Test
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02.11.2016

Praxis

Zuerst möchte ich anmerken, dass die Dateiorganisation im Musikbrowser gefällt, da sie übersichtlich strukturiert ist. Die schmale Filterleiste an der Seite, die je nach Sortierfunktion Alphabet, BPM, Key oder Track-Längen anzeigt, zeugt von Liebe zum Detail, ebenso die Vorschau der Wellenformen. Schade finde ich allerdings, dass auch in WeDJ keine Playlisten direkt angelegt und umsortiert werden können, da systembedingt iTunes vorgibt. Auch in der History oder Tag-Liste geht das nicht, dabei zeigen Automix-Apps wie Splyce oder Pyro, wie intuitiv dies vonstattengehen kann. Gefallen würde mir zudem ein Austausch von Playlisten mit Rekordbox-Playern oder der PC/Mac-Software. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Aktuell lassen sich nur die Recordings auf den Rechner schieben.

Mixen

Zwei Titel sind nun geladen und der Mix kann beginnen. Dabei ist festzuhalten, dass manuelles Beatmatching via Jogwheels und Pitchfader hier nicht angesagt ist, da es aktuell weder Teller-Nudging noch Pitch-Bend-Buttons gibt. Fasst man an den Teller, stoppt der Track.

Stattdessen setzt das Programm auf Autosync. Das funktioniert bei Musikstücken mit konstantem Tempo erwartungsgemäß gut und wenn das Beatgrid nicht passt, lässt sich das Raster anpassen (und natürlich auch resetten.) Dabei ist die Zoom-Funktion eine Hilfe. Damit beim Autosync und den erforderlichen Tempoänderungen keine Mickey-Maus-Effekte auftreten, ist ein leistungsfähiger Keylock verbaut, den wir nachstehend festgehalten haben und der sogar bei hohen Werten kaum Artefakte liefert. Très bien!

Geblendet wird, so man nicht das Mixer-Popup aufruft, mit dem Crossfader, der ohne Auto-Fade-Buttons auskommen muss. Das könnte man optimieren, gern mit flexibler Übergangszeit. Der Fader selbst misst 50 Millimeter und springt auf Doppelklick in die Nullposition wie auch der Pitch. Obacht, das lässt sich nicht deaktivieren.

Im Mixer-Panel finden sich insgesamt bis zu fünf virtuelle Fader: Channel Volume, LowQ, MidQ, HiQ und Trim (optional). Was mir fehlt ist ein simples Kombifilter oder ein einzeln steuerbarer Color Fx, was in Verbindung mit dem WeGo4 sehr wohl möglich ist. Dann gern auch mit Crossfader-Verlinkung.

Das Loop-Panel ermöglicht manuelle und automatische (Slip-) Loops von 1/32 bis 32 Beats, Hotcues gibt es vier an der Zahl. Die Quantisierung reicht von 1 bis 1/8 Beats und Off, was auch auf die manuellen Loops Auswirkung hat. Mit den Combo FX spricht man gleich zwei FX-Typen simultan an (es sei denn, man geht sehr vorsichtig zu Werke). Oben stehen Filter, Jet, Crush, Noise und Pitch zur Auswahl, seitlich Echo, Spiral, Reverb, Trans, Filter LFO, Flanger, Phaser und Roll. Macht summa summarum 40 mögliche Kombinationen und die FX hören sich echt gut an.

Die Pad FX sind sechs editierbare Flächen, eine davon ist den Release-FX (Vinyl Break, Release Echo, Back Spin) vorbehalten, der Rest darf mit Slip Loop, Trans, Pitch Up und 12 weiteren FX belegt werden. Interessant hier, dass die obere Reihe lediglich einen ausgewählten FX-Typus mit drei unterschiedlichen Parametern darstellt, wohingegen in der unteren Reihe Pad 4, 5 und 6 frei belegt werden können.

Da das iPad Multitouch-fähig ist, könnt ihr Pad FX und Combo FX simultan auslösen und dirigieren, was euch noch mehr Möglichkeiten bietet. Die Release-FX auf Pad 6 bringen euch wieder zurück auf den Boden, wenn es genug ist mit der Track-Schredderei. Betätigt ihr ein Pad, wird die Hold-Funktion der Combo-FX abgeschaltet und der Effekt stoppt abrupt. Das würde ich ändern. Ansonsten aber ein ausgeklügeltes System.

