Hersteller_Rode
Test
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18.03.2013

Praxis

Um Aufmerksamkeit buhlen die beiden Rode NT5 weiß Gott nicht, so schüchtern, wie sie in ihren Mikrofonklemmen sitzen. Der matte Nickelglanz ist vornehm zurückhaltend und eigentlich ist wirklich nichts Besonderes zu erkennen. Die Mikros sind eben ganz normale Kleinmembran-Kondenser. Legt man die Phantomspeisung an und dreht die Hähne am Pult auf, fällt auf, dass es erstaunlich still bleibt – auch bei hohem Gain. Dies ist wie ein Lehrbuchbeispiel für das Vertrauen, das man in Zahlen haben oder eben nicht haben sollte: 16 dB(A) ist ok, aber auch nicht exorbitant wenig, doch kann man mit einer simplen Filterkurve (die diese A-Bewertung des Eigenrauschens nun mal ist) nicht alles ausdrücken: Das Rauschen der NT5 ist sehr gleichmäßig und daher angenehm unauffällig.

Vollkommen auf dem richtigen Weg ist man aber, wenn man aufgrund der Daten die NT5 für recht höhenreich hält. Diese Abstimmung hat fraglos ihre Vorteile, doch wirken Signale dadurch etwas zu wenig voluminös. Der Gitarre im Audiobeispiel – sowieso kein sonderlich bass-starkes Instrument – fehlt es ein wenig an Fundament. Allerdings hat uns für genau diesen Fall der Tontechnik-Gott einst den Equalizer durch die Wolken gereicht. Die Bässe und Tiefmitten sind bei den NT5-Signalen ja vorhanden und in keiner Weise problembehaftet, sie werden nur recht wenig unterstützt. Sie herauszumodellieren ist ein Leichtes und liefert ansprechende Ergebnisse. Spricht man über Frequenzen, ist es gerade bei Mikrofonen, die im Stereoverbund betrieben werden, nicht unwichtig, auch die Signale abseits der Hauptaufsprechrichtung zu betrachten. Die NT5 haben einen breiten, recht konstanten Bereich um die 0°, erst jenseits der 90°/270° wird der Frequenzgang auffällig wackelig.

Auch unsere beiden Kandidaten können sich nicht gänzlich ihrer Kaste der preiswerten Kleinmembran-Mikrofone entziehen. So gibt es auch hier das eigentlich allgegenwärtige Problem unter den nicht so teuren Mikros, souverän die 20 kHz zu erreichen. Die Höhen sind zwar generell (mehr als) vorhanden, doch täuschen sie dadurch über das eher schwache Air Band hinweg – ein Trick, der hier durchaus funktioniert. Rode hat es geschafft, das Mikrofon trotz seines Höhenreichtums nicht schrill, blechern oder sonstwie negativ klingen zu lassen. Nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick klingen die NT5 transparent. Auf den dritten Blick oder im Vergleich mit deutlich hochwertigeren Mikros sieht es schon etwas anders aus, denn die absolute Feinporigkeit lassen die beiden Stäbchen dann natürlich schon vermissen – doch wer werfe den ersten Stein bei diesem moderaten Preis?

Phasig oder löchrig klingen die beiden Kondensatormikrofone in keinem Fall, die Ortbarkeit ist ordentlich und auch dynamisch arbeiten sie verlässlich und ohne Auffälligkeiten. Damit habe ich ja nun ein passendes Wort benutzt: Verlässlich sind sie, die Rode. Ich hatte schnell das Gefühl, ihre Performance gut einschätzen zu können und war nie überrascht. Zwar sind sie deutlich höhenreich, doch bleiben sie immer ausreichend formbar – das macht Mikrofone zu einem guten Standard-Werkzeug.  

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