Test
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14.12.2010

PRAXIS:

Treiberwahn
Bevor das Fireface UFX zu seinem eigentlichen Einsatz kommt, muss die Kommunikation zum Computer via Treiberinstallation sichergestellt werden. Dazu schließt man das Fireface per USB oder Firewire an den jeweiligen Port an. Entscheidet man sich für beide Verbindungen, hat USB nach dem Einschalten des Gerätes immer Vorrang. Die Treiber-CD enthält sowohl die eigentlich benötigten Treiber als auch das Tool „Fireface USB Settings“ sowie die „TotalMix FX“-Software. Weiterhin befinden sich darauf das „Flash Update Tool“ sowie die Software Digicheck. Nach Installation sämtlicher Treiber und Zusatztools wurde das via USB mit meinem MacBook synchronisierte Fireface sofort erkannt und die TotalMix-FX-Software automatisch gestartet.

Vor der eigentlichen Inbetriebnahme habe ich jedoch auch gleich die Firmware des Audio Interfaces mit der Fireface-USB-Flash-Software auf den aktuellsten Stand gebracht. Sämtliche Installationsroutinen und Softwareupdates erfolgten dabei ohne weitere Probleme.

Die Steuerung des Fireface UFX kann sowohl am Computer als auch direkt am Interface vorgenommen werden. Für die PC-basierte-Konfiguration kommt die Fireface-USB-Settings-Software zum Einsatz. Damit lassen sich unter anderem Einstellungen auf die Arbeitsweise des DSPs, die digitalen Ein- und Ausgänge und das Synchronisationsverhalten vornehmen. Alle Einstellungen im Settings Dialog werden in Echtzeit vom Fireface übernommen. Das Dialogfenster mit seinen Drop-Down-Menüs ist dabei selbsterklärend und die gewünschte Konfiguration schnell ausgeführt.

UFX goes Hi-Fi
Auch wenn das Fireface vorrangig als hochwertiger A/D- und D/A-Wandler für den modernen Toningenieur konzipiert ist, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, das Gerät auch auf seine Alltagstauglichkeit hin zu prüfen. Dafür habe ich den ADAT2-Eingang im Settings-Dialog zuerst auf SPDIF gestellt, das Interface vom Computer getrennt und zusammen mit einem aktiven Lautsprecherpaar mit ins Wohnzimmer genommen. Denn warum sollte man den digitalen Alleskönner nicht auch als hochwertigen D/A-Wandler zur klanglichen Fernseheroptimierung nutzen können? Gesagt, getan. Das digitale Signal des TVs wurde per optischer Leitung abgegriffen und mit dem ADAT2-Eingang verbunden. An die beiden XLR-Ausgänge habe ich das aktive Lautsprecherpaar angeschlossen. Das SPDIF-Signal wurde vom Wandler ohne Probleme erkannt und die aktiven Studiomonitore über die analoge Ausgangregelung des Interfaces einwandfrei begrenzt. Damit lässt sich das Interface auch an recordingfreien Tagen zu Aufwertung des flachen TV-Klangs nutzen. Das Setup ist für dieses Szenario zwar mehr als überdimensioniert, funktioniert aber ohne Weiteres.

Echtzeit-Mischer
Eines der Hauptfeatures des Fireface UFX ist die komplett überarbeitete Steuersoftware TotalMix, die nun um das Namenskürzel FX erweitert wurde. Viele werden den Vorgänger bereits von anderen RME Produkten kennen und können sich nun auf zusätzliche Funktionen freuen. Damit lassen sich Kopfhörer-Mixe noch schneller, latenzfrei und vor allem ressourcenschonend gestalten, denn sämtliche Routings und Ausgangseffekte werden vom internen DSP (Digitaler Signal-Prozessor) berechnet. Wer der Meinung ist, dass das neue Erscheinungsbild des Softwaremixers zu bunt oder überladen ist, dem soll gesagt sein, dass im Laufe der Jahre alle Sequenzer mit der Zeit gegangen sind und sich mehr oder weniger vom grauen Standard-Look entfernen.

Wem die Software bisher unbekannt sein sollte, kann sie sich ähnlich einem Recording-Mischpult vorstellen. Wie in der analogen Welt auch, bietet der Echtzeit-Mischer die Möglichkeit, auf komfortable Weise sämtliche Audiosignale beliebig zu routen. Zusätzlich lassen sich bis zu 15 eigenständige Stereo-Kopfhörermixe gleichzeitig erstellen, die in der TotalMix-FX-Umgebung als Submixes bezeichnet werden. Ein analoges Mischpult würde dafür allein 30 Aux-Wege benötigen. Ergänzt wird das umfangreiche Routing-Angebot um die Möglichkeit, eingehende Signale direkt aufzusplitten und sie auf verschiedene Ausgänge zu verteilen. Dank Direct Monitoring kann das Eingangssignal auch direkt mit einem abgespielten Playback zusammengemischt werden.

