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Test
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25.03.2013

Royer SF-2 Mono Ribbon Microphone Test

Aktives Bändchenmikrofon

Teuer-Royer?

Eines der ersten Royer SF-2 Bändchen-Mikrofone aus der Serienfertigung hat seinen Weg in die bonedo-Redaktion gefunden. Um genau zu sein sind es sogar zwei Stück der aktiven Ribbon-Mics, was sich angesichts der Richtcharakteristik Acht und der damit verbundenen Stereofoniemöglichkeiten auch anbietet. Royer gehört mit AEA, Beyerdynamic und natürlich Coles zu den ganz großen Namen unter den Bändchenmikrofonen. Ribbons sind in Deutschland keine Nischenprodukte mehr wie noch vor zehn Jahren, sondern haben sich mit ihrem wohlwollenden Klang die Herzen der Tontechniker erarbeitet – sofern diese eines haben.

Einer der ersten Parameter, der für gewöhnlich bei Produktneuheiten inspiziert wird, ist der Preis. Hinter dem Eurozeichen steht bei einem (einzelnen!) SF-2 leider eine verblüffende Zahlenkombination: 3087. Das ist auch für ein edles Bändchenmikrofon eine Stange Geld. Dafür erhält man hochwertige Großmembran-Röhrenmikrofone oder umschaltbare Doppelmembraner aus deutscher Produktion, doch auch die Preise der im RCA-Stil gehaltenen AEA-Oberklasse-Bändchenmikrofone wie das R44C liegen in diesen Sphären. Es gibt also alleine diesbezüglich einen hohen Berg an Rechtfertigungen, den das amerikanische Mikrofon zu erklimmen hat – dann wollen wir uns die Kraxelei mal anschauen.

Details

Das SF-2 ist ein aktives Bändchenmikrofon. Das bedeutet natürlich nicht, dass es sich von selbst verkabelt und an eine passende Mikrofonposition rückt, sondern dass es mit der von Kondensatormikrofonen bekannten Phantomspeisung betrieben werden muss. Es gehört damit zu den wenigen nach dem dynamischen Prinzip arbeitenden Schallwandler, bei denen eine Versorgung mit 48 Volt notwendig ist. Anders als die meisten anderen Ribbon-Mikrofone müssen bei aktiven Bändchen an den verwendeten Preamp nicht mehr so hohe Ansprüche an den Verstärkungsfaktor und die Rauscharmut gestellt werden, weil der verschwindend geringe Output des kleinen Metallstreifens im Magnetspalt schon im Mikrofon auf einen höheren Pegel verstärkt und die Ausgangsimpedanz auf ein üblicheres Maß erhöht wird. Außerdem kann durch die Verwendung der aktiven FET-Elektronik im SF-2 keine Zerstörung des Bändchens durch kaputte Kabel, durch Patchbays leakende Phantomspeisung und dergleichen mehr erfolgen (wenngleich die verbreitete Angst davor weitaus höher ist als die Gefahr). Die Werte, die das Royer aufruft, erinnern also trotz der Tatsache, dass es sich bei Ribbons um das elektrodynamische Wandlerprinzip handelt, eher an Kondensatormikrofone denn an dynamische. So liegt die Empfindlichkeit immerhin bei 12,5 mV/Pa und der maximale Schalldruckpegel bei über 130 dB(SPL). Einiges ist dennoch typisch für Bändchen, darunter die Richtcharakteristik Acht mit ihrer hohen Frequenzkonstanz, aber auch der Frequenzgang (30 Hz bis 15 kHz reicht bei +/- 2 dB) mit dem leichten Höhenabfall. Üblicherweise sind Ribbon-Mikrofone in der Richtcharakteristik Acht gefertigt und somit mit einem üppigen Nahbesprechungseffekt ausgestattet. Beim SF-2 ist dieser recht schwach ausgeprägt, allerdings ist der zugrundeliegende Kniff nicht direkt in Erfahrung zu bringen (schließlich ist noch keine erschöpfende und eindeutige Erklärung für dieses Phänomen verfügbar, sondern nur Erklärungsansätze, die teilweise widersprüchlich sind). Das Royer – soviel konnte ich herausfinden – umgeht aber die starke Bassanhebung mit der speziellen Form des das Bändchen umgebenden Magneten. 

Im äußerst stabil wirkenden Metallgehäuse arbeitet ein nur 1,8 µ dünnes Aluminiumbändchen, bei dessen Entwicklung die Amerikaner nach eigener Aussage besonders die Instrumentenabnahme im Sinn hatten. Bis zur Fertigstellung des neuen Mikrofons sind einige Jahre und 20 Prototypen ins Land gegangen. Ins Land gegangene Jahre kann kein Mensch der Welt mehr zurückholen, aber mit den Vorserienmodellen hatten Royer offenbar das gleiche Problem: Die meisten Studios und Engineers wollten die Mikrofone wohl nicht mehr herausrücken – was ganz klar für deren Klangqualität spricht.

Zum Lieferumfang des SF-2 gehört die Shock-Mount SFS-2, welche jedoch aus Platzmangel nicht mit dem Ribbon-Mikrofon in seiner Metallkiste nächtigen und sich mit der feinen Decke zudecken darf. Wer noch mehr Geld ausgeben will, kann das gerne tun und das "Deluxe-Package" erwerben. Hier ist die weitaus aufwändigere Spinne RSM-24 mit an Bord, zudem ein 6m-Kabel und eine schnieke Padauk-Holzbox sowie ein großer Transportkoffer. Damit kostet ein einzelnes Mikrofon dann über 4000 €.

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