Test
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26.06.2019

Praxis

Druckvoll und präzise klingen die Testobjekte

Auch gute Ausstattungen und edel gemachte Begleitlektüre hilft nicht, wenn der Sound am Ende wenig überzeugend daherkommt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Rode TF-5 klingen ihrer Preisklasse angemessen, wenn nicht besser. An einer Baton-Rouge-Dreadnought-Gitarre, gespielt von Michael Krummheuer, und meinem Drumset musste sich das Stereopaar beweisen. „Fader hochziehen und genießen“, schreibt Rode auf seiner Webseite und ich muss sagen, dass sich dieses Prozedere im Testverlauf zuverlässig an allen Positionen realisieren ließ. Der Klangcharakter der TF-5 lässt sich am besten mit präzise, sauber und trotzdem hochmusikalisch beschreiben. Fangen wir mit der Akustischen an.

An der Akustischen wirken die TF-5 sehr greifbar und plastisch

Zwei Referenzen kommen im Verlauf des Tests zum Einsatz, einmal das Neumann KM 184 als (nicht gematchtes) Stereopaar sowie ein einzelnes Rode NT-5. 

Zunächst möchte ich wissen, wie sich die TF-5 im Vergleich mit den beiden Neumännern in XY-Stereomikrofonie schlagen. Der Unterschied zwischen beiden fällt sofort auf. Wo die beiden KM 184 mit einem wolkigeren, „raumigeren“ Klang zu Werke gehen, packen die TF-5 das Signal mehr, stellen es kompakter und direkter dar, ohne langweilig zu wirken. Die Transienten sind sauber, schnell und nicht aggressiv, das Gespielte wirkt gleichzeitig schlanker in den Mitten, aber äußerst musikalisch und transparent. Insbesondere beim Picking fällt die exzellente Tiefenstaffelung der TF-5 ins Ohr. Alles erscheint greifbar und dreidimensional. In puncto Details liefern die beiden Australier ebenfalls ein hohes Niveau. An Platzhirsche der High-End-Klasse wie die Schoeps MK4/CMC6 mögen unsere Kandidaten nicht ganz heranreichen, das Gefühl von Mangel dürfte jedoch auch bei kritischen Hörern nicht wirklich aufkommen. Hier könnt ihr euch die Resultate anhören.

Der Monovergleich mit Rode NT-5

Da auch ein einzelnes Rode NT-5 zur Verfügung stand, haben wir es uns nicht nehmen lassen, einen kurzen Monovergleich aufzunehmen. Die Kapseln sind dabei auf das untere Cutaway gerichtet. Dass das TF-5 seinen Aufpreis wert ist, dürfte beim Abhören der beiden Beispiele schnell klar werden. Es klingt straffer, wesentlich detaillierter und ausgewogener als die günstigen Schwestermodelle. Zudem besitzt es eine viel bessere Tiefenstaffelung. Oder, wie ein Kollege es auszudrücken pflegt: Es klingt trotz mono mehr stereo. 

Exakt, aber trotzdem aufregend über dem Drumset

Wie nach den Ergebnissen an der Akustischen zu erwarten, machen die TF-5 auch über dem Drumset eine sehr überzeugende Figur. Mein Aluminium-Schlagzeug der serbischen Marke Oriollo kommt kompakt und gleichzeitig voluminös aus den Monitoren. Es fallen aber noch weitere Parameter positiv ins Ohr. Zum Beispiel die äußerst realistische Abbildung aller Teile des Kits. Im Vergleich mit den beiden KM 184 fällt auf, dass sich die TF-5 mehr auf die Instrumente fokussieren, besonders die Snaredrum klingt „fester“ und natürlicher. Das macht es einfacher, in akustisch nicht optimalen Räumlichkeiten aufzunehmen. Aber auch die Ausgewogenheit von Anschlägen und Sustain hört man bei anderen Kleinmembranern selten. Der Begriff „neutral“ hat, wie ich finde, bei Schlagzeugaufnahmen immer einen etwas schalen Beiklang, im Falle der TF-5 trifft er jedoch im positivsten Sinne zu.

An Hi-Hats braucht es ein Pad

Dass die Testkandidaten an lauten, nah mikrofonierten Quellen eine Pegelabschwächung benötigen, ließen die Messwerte schon vermuten, also schalte ich ein -15dB-Pad zwischen den RME UFX Preamp und das Mikrofon. Klanglich bietet sich abermals ein tolles Bild. An der 13er-Zildjian-K-Hi-Hat übertragen sie alle Details ohne harsch oder aggressiv zu klingen. Dass auch die Übersprechungen von den anderen Teilen des Kits wirklich toll klingen, sorgt im Kontext für einen seidigen, sauberen Klang, der den anderen Spuren nicht das Ergebnis vermatscht. Achtet dazu im Solo-File auf die Snaredrums und das Ridebecken. Obwohl alles andere als schlecht, liefert das KM 184 hier etwas nasalere, weniger fokussierte Resultate.

TF-5 und NT-5 in mono vor dem Drumset

Rode schreibt auf seiner Webseite, dass die TF-5 eine – für ein Stäbchen-Mikrofon – ungewöhnlich gute Basswiedergabe besäßen. Um das auszuprobieren, bietet sich eine meiner Lieblingspositionen für die Monodrums-Aufnahme geradezu an: schräg vor der Bassdrum – Snaredrum und Hi-Hat liegen in einer Linie dahinter. Das Resultat mit den TF-5 ist mächtig. Im Vergleich muss das NT-5 einpacken, es besitzt weder den Tiefbass noch die Straffheit oder die Details, die der teurere Testkandidat liefert. 

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