Jeder Kanal, egal ob für Eingang, Wiedergabe oder Hardwareausgang wird durch ein Peak- und RMS-Level-Meter ergänzt. Damit ist zu jeder Zeit klar, ob ein Signal sauber anliegt und wohin es gerade geroutet wird. Ergänzt werden die Kanäle durch einen Panoramaregler sowie einen Mute- und Solo-Button. Neben dem Fader zur Pegelsteuerung befinden sich die Symbole zu den neuen Funktionen.

Das Schraubenschlüsselsymbol öffnet ein Settings-Menü, das je nach Art des Kanalzuges unterschiedliche Elemente von Phantomspeisung bis zur Instrumentenumschaltung bereitstellt. Weiterhin kann die Stereobasisbreite angepasst werden und auch Mitten- und Seitensignal lassen sich getrennt voneinander abhören. Der FX-Send-Regler steuert den Anteil, mit dem das Signal an den Effekt-Bus geroutet wird. Womit wir auch schon beim eigentlichen Highlight der TotalMix-FX-Software angelangt wären, den neuen Bearbeitungstools. Diese umfassen einen Equalizer, einen Kompressor/Expander sowie Hall- und Delay-Effekte. Damit sollte jeder noch so ausgefallene Kopfhörermix-Wunsch erfüllt werden können.

Der Equalizer ist parametrisch aufgebaut und besteht aus drei Bändern. Ganz klassisch nimmt man hier Einfluss auf den zu bearbeitenden Frequenzbereich, dessen Bandbreite sowie das Maß der Anhebung bzw. Absenkung. Zusätzlich lässt sich zwischen 20 und 500 Hertz ein Tiefpassfilter hinzuschalten, das in seiner Flankensteilheit von sechs bis zu 24 Dezibel pro Oktave eingestellt werden kann.

Praktisch, wenn es einmal schnell gehen muss: RME hat gleich die passenden Presets mit an Bord. Im Praxistest erwies sich der Equalizer als sehr nützliches Tool. Der EQ arbeitet sehr linear, ohne dem Audiosignal seinen eigenen Klang aufzudrücken. Dabei geht er bei Bedarf recht kräftig zu Werke, sodass er sich sowohl für extreme Einstellungen als auch für das Herausfiltern störender Frequenzen eignet.

Die Dynamics-Sektion dient unter anderem dazu, eingespielte Signale in ihrer Dynamik zu begrenzen. Auch hier sind die Parameter mit Threshold, Ratio, Gain, Attack und Release ganz klassisch gewählt und sollten keine weiteren Erklärungen benötigen. Die Einstellungsmöglichkeiten wurden jedoch um einige zusätzliche Funktionen wie Headroom und Auto Level ergänzt.

Der Kompressor arbeitet ähnlich wie der EQ angenehm und unauffällig. Von lang ausklingenden Bassgitarren bis zu schnellen Gitarrenläufen bekommt er jede Dynamikschwankung in den Griff, ohne dem Klang einen Stempel aufdrücken zu wollen.

Ausgefallene Reverb- und Delay-Wünsche verwöhnter Musiker zählen mit zu den CPU-intensivsten Anwendungen eines computerbasierten Studios. Damit ist nun endgültig Schluss. Denn auch diese Zumischeffekte werden vom internen DSP berechnet und sind somit latenzfrei auch für den Kopfhörer gemischt. Mit den vielseitigen Presets ist schnell ein Einsing-Hall erstellt, der dank seiner großzügigen Parameterauswahl kaum die Funktion eines externen PlugIns vermissen lässt. Klanglich spielen die Hall-Effekte in etwa in einer Liga mit den Standard Reverbs der bekannten Sequenzer.

Die Room-Presets eins bis vier stellen jedes Instrument in den passenden Raum und klingen dabei durchaus authentisch. Die Standard Hall-Presets sind für meinen Geschmack hingegen etwas zu spitz und würden bei meinen Kopfhörermixen wohl eher selten zum Einsatz kommen. Einziger Nachteil ist der gemeinsame Send-Weg, den sich Reverb und Delay teilen. Möchte man die beiden Effekte getrennt voneinander beschicken, muss wohl noch auf ein Softwareupdate seitens RME gewartet werden.

Im Hörtest mit aufgenommenen Musikinstrumenten lieferte das Interface das bereits bekannte und auch erwartete Klangergebnis, das sich mit meinem Fireface 400 mehr als deckt. Auch Sprachaufnahmen klangen realitätsnah, ohne überzeichneten Grundton oder gefärbte Mitten. Auch eine über die Preamps eingespielte elektrische Gitarre lieferte ein detailfreudiges Abbild, ohne mit ungewolltem Eigenklang zu verzerren. Auch auf der D/A-Seite weiß RME wie gewohnt zu überzeugen. Alle Frequenzbereiche werden mit hoher Linearität wiedergegeben, ohne dass dabei ein bestimmter Bereich bevorzugt oder verfärbt wurde. Vergleicht man das Interface mit einem anderen, externen Wandler des gleichen Herstellers, ergeben sich trotz deutlich höherer Anzahl an Bauteilen keine klanglichen Nachteile. Beide spielen auf dem gleichen Level, das UFX setzt sich dank üppiger Ausstattung jedoch ein kleines Stück ab.

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