Test
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27.03.2015

Ploytec πλ² / PL2 Test

Digitaler Synthesizer

8-bit Power aus der MIDI-Buchse

Der Ploytec πλ² (sprich: Pi L Squared oder PL2) ist ein sehr kleiner, digitaler Synthesizer, der über die MIDI-Buchse betrieben wird. Das Besondere daran ist, dass er im Idealfall wirklich nur über die MIDI-Buchse betrieben wird und von dort auch seinen Strom bezieht. Wer das nerdig findet, liegt richtig: der Ploytec πλ² ist eine absolut nerdige Angelegenheit, aber deshalb lieben wir unsere Synthesizerwelt ja auch so. Was es also genau mit dem schwarzen Würfel auf sich hat und ob der πλ² mehr als nur ein Gimmick ist haben wir in unserem Test zusammengetragen.

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Den πλ² der badischen Firma Ploytec als minimalistisch zu bezeichnen ist fast schon eine Untertreibung: das Gerät besteht aus einem kleinen schwarzen Quader, ca. fünf Zentimeter im Quadrat und gerade mal drei Zentimeter hoch. Auf der einen Seite gibt es einen MIDI-Eingang und eine kleine USB-Buchse, auf der anderen einen Cinch-Audioausgang. Oben drauf steht der Name, unten die Seriennummer und das FC/CE-Zeichen. Das war's. Geliefert wird das Gerätchen in einer ebenso kleinen, weißen Verpackung, der ein zusammengefalteter Zettel mit den MIDI-Control-Nummern beiliegt.

Konzept

Im Inneren des Ploytec πλ² werkeln drei elektronische Bauteile, die zunächst gar nicht für den musikalischen Einsatz gedacht waren. Und im Idealfall bezieht der kleine Synth seinen Strom aus der MIDI-Buchse, was in der MIDI-Spezifikation gar nicht vorgesehen ist. Das alles macht klar: der πλ² ist kein Boutique-Synthesizer, sondern ein Konzept-Synth, und darauf muss man sich einlassen. Hergestellt wird der πλ² von der Firma Ploytec aus dem badischen Schopfheim, einer Firma, die sich auf MIDI-Controller und Audiotreiber spezialisiert hat. Der πλ² entstand also offensichtlich aus der täglichen Beschäftigung mit Audio und MIDI und der Einsicht: da geht noch was, das treiben wir jetzt auf die Spitze.

Nach dem Staunen über die Minimalst-Lieferung ist man andererseits gleich wieder erstaunt, sobald man auf der Webseite zum πλ² angekommen ist, denn hier wird viel geboten: Dutzende von Videos, englische und deutsche Bedienungsanleitung, Klangbeispiele auf Soundcloud, Templates für eine ganze Reihe von Controllern, eine Kompabilitätsliste, eine zusätzliche Firmware, die den πλ² in ein ganz anderes Gerät verwandelt und Editoren für Windows, OS X und iPad. Das ist eine ganze Reihe mehr, als man bei viel größeren Firmen bisweilen findet, und soll hier mal ausdrücklich gelobt werden! Gleichzeitig ist das natürlich aber auch nötig, denn irgendwie muss man den πλ² ja benutzen können.

Ploytec πλ² Software Editor und Klangerzeugung

Der Software Editor für OS X teilt sich in zwei Fenster: das erste ist für das Aufspielen der diversen Firmwares zuständig, das zweite für die Sounds. Beiden Fenstern ist gemeinsam, dass im unteren Teil ein Keyboard samt einem kleinen Sequenzer eingebunden ist. Beim iPad-Editor gibt es auch ein Keyboard, aber auf den Sequencer muss man leider verzichten.

Der grundsätzliche Sound wird von zwei Rechteckoszillatoren gestellt, die man in unterschiedlichen Modi laufen lassen kann: Mono, zweistimmig, verstimmt, Oktavlage und andere. Insgesamt ergibt das sieben verschiedene Schwingungsformen, die man durch die regelbare Pulsbreite noch weiter bearbeiten kann. Der Lautstärkeverlauf wird durch eine ADSR-Hüllkurve geregelt. Danach geht's direkt in einen zuschaltbaren Bitshifter, der das ganze schon mal anzerrt.

Es folgt ein digitales Filter mit Resonanz, das auch zur Selbstresonanz gebracht werden kann. Zur Auswahl stehen hier Lowpass-, Bandpass- und Highpass-Filter. Auf Wunsch kann die Lautstärke-Hüllkurve auch das Filter steuern, eine eigene Envelope hat das Filter nicht.

Nach der Filterstufe geht es in einen weiteren Bitshifter, diesmal nicht nur zuschaltbar sondern auch regelbar. Wer die kräftig zupackenden Bitshifter des Dave Smith Instruments Evolver kennt: der Ploytec πλ² packt nicht nur zu, er krallt, reißt und zerstört! Um das dann ein bisschen abzumildern gibt es dann noch ein analoges Tiefpassfilter (ohne Resonanz), das schließlich in die analoge Endstufe führt, die wiederum mit einem Kompressor für analoge Sättigung ausgestattet ist.

Nochmal in kurz: Oszillatoren ⇒ Envelope ⇒ Bitshifter ⇒ Digitales Multimode-Filter ⇒ Bitshifter ⇒ analoges Filter ⇒ Kompressor/Endstufe

Zusätzlich gibt es einen LFO, der über die MIDI-Clock gesteuert wird und der auf Pulsbreite, Tonhöhe, Filter und Lautstärke einwirken kann. Als Spielhilfen gibt es einen Portamentomodus und Key Off Attack und das Modulationsrad kann auf bis zu sieben Modulationsziele einwirken.

Das ist jetzt aber immer noch nicht alles, denn die Firmware 2.0 enthält zusätzlich einen Bassdrum-Modus und mit Firmware 2.56 wird das ganze Gerät zu einem Sprachsynthesizer, aber dazu später mehr. Klar ist aber spätestens jetzt: mit ähnlich kleinen Synthesizern wie z.B. den Korg Monotrons hat der Ploytec πλ² nicht viel zu tun. Er ist ein vollwertiger digitaler Hardware-Synthesizer im Miniaturformat und damit im Augenblick ziemlich einzigartig.

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