Test
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25.04.2017

Praxis

Der Sequencer an Bord des TAS-1 kann bis zu 64 Schritte im Step-Sequence-Modus aufzeichnen. Live-Recording ist nicht möglich. In dieser Hinsicht ähnelt der AS-1-Sequencer klassischen Geräten wie Rolands TB-303 oder MC-202. Auch bei diesen kleinen Kisten muss der Musiker die Noten Schritt für Schritt einprogrammieren, anstatt sie intuitiv live einzuspielen zu können.

Aufgepasst: Wird das Programm vor dem Umschalten nicht gespeichert, sind alle Änderungen in Sound und Sequenz nur noch Geschichte. Und zum Umschalten muss nur der falsche Endlosregler bewegt werden und schon ist das bearbeitete Programm unwiederbringlich verloren. Also Vorsicht!

Aber ist die Sequenz erst mal im Kasten, geht der Spaß auch schon los. Mit leichtem Druck auf die Folientastatur transponieren und bei laufendem Sequencer die Länge der Tonfolge taktgenau verändern, geht sehr intuitiv von der Hand. Ich habe exklusiv für Bonedo einen kurzen Song produziert, auf dem sämtliche Sounds, also auch Drums und Percussion, jeweils einzeln und live Spur für Spur aus dem Toraiz AS-1 aufgenommen wurden. Drums, Percussion, Bass, Melodien und Pads: Der Song zeigt ganz gut das Klangpotential des Toraiz AS-1.

Toraiz AS-1 Modus

Ob man den Toraiz jetzt als Sequencer mit 2 x 495 Patterns und zugehörigen Sounds versteht oder als Synth mit 2 x 495 Sounds und dazugehörigen Sequenzen: Fast 1.000 Programme sind eine Menge Holz. Um bei Performances den Durchblick zu behalten, lassen sich 13 Favoriten für den direkten Zugriff auf die Folientastatur legen.

Die bereits seit August 2016 erhältliche Sample-Workstation Toraiz-SP16 hat in ihrer neuen Version 1.30 u.a. neben den Track Types Audio, Thru und MIDI auch einen „Toraiz-AS-1-Modus“ spendiert bekommen. Leider ist dieser Modus noch nicht besonders gut dokumentiert. Er ist da, aber weder im Handbuch noch im Internet findet man darüber bislang verlässliche und nachlesbare Informationen.

Vereinfacht gesagt: Bank Change und Program Change lassen sich hier festlegen, ebenso die Scale. OK, geht im normalen MIDI Track Type auch, allerdings korrespondieren hier die Nummern der Bänke und Programme präzise miteinander.

Der Toraiz AS-1 Modus ist quasi ein „Super MIDI Track Type“, ein via MIDI angeschlossener AS-1 kann somit immer mit dem passenden Programm zur gewählten TSP-16-Scene spielen. Das ist ganz praktisch. Leider springt jedoch das Menü nach Eingabe immer wieder zurück auf die Track Menu Page.

Noch praxisnäher wäre es, wenn man via Programm Change Page die Sounds des AS-1 durchscrollen und in einer Art „Audition Mode“ vorhören könnte. Aber zur erneuten Programmauswahl muss man stets erst wieder ins Program Change Menü, auswählen, bestätigen und dann springt man wieder ins Track Menü. Dann doch lieber die Programs direkt am TAS-1 durchtesten und dann erst am TSP-16 einstellen.

Der AS-1 Modus ist auch nur für die MIDI-Kommunikation zuständig. Möchte man den Synth auch über den Input des TSP-16 abhören, muss das über einen weiteren Thru-Track geschehen. MIDI-Out und Audio-In, ähnlich wie bei den „External Instruments“ in Ableton Live, ist nicht möglich.

Wird der AS-1 vom Toraiz SP-16 im „AS-1 Modus“ gesteuert, fällt das Fehlen eines Liveaufnahme-Modus nicht so ins Gewicht, denn am TSP-16 können natürlich Sequenzen live und in Echtzeit und mit Skalenunterstützung programmiert werden.

