Software
Test
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20.03.2021

Roland Zenology Pro mit ZEN-Core Test

Praxistest der Einheit von Soft- und Hardware

Roland-History übergreifend auf aktuellen Plattformen

Mit dem Software-Synthesizer Zenology Pro und der ZEN-Core-Technologie öffnet sich ein neuer Kosmos. Der Eintritt erfolgt über die Roland Cloud mit verschiedenen Abo-Modellen und der Option, einzelne Softwareprodukte auf Lebenszeit zu erwerben. So ist auch der Roland Cloud Zenology Pro für etwas mehr als 200 Euro zu haben – kein Schnäppchen, aber gemessen an den Features könnte das langfristig ein guter Deal sein. Am besten probiert man die Roland Cloud erst einmal für 30 Tage unverbindlich auf einem möglichst aktuellen PC oder Mac aus.

Der Soundkosmos von Roland will verstanden sein. Denn selbst, wenn man das Konzept von ZEN-Core schnell zu verstehen glaubt, bleiben noch Fragen offen. Anstatt euch an dieser Stelle aber mit den Details zu konfrontieren, bieten wir euch lieber einen praxisbezogenen Überblick. Wir möchten in diesem Feature nämlich herausfinden, wie sich Zenology Pro (Version 1.6.0) in puncto Sound und Handling schlägt, und schauen darüber hinaus, wie der Soundaustausch zwischen zwei Roland-Produkten mittels ZEN-Core-Technologie funktioniert.

Details

Zenology Pro als Software-Synthesizer

Die Benutzeroberfläche wirkt schon einmal funktionell und sachlich. Vom Look her weicht Zenology von klassischen Roland-Instrumenten zwar eher ab, in der Struktur und im Klangverhalten findet man dann aber doch die ein oder andere vertraute Konstante wieder. Übrigens gibt es von Zenology neben der Pro- auch eine Standard- und eine Lite-Version, die aber kein Speichern oder Exportieren von Klangdaten unterstützt und deutlich weniger Sounds enthält. Wir arbeiten in hier mit Zenology Pro.

Zunächst erscheint das GUI sehr kompakt auf dem Bildschirm. In dieser Ansicht lassen sich alle Presets anwählen. Dazu öffnet sich ein weiteres Fenster: Der Tone/Drum Kit Browser listet alle Preset-Bänke von Zenology und darüber hinaus alle Sound Packs und Model Expansions, die man über den Roland Cloud Manager zusätzlich geladen und installiert hat. Es ist ein solides Browser-System mit der Option, Sounds nach Namen und Kategorien zu suchen und alle Presets zu bewerten (ein Ranking mit drei Sternen).

Bereits in der kompakten Darstellung von Zenology Pro lässt sich jedes angewählte Preset über vier Makros, die sich beliebigen MIDI-Controllern frei zuweisen lassen, in verschiedenen Parametern wie Filter Cutoff, Lautstärke, Hüllkurven-Attack oder LFO-Geschwindigkeit abändern. Zur Soundprogrammierung klickt man natürlich auf EDIT, woraufhin sich ein ziemlich umfangreicher Editor öffnet, der sich mittels Zoom auf dem Bildschirm breitmacht.

Schnell wird klar, was die ZEN-Core-Architektur kann. Sie erinnert stark an Rolands JV/XV-Modelle. Es gibt einen Part, der sich als Tone (insgesamt über 3.500 Tones vorhanden) oder Drum Kit (80 Drum Kits sind aufrufbar) verwenden lässt. Ein Klangprogramm unterteilt sich in bis zu vier einzelne Oszillatorstränge, die „Partials“ heißen und untereinander interagieren können (Oszillator-Sync, Ring- und Crossmodulation). Jedes Partial kann nicht nur auf über 1.800 PCM-Wellenformen zugreifen, sondern lässt sich beispielsweise auch mit virtuell-analogen Wellenformen, dem Roland „Supersaw“ oder als Noise-Generator nutzen. An Filtertypen und LFO-Wellenformen mangelt es nicht. Obendrein gibt es einen Multieffekt-Block mit 90 Effekten.

Insgesamt ist das schon ein riesiges Aufgebot an Synthesizer- und Effektparametern. Die Bedienung mit dem Editor von Zenology Pro geht wirklich flüssig von der Hand, sofern man etwas von Klangprogrammierung versteht. Ein fader Beigeschmack: Leider sind viele Presets stilistisch in den 90ern stehen geblieben. Man wünscht sich aktuelleres Material. Es gibt außerdem mehr Masse als Klasse.

Die Model Expansions auf einen Blick

Neben seiner ZEN-Core-Klangerzeugung integriert Zenology Pro einige (kostenpflichtige) Model Expansions, die wir nun auch klanglich vorstellen. Bis auf das jüngste Modell JD-800 und den JX-8P sind die Synthesizer als eigenes Softwareinstrument in der Cloud erhältlich. Den markantesten Unterschied macht die Benutzeroberfläche aus: Die Emulationen sind hier dem jeweiligen Original stark nachempfunden und sie gefallen durch einen gewissen Retro-Charme. 

JD-800

Der Roland JD-800 ist ein digitaler Synthesizer auf Basis von PCM-Wellenformen, der zwischen 1991 und 1996 produziert wurde. Auf seinem Panel finden sich viele Regler und Fader. Klanglich besticht er durch breite warme, crispe und hauchende Patches. Mit der Model Expansion ist der Sound ziemlich gut reproduzierbar, die geschätzte intuitive Bedienung des originalen JD-800 bleibt aber auf der Strecke.

Jupiter-8

Das analoge Flaggschiff überhaupt stellt der 1981 erschienene Jupiter-8 dar, der als Emulation einen fast authentischen Sound liefert. Allerdings fehlt beim virtuellen Modell der Key-Mode-Dual, mit dem sich Layer-Kreationen entwerfen lassen.

Juno-106

Ein sechstimmiger Synthesizer mit einem DCO plus Suboszillator. Auch die Model Expansion des Roland Juno-106 gefällt durch einen geradlinigen Sound bei einfacher Programmierung.

SH-101

Der einstimmige Analog-Synthesizer SH-101 wurde mit House und Techno so richtig populär. Er hat ein direkten und lebendigen Sound, der sich bei Bässen und Leads gut durchsetzt und sich von einem Juno oder Jupiter klar unterscheidet.

JX-8P

Der 1985 vorgestellte JX-8P bietet zwei DCOs und ist ansonsten klassisch aufgebaut. Wie beim Juno-106 ist er mit einem Chorus ausgestattet und macht sich insbesondere gut für volle und weiche Flächenklänge.

Das Preset-Angebot für die einzelnen Modelle fällt noch nicht so üppig aus. In der Roland Cloud erscheinen aber regelmäßig neue kleinere Soundpacks, die man in jedem Fall installieren sollte. Man kann davon ausgehen, dass Roland die ohnehin schon gute Auswahl noch um einige Model Expansions und auch Soundbanks erweitern wird. Wie wäre es mit einem Roland D-50 oder einem MKS-20? Zumindest erfahrene Live-Keyboarder würden sich darüber freuen.

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