News
5
06.08.2020

Pioneer DJ Film über COVID-19 und die Electronic Music Industry: DISTANT DANCEFLOORS

DISTANT DANCEFLOORS: COVID-19 and the Electronic Music Industry by Pioneer DJ

Pioneer DJ hat einen knapp halbstündigen Film über die Covid-19-Pandemie und ihren Einfluss auf die weltweite Dance Music Scene veröffentlicht. In „DISTANT DANCEFLOORS: COVID-19 and the Electronic Music Industry“ lassen weltbekannte DJs wie Blond:ish, Eats Everything, Honey Dijon, Luciano, Rebuke, Norman Cook alias Fatboy Slim und viele andere Persönlichkeiten aus der elektronischen Musikindustrie die ersten Monate der Pandemie Revue passieren und reden über ihre Erfahrungen mit dem Lockdown, Ängste und Chancen, das Für-und-Wieder von Streaming und blicken in die Zukunft, wie es nach ausgestandener Pandemie wieder weitergehen könnte. 

Luciano weist darauf hin, dass die Musikindustrie nicht nur aus DJs und Managern besteht, sondern auch Plattenfirmen, Clubs, Bartender, Sound-und-Lichttechniker, Roadies, Catering und Security-Leute betroffen sind, eben alle, die in und um Clubs und Festivals ihren Lebensunterhalt verdienen.

Kevin Watson vom IMS Business Report rechnet vor, dass die Absage von Veranstaltungen das größte Problem ist: “2019 war die weltweite elektronische Musikindustrie rund 7.3 Milliarden US-Dollar wert. Und 60% davon kam von Liveveranstaltungen. 2020 könnte der Wert dieser Industrie um 56% fallen, vor allem wegen der ganzen abgesagten Clubnächte und Festivals. Das ist ein Verlust von ungefähr 4.1 Milliarden US-Dollar.“

Honey Dijon befürchtet, dass wir DJs nicht vor dem Sommer 2021 mehr reguläre Gigs spielen können.

Nur wo werden wir spielen? Paul Reed, der CEO der Association of Independent Festivals sagt dazu: „Viele unabhängige Festivals, und ich denke, das sind 92% weltweit, könnten unter den Rückzahlungsforderungen zusammenbrechen. Es gibt eine ernsthafte Gefahr für ein „Festival-Wasteland in 2021“.

Auch Fatboy Slim erwartet kleinere Gigs: „Wir werden zu Anfang wahrscheinlich wieder in kleinen Clubs spielen, nicht viel herumreisen und eine Residency in einem Local Club haben. Ich persönlich finde es sehr aufregend und herausfordernd, wieder ganz zurück zu den Anfängen zu gehen.“

Auch andere versuchen, dem Lockdown etwas Positives abzugewinnen. Für Luciano ist er „sogar fast wie eine Reha-Kur von den Flugzeugen und Hotels. Ich war eigentlich kurz vor dem Burnout.“ Eats Everything liebt es ebenfalls, viel Zeit zuhause bei seiner Familie zu verbringen. Oder mit seinem Kumpel Norman Cook und einem Pioneer XDJ-RX2 mixend durch die Stadt zu cruisen.

Trotzdem vermissen alle die soziale Interaktion mit den Fans. Blond:ish setzt dabei voll auf Streaming. Sie liebt den direkten Kontakt zu ihrer Fanbase und interagiert mit ihnen: „Instagram bot bislang für Fans größte Nähe zu ihrem Idol, aber sie konnten nur sehen, was man gestern gemacht hat. Auf Twitch hingegen schreiben sie die Story gemeinsam mit dem Idol.“ Und sie will auf jeden Fall damit auch nach dem Ende der Pandemie weitermachen. Und so sieht man sie, Luciano, Eats Everything und Rebuke an den verschiedensten Orten mit teilweise sehr professionell produzierten Streaming-Shows.

https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/dj-set-live-streamen-2020-streaming-setup-mit-webcam-software-sound-und-licht-einrichten-und-loslegen.html

Adam Ficek, Psychiater und Mitglied von Pete Doherty’s Band Babyshambles gibt zu bedenken: „Es gibt große Unterschiede zwischen digitaler Performance oder Kommunikation und einer realen körperlichen Erfahrung. In einer zweidimensionalen Umgebung nehmen wir nicht komplett teil, wir nutzen nur unsere Augen und Ohren. Wir erhalten dadurch keine Gesamterfahrung und dazu gehört auch, die Energie aller anderen Menschen im Raum zu spüren.“ Auch Honey Dijon vermisst das physische Erlebnis, den Druck der Kickdrum aus der Anlage und das Miteinander mit anderen, denn Clubbing ist für sie vor allem eine kulturelle Erfahrung. „Wir sind soziale Wesen und alles was wir tun, basiert auf Beziehungen untereinander. Alle unsere Sinne sind maximal miteinander verflochten, wenn wir in 3D sind.“

Aber wie soll das gehen. Social Distancing im Club? Rebuke gibt zu bedenken, dass dies nicht wirklich funktioniert und Eats Everything fügt hinzu: „Ich denke, es wird keine neuen Normen für das Raven geben. Es muss werden, wie es war oder gar nicht! Wo ist der Sinn, zu einem Rave zu gehen, wo alle zwei Meter voneinander entfernt stehen müssen? Und wer wird sich daran halten? Das macht keinen Sinn, das ist alles, was Raving nicht ist!“

DJ-Mag Redakteur Mick Wilson lässt den Kopf nicht hängen: „Ich habe in der elektronischen Musikindustrie schon viele Höhen und Tiefen erlebt und wir sind immer noch da. Die Dance Music Scene gibt es seit 30 Jahren, ein Jahr wird uns nicht stoppen.“

Und Blond:ish macht Mut: „Menschen adaptieren sich an neue Situationen, das liegt in unsere Natur. Die Frage ist, wie passen wir uns als Musikindustrie an und wie schaffen wir eine neue und nachhaltige Grundlage, die auch für andere Vorbildcharakter haben könnte.“

Eine sichtlich bewegte Honey Dijon sagt zum guten Schluss: „Wir haben es hier mit einem Virus zu tun, der alle sozialen Grenzen überschreitet. Egal welche Rasse, Klasse, Ruhm, Reichtum, Macht: niemand wird verschont. Es ist egal, wen du liebst oder wie deine Hautfarbe ist: wir hängen da alle gemeinsam drin. COVID hat uns gezeigt was im Leben wirklich wichtig ist: mehr als Ruhm und Geld zählt am Ende deine Gesundheit und die der Leute, die du liebst. Und alles andere ist die Kirsche auf dem Kuchen.“

Wie gefällt euch der Film und wie cruised ihr durch den Lockdown? Sagt es uns in den Kommentaren.

DISTANT DANCEFLOORS: COVID-19 und die Electronic Music Industry

Verwandte Artikel

User Kommentare