, besonders jene aus der Pro-Serie ausführlichen Tests unterzogen werden. Wie man sieht, wurde das auch gerne getan.

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