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Test
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05.12.2019

Rogers Dyno-Matic Bass Drum Pedal Test

Fußmaschine

Aus Swivo wird Dyno

Mit der Rogers Dyno-Matic Einzelfußmaschine hat sich die Neuauflage eines Klassikers im Teststudio eingefunden. Die Firma Rogers gehörte Mitte des letzten Jahrhunderts zu den innovativsten und nobelsten Schlagzeugmarken, besonders im Hardware-Bereich legte die Firma die Messlatte schon in den 60ern ordentlich hoch. Aufgrund von diversen unternehmerischen Fehlentscheidungen ging das Unternehmen in den 80er Jahren in Konkurs, kürzlich entschieden sich jedoch Investoren zu einer ernstzunehmenden Reaktivierung von Rogers. Jetzt werden nicht nur die berühmten Dyna-Sonic Snaredrums wieder gebaut, auch unser heutiges Testobjekt gehört zur aktuellen Produktpalette. 

Wie bei den Snaredrums, hat man sich auch bei der Fußmaschine an einem bekannten Vorbild orientiert, nämlich der Rogers Swiv-o-Matic. 1960 tauchte dieses innovative Pedal erstmals im Katalog auf und besaß eine damals nicht gekannte Vielfalt an bequem durchführbaren Justiermöglichkeiten und praktischen Features. Dazu gehörten die an verschiedene Bassdrumgrößen anpassbare Rahmenhöhe, die Spikes gegen Verrutschen und die verschiebbare Trittplatteneinheit. Buddy Rich spielte dieses Pedal auch nach dem Ende seines Rogers-Endorsements, und selbst heute noch schwören einige Fans auf das – teilweise 70 Jahre alte – Original. Trotzdem war es mit einem simplen Nachbau nicht getan, die Dyno-Matic möchte es vielmehr mit der modernen Konkurrenz aufnehmen können. Ob der Spagat zwischen eigensinnigem Retrostil und zeitgemäßer Bespiel- und Einstellbarkeit geglückt ist, lest ihr jetzt. 

Details & Praxis

Art Deco Design und etliche Einstellmöglichkeiten                                             

Überall trifft man heute auf alte Designs, Vintage verkauft sich gut. Gerade bei einem Werkzeug wie einem Bassdrum-Pedal stellt sich allerdings die Frage, ob nicht die moderne Entwicklung doch die funktionaleren Lösungen parat hält. Ich war also durchaus erstaunt, zunächst eine praktische Tasche mit Außenfach im Versandkarton zu finden. Innen geht es mit den angenehmen Eindrücken weiter. Eine mehrseitige, schön gemachte Anleitung auf englisch erläutert die wichtigsten Funktionen des Dyno-Matic Pedals, und das sind doch einige. Die ganze Maschine kommt in poliertem Guss daher, ins Auge stechen dabei besonders die nach oben stehende Federspannungsvorrichtung sowie die leicht nach unten gebogene Trittplatte im Art Deco Design. Kenner sehen hier direkt das alte Originalpedal vor dem geistigen Auge. Technisch handelt es sich um eine einsäulige Konstruktion mit Einzelkettenantrieb. Kommen wir nun zu den Features.

Eine Bodenplatte besitzt die Dyno-Matic nicht. Stattdessen kommt eine, zum Transport abnehmbare, Schiene zum Einsatz, auf welcher das Fersenteil in einem Bereich von etwa drei Zentimetern verschoben werden kann. Damit verändert sich der Winkel zwischen Trittplatte und Kette, ein unmittelbarerer Antritt soll die Folge sein. Ausgeführt wird diese Funktion über eine Vierkantschraube in der Mitte des Fersenteils. Das erinnert mich übrigens stark an eine ähnliche Funktion bei der Pearl Eliminator. Bassdrum-seitig mündet die Schiene in einem Basisteil, welches einige Funktionen beherbergt. Da wären zunächst die beiden schraubbaren Dornen gegen Verrutschen, auffälliger sieht allerdings der Bügel aus, mit welchem sich das Pedal mit einer Bewegung an den Spannreifen klemmen lässt. Über eine griffige Rändelschraube lässt sich die Konstruktion an verschiedene Reifendicken anpassen, alle Kontaktpunkte sind zudem gummigelagert ausgeführt. Auf der rechten Seite findet ein Stimmschlüsselhalter samt Inhalt Platz.       