Eigentlich müssten auch Program Changes pro Pattern möglich sein, Parameter-Aufzeichnungen für Klangveränderungen im Pattern, denn über die Softbuttons des TSP-16 lassen sich dedizierte Parameter des AS-1 kontrollieren. Aber zumindest im Test konnte ich solcherlei Aktionen nicht aufnehmen.

Der AS-1-Modus des Toraiz SP-16 ist zwar noch nicht ausreichend dokumentiert, aber was sich schon sagen lässt: Wenn DJ in der Booth ein komplettes Pioneer Pro-Link-System mit CDJ-2000NXS, DJM-900NXS und den beiden Toraiz-Geräten vorfindet, lässt sich nun per USB-Stick nicht nur der TSP-16 mit Samples befüllen, nein, die Sequenzen für den Toraiz AS-1 an Bord des TSP-16 sind dann auch gleich mit dabei.

Arpeggiator

Sehr schön, dass Pioneer neben dem Sequencer auch noch einen Arpeggiator dazugelegt hat. Allein damit kann man live und spontan schon unglaublich viel anfangen. Auf der Oberfläche des AS-1 lässt sich der Arpeggiator zwar lediglich aktivieren und auf „Hold“ schalten, doch per Parameter-Regler offenbaren sich dann die ausgefuchsteren Einstellungen.

Als Modi sind Up, Down, Up+Down und Random vorgesehen. Die Range kann eine, zwei oder drei Oktaven betragen. Den Parameter „Time Division“ teilt sich der Arpeggiator mit dem Sequencer. Hier sind Zeiten von 2, 4, 8, 16 und 32 Trigger-Impulsen möglich, für die Sechzehntel auch triolische und Swing-Variationen, für die Achtel noch zusätzlich gepunktete Achtel.

Leider muss der Arpeggiator ohne Quantisierung auskommen. Möchte man live Arpeggios triggern, was mit der Folientastatur problemlos möglich ist, sollte man nicht nur Noten- sondern auch Timing-sicher sein: Das Arpeggio läuft zwar schön im Sync mit, aber nur so tight, wie man die Trigger-Noten gedrückt hat. Wünschenswert wäre hier eine Quantize-Funktion für das nächste Update. Und wo wir schon beim Wünschen sind: Auch eine einstellbare Swing-Funktion würde gut tun.

Sync Problems

Was mich mehr stört als solche Umständlichkeiten: Die Synchronisation des AS1 läuft nach dem Umschalten mit jedem Wechsel mehr aus dem Ruder, es sei denn, man startet den Master Clock Sequencer neu. Dabei ist es auch egal, ob man sich im „Lock Sequence Mode“ befindet. Das ist so nicht live-tauglich, hier sollte Pioneer DJ dringend nacharbeiten.

Zu den Audiodateien: Beim Umschalten der Programme im Audiobeispiel 1 verliert der AS-1 den Sync zur Master Clock. Hier ein Beispiel im „Lock Seq Modus“, bei dem trotz Programmwechsel die Sequenz gleichbleibt. Auch im zweiten Beispiel verliert der Synth den Sync nach dem Umschalten der Programme, diesmal jedoch ohne „Lock Seq“, wobei jeder Sound seine eigene Sequenz mitbringt. Beim dritten Beispiel ist der TAS-1 selbst der MIDI Clock Master und bringt beim Schrauben an den Cutoff- und Resonance-Reglern sogar das Timing des MIDI Slaves TSP-16 durcheinander. Pioneer sollte hier dringend nacharbeiten.

Editor

Am Toraiz AS-1 lassen sich die üppig vorhandenen Parameter auch am Gerät selbst über das OLED und die Endlosregler verstellen. Aber das ist so kompliziert und langwierig wie an einem 80er-Jahre MIDI-Expander. Da kommt der von Pioneer offiziell unterstützte Editor für den Toraiz AS-1 für Mac (ab OSX 10.5) und PC (ab Windows XP) au der Firma Sound Tower gerade recht.

