Test
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27.08.2019

Rickenbacker 4003 Matte Black Test

Viersaitiger E-Bass

Zurück in die Zukunft!

Paul McCartney von den Beatles spielte einen, Chris Squire von Yes spielte einen, und viele weitere Tieftöner von Topbands dies- und jenseits des Atlantiks, wie beispielsweise Geddy Lee oder Cliff Burton, fanden ebenfalls gefallen an diesem Bassmodell mit der einzigartigen Optik und dem drahtigen, durchdringenden Sound. Richtig, die Rede ist natürlich vom Rickenbacker-Bass, der in seiner ersten Version im Jahre 1957 in Kalifornien das Licht der Welt erblickte! Der Ur-Rickenbacker mit der Bezeichnung "4000" besaß nur einen Tonabnehmer und wurde bereits 1961 vom legendären 4001 ersetzt, den die eingangs genannten Herren spielten. Bereits 1980 kam der bis heute fast unverändert gebaute Rickenbacker 4003 auf den Markt und konnte sich über die letzten vier Jahrzehnte mühelos gegen alle Trends in der Szene behaupten - alleine das ist schon bemerkenswert! Seit 2019 liefert der amerikanische Traditionshersteller einige Modelle mit der neuen Finish-Variante "Matte Black" aus. Der deutsche Vertrieb hat uns erfreulicherweise einen ziemlich edel wirkenden, mattschwarzen 4003er für diesen Test zur Verfügung gestellt.

Details

Die Spannung stieg schnell, als ich den schweren Karton an der Haustür in Empfang nahm und mich endlich ans Auspacken machen konnte. Schwer ist der Karton übrigens deshalb, weil der Rickenbacker 4003 in einem stabilen, rechteckigen Koffer aus Kunststoff ausgeliefert wird. Das Case besitzt vier einzeln abschließbare Schnappverschlüsse, bietet reichlich Platz für Zubehör, wie Kabel und Stimmgerät, und das Interieur wurde genau an den Bass angepasst, sodass er beim Transport nicht im Koffer umherrutschen kann.

Im Case liegt außerdem eine kleine Plastiktüte mit einem Poliertuch und einer knappen, sehr allgemein gefassten Bedienungsanleitung für Rickenbacker-Instrumente. Wer genauere Infos über den 4003 und beispielsweise über Funktionsweise der Elektronik benötigt, sollte sich allerdings besser im Internet umschauen, denn besonders übersichtlich und hilfreich ist die Broschüre leider nicht.

Aber kommen wir zum eigentlichen Objekt der Begierde: dem schicken 4003er mit der seidigen, mattschwarzen Lackierung. Das neue Finish sieht schon wirklich klasse aus und verleiht dem eigenwilligen Bass eine spezielle, edle Note. Ein positiver Nebeneffekt der matten Oberfläche auf dem Korpus und auf dem Halsrücken ist die angenehme Haptik. Die Greifhand wird bei schnellen Lagenwechseln nicht ausgebremst, und der Bass fühlt sich insgesamt sehr "seidig" an.

Abgesehen von dem tollen Finish handelt es sich bei meinem Testkandidaten um einen ganz "normalen" 4003er, wie wir ihn schon seit vielen Jahren kennen. Der flache Korpus und der sehr schlanke, durchgehende Hals bestehen aus hartem Ahorn und werden von einem weißen Binding eingefasst. Als Griffbrettmaterial kommt Palisander (Caribbean Rosewood) zum Einsatz, und natürlich dürfen auch die typischen Triangle-Einlagen aus Perlmutt beim 2019er-Modell nicht fehlen. Im Griffbrett sitzen schließlich 20 Bünde, die bei meinem Testbass absolut akkurat abgerichtet und poliert wurden.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal der Rickenbacker-Bässe ist die große asymmetrische Kopfplatte, auf dem eine spitz zulaufende weiße Kunststoffplatte mit dem markanten Rickenbacker-Schriftzug prangt. Die auffällige Kunststoffabdeckung ist natürlich nicht nur Deko, sondern dient gleichzeitig als Abdeckung für den Zugang zu den beiden Halsspannstäben des 4003.