Fehlt noch der Sampler mit seinen acht Pads nebst Volume-Regler. Aktuell gibt es hier nur One Shots der Kategorien „909, Essentials, Voice und FX“. Die Pads sind frei konfigurierbar und sicherlich über kurz oder lang mit Artist Packs nachzurüsten. Der Sampler ist von der Quantisierung ausgenommen. Einen Phrasen-Recorder wie bei der RMX-1000 App gibt es (noch) nicht.

Automix

Ein tolles Feature, wenn man sich eine Playlist gemixt anhören möchte, ohne selbst Hand anzulegen, ist der Automix-Modus. Bei der automatischen Beatsynchronisation im Automix-Modus ist darauf zu achten, dass die Cues passend gesetzt sind, wenn der Auto-Cue Modus aktiviert ist, damit es nicht holpert. Schön wäre es, wenn sich die Art des Übergangs und die Länge festlegen ließen. Die Backspins beispielsweise sind nicht mein persönlicher Fall.

Hook-up: Splitting, Interfaces, Headphones, Mixer

Grundsätzlich lässt sich WeDJ mit einem Splitterkabel nutzen, das zwei mono Signalpfade ausgibt und somit das Vorhören und Mixen erlaubt. Hierzu möchte ich auf unsere „Auflegen mit dem iPad“ Crashkurs-Reihe verweisen. Ebenso kann man ein Audiointerface an das iPad anschließen und darüber „ausspielen“.

Kommt ein Multi-Channel-Interface zum Einsatz, etwa das NI Traktor 6, lässt sich je ein Stereosignal an die Anlage und den Kopfhörer/Monitor ausgeben. Das separate Ausspielen der einzelnen Decks, um diese an zwei Kanäle eines DJ-Mischpults weiter zu leiten, mit dem dann klassisch gemixt wird, ist nicht möglich. Schade, würde es außerdem doch WeDJ nebst iPad zu einem leichten, kompakten Notfallsystem avancieren lassen. Erst recht, gäbe es eine iPhone-Version, die man als Besitzer dieses Smartphones quasi immer mit dabei haben könnte.

Controller

Als Controller akzeptiert Pioneer WeDJ momentan lediglich zwei Kommandozentrale aus eigenem Hause, und zwar den DDJ-WeGo4 oder den Vorgänger WeGo3. Hier verbindet man einfach Anlage, Kopfhörer und Controller, schließt sein iPad an, positioniert es in der vorgesehenen Tablet-Mulde und mixt dann mit physischen Fadern und Knobs bei einem guten Blickwinkel aufs Tablet.

Der Controller übernimmt dabei aber noch mehr Funktionen, kann auch zum manuellen Beatmatching herhalten und erlaubt, FX, Cues und Loops abzufeuern. Beim EQ muss man zwar mit einem Zweibänder vorlieb nehmen, dafür ist aber noch das Filter mit von der Partie. Damit lässt sich arbeiten. Dazu lassen sich Suchvorgänge auf dem Tablet eintippen, FX auf dem XY-Pad bedienen etc. Das Beste aus zwei Welten.

Sobald unser WeGo4 Testmuster angeschlossen ist, wechselt das grafische Benutzerinterface auf dem Tablet in den Wego-View und zeigt die Funktionen inklusive Status-Feedback gemäß Beschriftung an der Hardware an. Hier ist noch positiv zu erwähnen: Pioneer verzichtet auf jedweden Kabelhickhack durch Spezialanschlüsse, sondern stellt nun eine klassische Typ-A Buchse zum Anschluss bereit, an der man einfach sein mitgeliefertes USB-Kabel vom iPad einsteckt, das während des Betriebes auch noch geladen wird. Ein ausführlicher Pioneer DDJ-Wego4 Test folgt. Es wäre schön, würden Pioneer WeDJ zukünftig noch weitere DDJ-Controller unterstützen.

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