Der Clou ist die anpassbare Pedalhöhe

Eines der Hauptargumente für den Kauf eines Dyno-Matic Pedals dürfte jedoch die Säule mit Teleskop-Funktion darstellen. Eine passend gestaltete Flügelschraube erlaubt es, den gesamten oberen Maschinenteil in einem Bereich von fünf Zentimetern zu verschieben und damit an Bassdrum-Durchmesser von 18 bis 30 Zoll Größe anzupassen. Da sich dadurch auch die Geometrie verändert, lassen sich sowohl Beaterwinkel als auch Trittplattenwinkel getrennt voneinander justieren. Rechts mündet die Achse in der Einheit zur Federverstellung, die nicht nach unten, sondern nach oben zeigt, zum Transport jedoch per Vierkantschraube einfach nach unten geklappt werden kann. Besonders rückengeplagte Drummer werden es begrüßen, dass man sich nicht mehr so weit bücken muss, um die Federspannung zu verstellen. Praktikabel gelöst wurde auch die Federverstellung selbst, welche nur eine Hand benötigt. Damit ist es jedoch noch nicht genug der speziellen Merkmale der Dyno-Matic. Denn auch im Beaterkopf steckt eine praktische Funktion. Dank eines Federmechanismus unterhalb der Kopfes muss man diesen nur herunterdrücken und drehen, um zwischen der Filz- und der Plastikseite zu wechseln. Das Hantieren mit dem Stimmschlüssel entfällt. Zu erwähnen ist noch, dass die mit dem Boden in Kontakt kommenden Teile mit rutschfester Gummierung ausgestattet sind. Übrigens: Jene Funktion, die dem Urahnen unseres Testobjektes seinen Namen gegeben hat, nämlich das „Swiveln“, also das Drehen der Trittplatte zur Bassdrum, gibt es hier nicht mehr.  

Prima Spielgefühl, bestimmte Einstellungen erfordern jedoch Geschraube

Im Einsatz macht die Dyno-Matic wirklich Spaß, sofern man ein klassisches Spielgefühl mit runder, schneller Ansprache mag. Auf dem ausreichend dimensionierten, gut geformten Trittboard fühle ich mich mit Schuhgröße 46 wohl, und die ersten Schläge zeigen, warum schon das uralte Grund-Design so viele Fans gefunden hat. Das Pedal tritt nämlich nur wenig in Erscheinung, es ist einfach direkt, schnell und berechenbar. Die Zackigkeit manch modernerer Konstruktionen fehlt hier, es geht organisch und gleichmäßig zu. Bisher habe ich wenig an der Maschine gemacht, sie steht an einer 20 Zoll großen Pearl Bassdrum. Mal sehen, wie sie sich an Trommeln anderer Durchmesser so macht. An einer 24er Yamaha schiebe ich die Antriebseinheit ein bisschen nach oben und stelle fest, dass jetzt kleinere Nachjustierungen erforderlich sind, denn logischerweise verändert die neue Höhe auch den Trittplattenwinkel. Nach kurzer Zeit habe ich eine komfortable Position gefunden. Hier ist anzumerken, dass das komplette Ausfahren auch das Umsetzen des Zahnkranzes erforderlich macht, was jedoch sehr schnell mit dem Stimmschlüssel erledigt ist. Nun ist die 18er Bassdrum-Größe dran, aus Spaß simuliere ich vorher das Einpacken der Maschine inklusive dem Lösen des Federmechanismus. An der 18er stelle ich die Feder wieder auf und passe die Maschine dem neuen Durchmesser an. Damit der Beater die Mitte trifft, muss man die unterste Position wählen, allerdings nähert sich die Trittplatte jetzt gefährlich dem Klemmmechanismus für den Spannreifen. Also möchte die Trittplatte wieder etwas erhöht werden. Nicht ganz optimal finde ich, dass die Position des Federmechanismus auch den Beaterwinkel beeinflusst. Es dauert also beim Aufbau jedesmal ein bisschen, bis das gewünschte Verhältnis aus Trittplatten- und Beaterwinkel gefunden ist. 

Die Dyno-Matic kann ja aber noch mehr, also geht es jetzt an das Fersenteil, um die Trittplatte nach hinten zu verschieben. Und siehe da, die Ansprache verändert sich tatsächlich, das Pedal fühlt sich nun eine Spur direkter an. Allerdings wird jetzt eine leichte Instabilität der Konstruktion deutlich, welche offenbar daher rührt, dass wir es nicht mit einer festen, vollflächigen Bodenplatte zu tun haben, sondern eben nur mit einer Schiene, welche zudem auch im arretierten Zustand leicht wackelig in ihrer Haltevorrichtung sitzt. Das macht sich besonders auf Teppich bemerkbar oder wenn sehr schnelle Figuren gespielt werden sollen. Man bekommt dann das Gefühl, dass nicht die gesamte Energie tatsächlich im Beater landet. Apropos Beater: Der klingt nicht nur gut, die schnelle Verstellmöglichkeit durch einfaches Drücken und Drehen finde ich ebenfalls sehr angenehm, und sie verleitet dazu, viel öfter mal die Sounds zu wechseln. 

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