Gitarre Hersteller_Peavey
Test
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27.11.2018

Peavey Invective 120 Head Test

E-Gitarren Röhrentopteil

Metallfacharbeiter

Der Peavey Invective 120 Head Röhrenverstärker ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen Hersteller und Misha Mansoor, vielen bekannt als Gitarrist der Metal-Band Periphery. Auch und besonders im Metal-Bereich erfreuen sich die Verstärker von Peavey großer Beliebtheit und sind von den Bühnen und Studios dieser Welt nicht mehr wegzudenken.

Unser Testkandidat lehnt sich an die 6505 Serie an, kann aber einige interessante Features aufweisen, die der Zusammenarbeit mit Misha Mansoor entspringen und helfen sollen, dessen Wunsch-Sounds zu verwirklichen. Nun gilt es herauszufinden, wo die Stärken und vielleicht auch Schwächen des 120 Watt starken Topteils liegen und welche klangliche Bandbreite seine drei Kanäle abdecken.

Details

Sicher verpackt in einem Karton erreicht mich das Röhrentopteil, zusammen mit dem Fußboard, das man getrost als Schaltzentrale bezeichnen kann und das erfreulicherweise ebenfalls Teil des Lieferumfangs ist. Auf Letzteres werde im Laufe des Tests noch näher eingehen, vorher aber wird erst einmal der Verstärker näher untersucht.

Das Invective 120 Topteil bringt satte 21,9 kg auf die Waage und fällt mit seinen 678 x 300 x 254 mm (BxTxH) etwas tiefer aus als beispielsweise ein Marshall-Head. Die Verarbeitung ist insgesamt sehr hochwertig und sollte auch dem harten Tour-Alltag standhalten, wobei ein Amp in dieser Preisklasse vermutlich in einem Case transportiert wird.
Der Amp ruht sicher auf vier dicken Gummifüßen, die beim Betrieb auf einer Box für Rutschfestigkeit sorgen und Erschütterungen abfedern. Ein solider Ledergriff auf der Oberseite erleichtert den Transport, wobei ihn schwarze Metall-Eckenschoner schützen.

Frontseite:

Den größten Teil der Vorder- wie auch der Rückseite bedeckt ein schwarzes Lochgitter, das genügend Frischluft in das Innere des Verstärkers passieren lässt, was auch nötig ist, denn hier verrichten sechs 12AX7A Vorstufenröhren und vier JJ6L6GC Endstufenröhren ihre Arbeit, wobei letztere auch durch EL34, 6550, KT66, KT88 und 6CA7 ausgetauscht werden können. Zusätzlich wurden Prüfpunkte zur Vorspannungsmessung jeder einzelnen Endstufenröhre (BIAS Testpoints) und ein BIAS Adjust zum Einstellen der Vorspannung integriert. Der Amp liefert satte 120 Watt und sollte sich somit in den allermeisten Situationen genügend Gehör verschaffen.

Die weiß lackierte Frontplatte beherbergt die umfangreichen Schalt- und Regelmöglichkeiten des dreikanaligen Amps, die ich mir jetzt einmal genauer anschauen möchte. Los geht es an der linken Seite mit der Eingangsbuchse. Direkt daneben befindet sich der Clean-Kanal, der mit einer Dreibandklangregelung, bestehend aus Bass, Middle und Treble ausgestattet ist. Der Pre-Regler steuert die Eingangsempfindlichkeit des Kanals und mit Post lässt sich seine Lautstärke bestimmen. Zusätzlich ist ein schaltbarer Boost mit Tone- und Drive-Regler integriert. Dank des Boosts lässt sich dem cleanen Kanal ein klassischer Overdrive hinzuschalten.

Rechts neben der Clean-Abteilung wartet ein Taster, der die Kanäle Clean, Crunch und Lead anwählt. Der jeweilige Kanal wird mit einer individuellen Kanal-LED angezeigt. Und hier zeigt sich für mich auch der einzige Kritikpunkt, den ich bisher finden kann, denn die LEDs sind schlicht zu hell. So hell, dass ein Ablesen von Reglerstellungen oder Beschriftungen nicht mehr möglich ist. Das ist leider keine Seltenheit und bei vielen Geräten habe ich mir ein kleines Poti gewünscht, mit dem man die Helligkeit individuell einstellen kann.
Es folgt die Gate-Sektion, die sich auf den Crunch- wie auch auf den Lead-Kanal aus-wirkt und in der modernen Metal- und Rock-Musik unverzichtbar ist. Hier besteht sie aus einem Taster und lediglich einem Threshold-Regler.

Es folgen die beiden Regler Tone und Level, ein Taster und eine LED, die zur Boost-Einheit gehören, die sich Crunch- und Lead-Kanal teilen. Auch den folgenden Dreiband-EQ nutzen beide Kanäle. Individuell regelbar sind Pre- und Post-Gain, die mit jeweils zwei Potis die Klangregelung links und rechts flankieren. Die Pre-Gain-Regler bestimmen den Zerrgehalt der Kanäle und die Post-Gain-Potis ihre Lautstärke.

