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06.10.2008

Pay to Play? Die Kostenseite der Medaille

Das Management einer bekannten Band, die Euch mit auf Tour nehmen, will von Euch oder Eurer Plattenfirma vielleicht einen Zuschuss zu den Marketingkosten. Schließlich kostet es Geld, Konzerte bekannt zu machen, also z.B. Poster zu drucken und Anzeigen zu schalten. In seltenen Fällen reicht es, die größere Band oder ihr Management durch Qualität zu überzeugen. Wenn ihr glaubhaft beweisen könnt, dass Ihr eine ungeheure Bereicherung für die Tournee sein werdet, dann geht es vielleicht auch ohne CD, Plattenfirma und vor allem: ohne Geld.

Apropos „Kein Geld“: Für einen Support-Auftritt werdet Ihr mit größter Wahrscheinlichkeit nicht bezahlt.

Ihr profitiert ja auf einer anderen Ebene von dem Deal. In diesem Stadium und bei verhältnismäßig kleinen Konzerten solltet Ihr im Gegenzug dafür selbst aber auch nicht bezahlen müssen. Es kommt vor, dass ganz offen sogenannte „Buy On“- oder „Pay to play“-Forderungen an Euch gerichtet werden. Manchmal verstecken sie sich auch hinter der Aufforderung, zum Beispiel zehn Eintrittskarten zu kaufen und diese dann an Freunde und Bekannte weiterzuverkaufen.


Grundsätzlich müsst Ihr Euch diesen Forderungen nicht beugen. Eher solltet Ihr in Betracht ziehen, nicht zu spielen und das Geld in Marketing-Aktivitäten zu stecken, die bei gleichem finanziellem Aufwand mehr Reichweite versprechen (z.B. die oben erwähnte Band-Website). Bei einzelnen Konzerten in lokalen Clubs werdet Ihr aller Voraussicht nach vor maximal 50 bis 200 Leuten spielen. Das ist nicht schlecht und verschafft Euch Live-Erfahrung. Andererseits bedeutet es für Eure Karriere auch nicht so viel, dass Ihr viel Geld dafür investieren solltet.

Im Allgemeinen sind die meisten Club-Besitzer fair genug, Euch gar nicht mit solchem Unsinn zu belästigen.
Sie sind im Gegenteil daran interessiert, das Programm ihres Clubs aufzuwerten und gute neue Bands zu entdecken, mit denen sie langfristig zusammenarbeiten können.
Viele von ihnen haben aus den schlechten Erfahrungen der großen Plattenfirmen gelernt, die jahrelang ihre One-Hit-Wonders gemolken haben, ohne sich kontinuierlich um die Förderung des Nachwuchses zu kümmern. Die Folge waren drastische Gewinneinbrüche und ein großer Mangel an etablierten Bands, die wie Coldplay über Jahre und mit Sicherheit Millionen Platten verkaufen werden, weil sie in aller Ruhe aufgebaut wurden und Zeit hatten, künstlerisch zu reifen.
Diesen Fehler wollen die meisten Veranstalter, wie Christian Bilda von x-why-z bestätigt, nicht wiederholen: „Schließlich leben wir von neuen Bands, mit denen wir langfristig Geld verdienen können. Deswegen machen wir Newcomern den Einstieg ins Live-Geschäft in der Regel so leicht wie möglich.“

Was kostet eine Tour? Bei Auftritten in anderen Städten oder gar bei einer landesweiten Tour kommen natürlich Kosten auf Euch zu, die Ihr selbst tragen müsst.
In allererster Linie sind dies Reisekosten: Die Miete für einen Transporter und Benzinkosten, außerdem Verpflegung und Unterkunft. Doch nicht nur das: Organisieren muss man diese Dinge auch. Eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist – denn nicht jeder große Künstler glänzt durch exzellente Planung und hundertprozentige Zuverlässigkeit. Vielleicht hilft der Druck der Erkenntnis: Seid Ihr nicht zur abgemachten Zeit an Ort und Stelle und legt Euren Mörderauftritt hin, dann ist die wunderbare Tournee im Vorprogramm Eurer Idole ganz schnell beendet.

Weitere Kosten entstehen erst, wenn Ihr das Glück habt, im Vorprogramm einer Band auftreten zu dürfen, die pro Konzert vor 5000 Menschen und mehr spielt.

Dann sagt das Management des Hauptacts oftmals: Wir geben Euch die Chance, vor Tausenden von Menschen zu spielen, dafür wollen wir auch etwas bekommen.
Abgesehen von solchen Forderungen wird man Euch an Kosten beteiligen, die Ihr tatsächlich verursacht: Das Catering, also die Verpflegung mit Getränken und Speisen, wird teurer, wenn Ihr mitversorgt werdet. Das Personal des Veranstaltungsortes muss Euretwegen früher kommen oder später gehen. Ihr beansprucht Technik und Techniker, die an der Vorbereitung und Abwicklung Eures Auftrittes beteiligt sind.

Doch keine Sorge, beschwichtigt Christian Bilda: „Solange diese Kosten nicht weiter ins Gewicht fallen, wird niemand eine Band mit Kleinstbeträgen nerven. Sobald sie aber zu einer nennenswerten Größe anwachsen, wird die Band daran beteiligt. Nicht weil wir uns bereichern möchten, sondern weil wir nicht draufzahlen möchten, wenn wir einer Band einen Gefallen tun.“ Eigentlich logisch, oder?

Doch selbst wenn Ihr zahlen müsst, um im Vorprogramm einer größeren Band auftreten zu dürfen, ist dies eine Investition, die sich durchaus lohnen kann.
Ihr sammelt Erfahrungen, Eure Auftritte werden mit der Zeit immer besser, Ihr spielt vor einem Publikum, dass Ihr sonst niemals erreichen würdet. Und sollten es im schlimmsten Fall doch nur 50 Menschen sein, vor denen Ihr Euch die Seele aus dem Leib spielt, lasst Euch trösten: So haben alle angefangen! Selbst R.E.M. absolvierten ihre ersten Auftritte vor weit weniger Publikum.

Niemals allerdings solltet Ihr für so eine Tour einen Kredit aufnehmen oder Euch anderweitig verschulden. Dafür ist der erzielte Effekt zu gering. Sollte Plan A, die Deutschlandtournee im Vorprogramm der Stars, sich nicht schuldenfrei realisieren lassen, so schaltet zurück zu Plan B: Spielt in Eurer Heimatstadt oder in der näheren Umgebung und wartet auf Eure Chance, Plan A auch ohne finanziellen Ruin zu verwirklichen. Sie wird kommen.

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