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Test
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10.01.2018

Ovation UCS10P-KOAE Ukulele Test

Sopran-Ukulele

Aloha-Roundback

Dass die Ovation UCS10P-KOAE Ukulele ein vollwertiges Mitglied der Ovation-Instrumentenfamilie ist, zeigt sich spätestens, wenn sie dem Betrachter den Rücken zuwendet. Denn seit die Ukulele von Madeira nach Hawaii kam und Anfang der 1920er Jahre das amerikanische Festland und von dort die ganze Welt eroberte, entstanden auch einige Exoten rund um den Exportschlager aus der Südsee. Und wenn ein Hersteller seine Saiteninstrumente mit einem unverwechselbaren Alleinstellungsmerkmal ausstatten kann, dann ist das ohne Zweifel Ovation. Visionäre Ingenieurskunst gepaart mit der Liebe zur Musik haben Charles Kaman Mitte der Sechziger Jahre zum Bau seiner weltweit bekannten Ovation-Gitarren inspiriert. Die logische Konsequenz aus steter Weiterentwicklung beschert uns nun auch Roundback-Ukulelen, die sich durch ihren runden Korpus nicht nur optisch von anderen Herstellern abheben - auch das klangliche Konzept überzeugt. Dazu später mehr in diesem Test.

Offensichtlicher Fakt ist, dass die Konstruktion der Ovation Roundback-Ukulelen einzigartig auf dem Markt ist. Charles Kaman gründete mit 26 Jahren seine eigene Firma und entwickelte wegweisende Konstruktionen in der Luftfahrt. Nebenbei war er auch Hobbymusiker und experimentierte mit verschiedensten Verbundmaterialien. Daraus entstand die Roundback-Konstruktion, die eine ganz neue Herangehensweise an den Bau von Instrumenten dokumentiert. Basismaterial für die ersten Roundback-Gitarren waren Reste und Verschnitte aus der Rotorblatt-Produktion für Helikopter. Ziel war es, Instrumente möglichst stabil zu bauen und ein ausgewogenes Klangbild zu erzeugen. Lyrachord nennt sich heute das Kunststoff-Verbundmaterial, das zu diesem Zweck eingesetzt wird. Ende der 60er Jahre stattete Charles Kaman dann die Modelle mit einem bühnentauglichen Tonabnehmersystem aus, was den Musikern völlig neue Möglichkeiten bot. Es funktioniert nahezu rückkoppelungsfrei und half damals mit, Ovation-Gitarren in kürzester Zeit zum Inbegriff für Zuverlässigkeit und Klanggüte auf der Bühne zu machen, wenn es darum ging, die Akustikgitarre über einen Verstärker zu spielen.

Erster Eindruck

Geliefert wird dieses Modell in einem ordentlich gepolsterten Gigbag mit Tragegurt und Außentasche. Einmal ausgepackt präsentiert sich unsere kleine Lady von vorne betrachtet äußerst schick mit einer schön gemaserten Koa-Decke. Traditioneller geht es nicht, da Koa-Holz aus Hawaii stammt und bis heute der Inbegriff für den Klangcharakter und das äußere Erscheinungsbild der Ukulele ist. Das äußerst elegante Kopfplattendesign mit seinem ultimativen Wiedererkennungswert weist unsere Probandin zweifellos als echte Ovation aus. Getoppt wird dieser Eindruck, wenn man das Instrument umdreht. Zumindest für eine Ukulele offenbart sich ein höchst ungewöhnlicher Anblick: Dort präsentiert sich der schwarze und stark gewölbte Korpus aus Lyrachord, dem Herzstück der Ovation-Klangphilosophie und eine Konstruktion, die nur bei diesem Hersteller zu finden ist. Das Material ist leicht angeraut und fühlt sich nicht nach Plastik an. Die Kombination aus hochwertigem Deckenholz und Kunststoffkorpus ist äußerst gelungen, zumal ein weißes ABS-Binding den Übergang von Decke und Korpus ziert.