Auf der Kopfplatte sitzen außerdem vier Deluxe-Mechaniken von Schaller, womit wir schon mitten im Thema Hardware- und Elektronikausstattung wären. Und auch hier hat der Rickenbacker 4003 einige Besonderheiten zu bieten, die man so bei keinem anderen Bass findet - allem voran eine sehr spezielle Brückenkonstruktion, die aus insgesamt drei Teilen besteht. Die massive Basis des Stegs ist mit dem Korpus fest verschraubt und nimmt am hinteren Ende die Saiten auf. Die Strings laufen dann über einen frei aufliegende Steg, welcher mit zwei kleinen Inbusschrauben in der Höhe justiert werden kann. Die einzelnen Saitenreiter sind nur für die Intonation vertikal justierbar, die Saitenlage kann also nicht individuell für jede Saite verändert werden. Vor dem Steg sitzt als drittes Element ein massiver Saitendämpfer mit Schaumstoffeinlage, der sich in der Höhe für die perfekte Dämpfungs-Dosis einstellen lässt. Die Justierung geschieht mit zwei großen Rändelschrauben.

Nicht weniger imposant als die monströse Rickenbacker-Brücke ist der Stegtonabnehmer des 4003. Der Singlecoil sitzt nämlich in einem großen Chromrahmen und wird von einem chromfarbenen Bügel abgedeckt, welcher über die Saiten läuft. Einige Rick-Spieler entfernen diesen imposanten Bügel übrigens, weil er beim Anschlagen der Saiten hinderlich sein kann.

Beim Halstonabnehmer handelt es sich ebenfalls um einen Singlecoil-Tonabnehmer. Beide Singlecoils haben beim 4003 die gleiche Polarität, so dass Einstreuungen beim Verwenden beider Pickups nicht - wie beispielsweise bei einem klassischen Jazz Bass - eliminiert werden. Obwohl die Schaltung je nach Umgebung zu lästigen Nebengeräuschen führen kann, bleibt Rickenbacker trotzdem seit Jahrzehnten beharrlich dabei - der typische, sehr spezielle Sound dürfte hier vermutlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen!

Aber wie auch immer: geregelt und geschaltet werden die beiden Singlecoils mit einem Dreiwege-Schalter und insgesamt vier Reglern, die allesamt auf dem markanten weißen Pickguard des 4003 montiert sind. Die Bedienung ist einfach und übersichtlich: Für jeden Tonabnehmer steht ein Lautstärkeregler und eine Tonblende zur Verfügung, und mit dem Schalter werden die Tonabnehmer angewählt (Steg / beide / Hals).

Hinter der Tonblende für den Stegtonabnehmer verbirgt sich allerdings noch eine Besonderheit: Zieht man das Push/Pull-Poti heraus, so wird ein Kondensator mit dem Stegtonabnehmer in Reihe geschaltet. Diese Schaltung wirkt wie ein High-Pass-Filter und macht den Sound schlanker und durchsetzungsstärker. Tatsächlich war der Kondensator bei allen Rickenbacker-Bässen bis 1984 serienmäßig fest installiert, bei den Modellen danach wurde darauf komplett verzichtet, weil die meisten Bassisten den fetteren Sound ohne Kondensator wohl besser fanden. Vor ein paar Jahren entschloss sich Rickenbacker dann allerdings, den Vintage-Sound als Option mit dem Push/Pull-Poti wieder zurückzubringen - warum auch nicht, mehr Soundmöglichkeiten sind immer willkommen!

Zu diesem Thema hat der Rick 4003 darüber hinaus noch eine weitere Spezialität zu bieten, die man sonst wohl nur bei Sonderanfertigungen finden wird. An der Zarge des Basses sitzen nämlich zwei Klinkenausgänge. Der Standard-Ausgang schickt ein ganz normales Mono-Signal zum Amp - ganz so, wie man es kennt. Zapft man den "Rick-O-Sound" Stereo-Ausgang mit einem Y-Kabel an, werden die Signale der beiden Tonabnehmer separiert weitergeleitet. Ein Setup mit verschiedenen Amps ist hier beispielsweise denkbar. Der Schalter zur Tonabnehmeranwahl funktioniert im "Rick-O-Sound"-Betrieb zudem ähnlich wie ein Filter und liefert abermals zusätzliche Klangvariationen.

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