Bereits die „Light-Version“ ist ein absolut empfehlenswerter Zusatz: Hier sind alle verfügbaren Parameter des Toraiz AS-1 aufgelistet und die Bedienung erfolgt bidirektional. Die „Pro-Version“ bietet für 39 Dollar Library-Funktionen und mit „Program Genetics“ und „Program Morpher“ tiefere Eingriffe in die Soundherstellung, dazu Sequencer-, Arpeggiator- und Filter-Templates sowie unlimitierte sogenannte „Phantom Program Banks“. Sequenzen auf dem Bildschirm programmieren geht aber auch mit der kostenlosen LE-Variante, die unbedingt empfehlenswert ist, um einigermaßen intuitives Sounddesign mit dem Toraiz zu betreiben.

Im Sequence-Fenster lassen sich die MIDI-Noten bequem mit der Computermaus einfügen und verändern und gemeinsam mit dem editierten Sound wieder in der Hardware abspeichern.

Im Editor lässt sich auch gut beobachten, wie der Decay/Release-Regler der Hardware auf gleich vier Parameter in der Engine zugreift, alle synchron beeinflusst und eventuell vorhandene Nuancen grob glattbügelt. Der AS-1 ist eben eine Rampensau.

Und das definierte Sounddesign erfolgt am besten am Editor. Denn viele Sounds leben von den verschiedenen Settings in den Hüllkurven, die durch einmaliges Bedienen des „Decay/Release“-Reglers gnadenlos auf den gleichen Wert gedrängt werden. Schöner wäre es, wenn dieser Regler proportional auf die verschiedenen Envelopes zugreifen würde, sodass die ursprünglichen Werte modulierbar bleiben.

Im Editor erfolgt auch die dynamische Zuweisung von bis zu sieben Parametern zum Touchstrip. Besonders bieten sich hier die beiden FX-Mix-Funktionen an, denn dafür ist kein weiterer physikalischer Regler vorgesehen. Am AS-1 das Filter aufziehen und langsam per Touchstrip den sich öffnenden Sound ins Delay fahren, taugt schon mal für aufregende Effekte und wird sicherlich von Toraiz-Artists öfters zu hören sein.

Live on Stage

Ich hatte während der Testphase die Gelegenheit, den Toraiz AS-1 in die freie Wildbahn auszuführen und mit ihm auf der Liquid Sky Berlin Jam Session im Rahmenprogramm der Superbooth17 zu spielen. Die Funktionalität eines Geräts erschließt sich schließlich oft erst in der Live-Situation.

Trotz der angesprochenen Sync-Probleme beim Umschalten der Sounds hat sich der AS-1 in meinem Live-Setup außerordentlich gut geschlagen. Er lässt sich im MIDI-Slave-Modus in einem bereits laufenden Setup stoppen und wieder neu einstarten, wovon ich dann auch häufig Gebrauch gemacht habe.

In meinem Gerätepark, bestehend aus KORG Electribe ER-1 für die Beats, Twisted Electrons Acid8 für den Bass und Animoog auf dem iPhone für die sphärischen Klänge, war der Toraiz AS-1 für die markanten, hookigen Sounds zuständig und erfüllte diese Aufgabe mit Bravour.

Allerdings sollte man seine Programs bereits vorher ins Trockene bzw. den Toraiz gebracht haben, denn durch seine eingeschränkten Echtzeit-Zugriffsmöglichkeiten und dem nicht sehr intuitiven Step-Recording eignet sich der AS-1 mehr zur Variation bereits programmierter Sounds und Sequenzen.

Neben dem Live-Betrieb scheint die DJ-Booth der ideale Spielplatz für den Toraiz-Synth zu sein. DJs können aus einem riesigen Arsenal von fast 1.000 Sequenzen mit analogen Sounds auswählen, die dank seiner Prophet-DNA absolut beeindruckend klingen. Das Spielen mit den vorprogrammierten Patterns macht zudem enorm viel Spaß. Letztlich ist auch noch das Zusammenspiel mit dem Toraiz SP-16 ein Argument, da er sich via Pioneer Pro-Link mit den CDJ-2000NXS synchronisieren lässt.

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