Allerdings hat die kleine Lady leichtes Übergewicht und wiegt für eine Sopranukulele ein bisschen mehr als gewohnt. Durch den runden Korpus ruht sie auch nicht so stabil auf dem Oberschenkel und ich suche während der ersten Akkorde noch die richtige Spielhaltung, die sich erst nach einigen Minuten ergibt.

Details

Die offenen Mechaniken verfügen über eine 1:14 Übersetzung und sind mit schwarzen Plastikflügeln ausgestattet. Offenen Mechaniken sind zwar etwas anfälliger für Verschmutzungen, dafür sind sie aber leichter als geschlossene, was sich durchaus positiv auf die Ergonomie des Instrumentes auswirkt und die Gefahr von Kopflastigkeit verringert. Die Saiten liegen flach über dem Griffbrett im Sattel, was von einer optimalen Bearbeitung der Sattelkerben zeugt. Sind die nämlich nicht tief genug gearbeitet, werden vor allem die gegriffenen Töne im ersten oder zweiten Bund zu hoch und man kann das Instrument so präzise stimmen wie man möchte, die gegriffenen Akkorde klingen leicht schief. Sind die Sattelkerben zu tief, scheppern die Leersaiten auf den Bünden. Hier muss also äußerst akkurat gearbeitet werden und Ovation zeigt, wie man es richtig macht. Die Intonation ist perfekt und die Saiten schweben dicht über den Bünden.

Der Hals ist ebenfalls perfekt eingestellt, die Halskrümmung ist minimal konkav und sorgt dafür, dass bei leichtem Anzupfen der Saiten der Ton sauber einschwingt und gleichmäßig ausklingt, ohne dass irgendwelche Nebengeräusche zu vernehmen sind.

Die 17 Bünde sind vorbildlich abgerichtet und an den Kanten für einen angenehmen Griff gerundet. Besonders praktisch sind die zahlreichen Side-Dots, also die Bundmarkierungen an der Griffbrettkante. Die verhelfen dem Spieler zu einer besseren Orientierung auch auf dunklen Bühnen, und schließlich ist dieses Modell ja genau für diesen Einsatzzweck geschaffen. Die Hals-Korpus-Verbindung ist ebenfalls sehr sauber gearbeitet - keine Spur von Verarbeitungsrückständen. Mit einer wunderschönen Maserung wartet die massive Koa-Decke auf, die das Herz eines jeden Ukulele-Fans höher schlagen lässt, wobei das matte Finish die Optik des recht dunklen Holzes noch unterstreicht. Die Form des Korpus, die Farbe der Decke und die Größe passen einfach perfekt zusammen und das Instrument vermittelt eine ganz eigene Attitüde, schon bevor man es in die Hand nimmt, es inspiriert und regt zum Träumen an.

Die Schalllochverzierung aus Abalone-Einlagen ist zwar nicht aufdringlich, aber mir persönliche wäre es ohne diesen Eye-Catcher sogar noch lieber gewesen. Besonders gelungen ist auch das bereits erwähnte Binding, dessen Farbton sich auch bei der Stegeinlage und beim Sattel wiederfindet, die ebenfalls aus ABS-Kunststoff gefertigt sind.

 

 

Der Lyrachord-Korpus hat eine griffige Struktur und kommt traditionell ohne Verleistung, während die Decke über ein einfaches Bracing verfügt. Der Tonabnehmer ist wie üblich unter der Stegeinlage positioniert, von wo Kabel zur Klangregelung führen, die aus einem Lautstärke- und einem Tonregler besteht. Letzterer fungiert als Tonblende und dämpft die Höhen, denn das ganze System arbeitet passiv und benötigt deshalb auch keine Batterie. Das ist natürlich super praktisch, da man sich auf der Bühne keine Gedanken über plötzliche Komplikationen aufgrund einer leeren Batterie machen muss. Die beiden Potis arbeiten sehr linear und sorgen dafür, dass man den Sound am Verstärker optimal an die eigene Anschlags-Charakteristik anpassen kann. Leider ist die Markierung auf den Reglern nur schwer zu sehen, weshalb man im Livebetrieb eher nach Gefühl nachregeln muss. Ansonsten ist unsere Testkandidatin insgesamt perfekt verarbeitet.

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