Schließlich folgt die Master-Abteilung, zu der neben dem Master-Volume-Regler auch ein Presence- und ein Resonanz-Poti gehören. Diese stellen den Dämpfungsfaktor des Leistungsverstärkers ein, was nichts anderes bedeutet als die Fähigkeit des Amps, die Membranbewegung des Lautsprechers zu kontrollieren, nachdem das Signal verklungen ist. Laut Bedienungsanleitung reduziert ein höherer Dämpfungsfaktor die Schwingungen der Membran im jeweiligen Frequenzbereich schneller als ein niedriger Dämpfungsfaktor.
Je weiter die Regler aufgedreht werden, desto mehr nimmt der tatsächliche Dämpfungsfaktor ab. Das Resonanz-Poti greift bei den Bässen und die Präsenz-Funktion entsprechend bei den hohen Frequenzen. Ganz rechts auf dem Bedienfeld ist das klassische Standby/Power-Duo beheimatet, den aktiven Zustand zeigt eine große blaue Jewel-LED an.

Rückseite:

Auch die Rückseite kann mit einer ganzen Menge interessanter Features aufwarten. Los geht es ganz links mit der Kaltgerätebuchse. Das passende Kabel liegt natürlich im Lieferkarton bei. Der Amp lässt auch eine Leistungsreduzierung um die Hälfte zu, dafür steht ein Kippschalter bereit. Insgesamt zwei Boxen können angeschlossen werden, die entsprechende Impedanz wird mit einem Schieberegler angewählt.

Das Invective-Topteil stellt aber auch ein “Microphon Emulated Direct Interface“ (MSDI) bereit, eine Peavey-eigene Entwicklung, die den direkten Betrieb an einem Aufnahme-gerät, einem Mischpult oder ähnlichen ermöglicht und eine mikrofonierte Box emuliert. Zusätzliche Feinjustierungen lassen sich mit Tone- und Level-Poti vornehmen. Sollten Brummschleifen zwischen Amp und externen Geräten auftauchen, können diese mit dem Groundschalter eliminiert werden.

Der Invective 120 besitzt zudem einen Master Boost, der per Fußschalter aktiviert und mithilfe eines Reglers an der Rückseite eingestellt wird. Dieser Booster befindet sich im Signalweg hinter EQ und Einschleifwegen. Richtig gelesen, der Amp besitzt nicht einen, sondern tatsächlich zwei serielle Effekt-Einschleifwege! Die befinden sich hinter dem Master-Boost, aber vor dem Master Volume, sodass der Master Boost z.B. Hallfahnen nicht verstärken oder beschneiden kann.

Ein tolles Feature sind die beiden 9-Volt-DC-Anschlüsse, aus denen Effektpedale ihre Energie beziehen können, wobei jede der Buchsen bis zu 500 mA liefert. Fehlen noch die beiden MIDI-Anschlüsse in Form von 5-poligen Din-Buchsen. Der MIDI-IN/Footswitch dient zum Anschluss des mitgelieferten Fußschalters, er kann aber auch als MIDI-Eingang verwendet werden, um den Amp beispielsweise in ein MIDI-Setup einzubinden oder um mit einem MIDI-Fußschalter eines Fremdherstellers umschalten zu können. Die MIDI-OUT-Buchse dient zum Senden von MIDI-Befehlen einschließlich Programm-Changes und weiterer Reglerbefehle an externe MIDI Geräte oder zum Synchronisieren von zwei Amps.

Fußschalter:

Dem Fußboard wurde ein sechs Meter langes Kabel beigelegt, was für die meisten Bühnen oder Proberäume ausreichen sollte. Der ausgesprochen solide und passend zum Amp in Weiß lackierte Fußschalter beherbergt insgesamt zehn Fußschalter.
Der Amp lässt sich per Pedal entweder im Preset-Mode oder im Standard-Mode betreiben. Eine LED informiert darüber, in welchem von beiden man sich gerade befindet.
Ab Werk wird das Topteil mit neun Standard-Voreinstellungen geliefert, die nach Belieben modifiziert werden können. Wenn die PRESET MODE-Kontrollanzeige leuchtet, können die neun anderen Fußschalter verwendet werden, um die neun Voreinstellungen erneut aufzurufen. Jederzeit kann in den NORMAL-Modus gewechselt und Änderungen an den Einstellungen vorgenommen werden. Dies kann während eines Konzerts geschehen und nicht dauerhaft gespeichert werden, oder dazu dienen, eine Voreinstellung zu bearbeiten und in einer der neun Einstellungen zu speichern.

Die pro Kanal zugewiesenen Boosts lassen sich hier ein- und abschalten, das gilt auch für die beiden Effekt-Einschleifwege, das Gate und, wie bereits erwähnt, den Master Boost.

Die ausführlich geschriebene Bedienungsanleitung ist auch auf der Herstellerwebsite zu finden und ich empfehle für tiefergehende Informationen einen Blick hinein, da dies sonst den Rahmen dieses Tests sprengen würde.

Peavey bietet übrigens eine passende 2x12“ Box an, die mit einem Vintage 30 und einem Creamback G12-H75 bestückt ist. Diese steht aber für unseren heutigen Test nicht zur Verfügung, womit wir auch schon im Praxisteil angelangt wären.

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