Hersteller_Rode
Test
2
19.05.2015

Rode NT-USB Test

USB-Kondensatormikrofon

Komplettpaket für unter 200 Euro

USB-Kondensatormikrofone wie das bei uns im Test befindliche NT-USB von Rode sind sehr gefragte Geräte – im Homerecording genauso wie bei Podcastern. Statt USB-Audiointerface mit Preamp, Kopfhörerverstärker und Direct-Monitoring, Mikrofon, Poppschutz und Stativ muss nur ein Rode NT-USB angeschafft werden, da in diesem Paket alles enthalten ist. Kopfhörer hat sowieso jeder, also kann es direkt losgehen. Dazu muss es kein Computer sein: Mit Camera Connection Kit kann man auch am iPad oder iPhone aufnehmen.

Anders als viele sehr preisgünstige USB-Mikrofone ermöglicht das NT-USB Direct-Monitoring, welches für die Aufnahme von Gesang so gut wie unverzichtbar ist: Dadurch hört man seine Stimme und das Playback vom Computer sofort. Zwar kann auch die Recording-Software das aufzunehmende Signal direkt wieder ausgeben, doch stört die unvermeidliche Verzögerung (Latenz) die Performance enorm. Das kennt jeder, der schon einmal bei einem Anruf mit dem Handy seine Stimme als lautes Echo gehört hat.

Details

Mehr als nur das Mikrofon

Im Produktpaket findet man nicht nur das Mikrofon selbst, sondern einiges an praktischem Beiwerk. Auffällig ist der große Metall-Poppschutz mit dem sehr plakativ aufgebrachten Rode-Firmenlogo. Mit einer kleinen Neigevorrichtung wird der Poppschutz am Fuß des NT-USB fixiert. Das gesamte Gebilde kann dann auf einem Mikrofonstativ oder dem mitgelieferten Dreibein-Tischständer befestigt werden. Neben einer Transporttasche gehört auch ein USB-Kabel zum Lieferumfang – und zwar mit sechs Metern ein richtig langes! Sehr gut!

Großmembran-Kondensatorkapsel mit Nierencharakteristik

Der Schall wird im Rode NT-USB von einer Großmembran verarbeitet. Diese besitzt Nierencharakteristik, das Podcast-/Gesangsmikrofon ist also auf der Vorderseite am empfindlichsten, auf der Rückseite am unempfindlichsten – dieses Polar-Pattern ist auch die am häufigsten verwendete Charakteristik. Allerdings ist das im Manual gezeigte Diagramm dazu wenig aussagekräftig, denn es ist zum einen stark gemittelt und geglättet und ist zum anderen nur bis 4 kHz angegeben. Die meisten Auffälligkeiten haben Mikrofone in der Regel weiter oben im Frequenzbild. Weil das Kondensatorprinzip zur Wandlung verwendet wird und somit die Membranmasse deutlich geringer sein kann als bei dynamischen Mikrofonen mit auf die Membran aufgeklebter Tauchspule, ist die Höhenwiedergabe recht gut, wenn man dem Diagramm glaubt. Dort ist bei 20 kHz noch keine Absenkung eingetragen, hinunter zu 20 Hz ist sie mit etwa 3 dB kaum auffallend. Für Stimmaufnahmen ist das aber herzlich egal, oftmals sogar eher störend, da sich dort unten nur noch Störgeräusche tummeln. Der 8dB-Boost mit einer Mittenfrequenz von 4,5 kHz wird sich klanglich sicher bemerkbar machen. Ob das Signal präsent und klar verständlich ist oder eher ringelt, klingelt und beißt, wird sich zeigen. 

Zahlen-Interpretationen

Den Grenzschalldruck gibt Rode mit „110 dB“ an. Was das nun konkret bedeuten soll, wird allerdings nicht deutlich. Es ist davon auszugehen, dass dB(SPL) gemeint sind und die Zerrprodukte bei diesem Pegel 0,5% betragen. Das würde bedeuten, dass das Mikrofon recht empfindlich ist und bei höheren Pegeln mancher Instrumente weiter entfernt aufgestellt werden sollte. Ansonsten ist ausschließlich der Dynamikbereich angegeben. Diese 96 dB lassen immerhin darauf schließen, dass das Rode NT-USB ein Eigenrauschen von 14 dB (wahrscheinlich A-bewertet) besitzt. Das wäre ok, Rode bräuchte diese Angabe nicht zu verstecken und Interessenten, Besitzer und Reviewer des NT-USB zu Interpretationen hinreißen lassen.

A/D-Wandlung und Direct-Monitoring

Im Rode NT-USB geschieht direkt die Wandlung des Analogsignals in die digitale Domäne. Hohe Werte sind in diesem Preissegment kaum zu erwarten, und so arbeitet der A/D-Wandler mit 16 Bit Quantisierung und Samplerates von 44,1 oder 48 kHz. Seitlich am Metallgehäuse befinden sich die Bedienelemente für das Monitoring, die ich gerne entgegen der üblichen Vorgehensweise von unten nach oben beschreiben will: Unten ist eine 3,5mm-Kopfhörerbuchse eingelassen. Man kann jetzt vortrefflich streiten, ob nicht eine 6,3mm-Buchse sinnvoller wäre, da es ja Adapter gibt. Aber diese „verlegt“ man bisweilen sehr gerne und zudem ist die mechanische Belastung höher. Direkt darüber ist ein Poti für die Gesamtlautstärke dieses Ausgangs zu finden. Mit Hilfe des obersten Reglers kann das Verhältnis von verzögerungsfreiem Mikrofonsignal, gekennzeichnet durch ein Mikrofon-Icon, zum Playbacksignal aus dem Computer, dargestellt durch ein Bildschirmsymbol, rasterlos eingestellt werden. Und das war es auch schon mit Bedienelementen, Gain, Pad oder Hochpassfilter besitzt das NT-USB nicht.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare