Test
2
12.11.2010

Details

Feuer oder Sparflamme? Die Ausstattung des LS-5
Der LS-5 macht seine Aufwartung mit einem USB-Kabel zum Anschluss an einen PC oder Mac, einer Nylon-Trageschlaufe, einem Windschutz-Paar für die beiden Mikrofonkapseln, einem Paar AA-Batterien und einem umfassenden Benutzerhandbuch in sechs Sprachen (auch in Deutsch). Außerdem erhält der frisch gebackene Besitzer eine Daten-CD mit der Bearbeitungssoftware Sonority, die von Olympus selbst entwickelt wurde.

Was im Vergleich zum LS-11 fehlt, ist eine Tasche, die das Gerät vor Kratzern schützt sowie ein Miniklinkenkabel zur Verbindung mit einer Stereoanlage oder sonstiger Audio-Peripherie. Beides ist sicherlich günstig zu ersetzen, und vor allem bei der Tasche ist man wohl nicht zwangsläufig auf die Originalausstattung von Olympus beschränkt. Die vielen selbstgemachten Pullover und Schals, die uns unsere Verwandtschaft immer so liebevoll unter den Weihnachtsbaum legt, werden ohnehin enttäuschend selten getragen, und ein entsprechender Strickauftrag wird vielleicht sogar freudig angenommen werden. Kleidsam für den LS-5 wäre diese Lösung allemal. Anders sieht es bei der Infrarot-Fernbedienung aus, die sich beim LS-5 ebenfalls nicht findet. Diese kann man sich leider nicht von Frau Großmutter stricken lassen, sondern muss man inklusive Empfänger für einen knackigen Betrag, der jenseits der Fünfzig-Euro-Grenze liegt, dazukaufen. Mir persönlich erscheint das nicht gerade als ein Schnäppchen, vor allem wenn man bedenkt, dass sich auf der Oberfläche des kleinen Kästchens gerade einmal zwei Knöpfe für Record und Stop befinden. Damit wird der Preisunterschied zwischen dem Geschwisterpaar natürlich deutlich geringer. Nach meiner Erfahrung kommt es nicht selten vor, dass ein mobiler Digitalrecorder an schwer zugänglichen Stellen positioniert wird. Die nötigen Verrenkungen, um an den Record-Taster zu gelangen, kann man sich mit einem solchen Helferlein natürlich sparen. Es steht also zu bedenken, ob man auf dieses Feature verzichten möchte. Wer die Fernbedienung tatsächlich dazukauft, der bekäme für einen vergleichsweise geringen Aufpreis schon den LS-11, der neben der oben genannten Extra-Ausstattung auch mit einem deutlich größeren internen Flash-Speicher glänzt: 8 GB statt 2 GB beim LS-5.

Was nicht nur dem LS-5 sondern auch dem großen Bruder fehlt, ist vor allem ein 5Volt-Netzadapter, mit dem sich das ständige Nachkaufen von Batterien oder Aufladen von Akkus zumindest ein Stück weit umgehen ließe. Dieser ist ebenfalls für einen Betrag erhältlich, der mit einem Vorteilspreis für bestehende Kunden nicht viel zu tun hat. Allerdings ist anzumerken, dass Olympus mit dieser Verkaufs-Strategie keine Ausnahme macht. Die traurige Wahrheit ist, dass nur wenige mobile Digitalrecorder mit einem passenden Netzadapter geliefert werden und das Originalzubehör in der Regel unverhältnismäßig teuer ist.

Ein erster Eindruck – Design und Bedienelemente
Nach schwarz (LS-10) und silbern (LS-11) hat sich Olympus beim LS-5 für ein dunkelblaues Design entschieden. Ansonsten ist den drei Geräten ihr naher Verwandtschaftsgrad förmlich ins Gesicht geschrieben, denn sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Das Gehäuse im Metallic-Design wirkt robust, der Recorder liegt angenehm in der Hand. Ins Auge springt natürlich das hintergrundbeleuchtete 1,8”-LC-Display. Hier gibt es zwar keine bunten Wackelbildchen im Stil von Mobiltelefonen oder MP3-Playern, aber auch keine verpixelten Mini-Hieroglyphen, deren Bedeutung man erst mit dem Handbuch entschlüsseln müsste. Alles ist gut erkennbar und zweckdienlich gestaltet, so wie das bei einem ernstzunehmenden Gerät dieser Art auch sein sollte.

Auf der Frontseite gibt es außerdem ein Steuerkreuz für eine komfortable Navigation durch das Menü und natürlich Taster für die Transportfunktionen wie Play, Record und Stop, die allesamt einen sehr stabilen und soliden Eindruck hinterlassen. Erwähnenswert ist der Fn-Taster, den man mit verschiedenen Funktionen belegen kann. So lässt sich beispielsweise ein Shortcut zu dem Untermenü einrichten, in dem das Aufnahmeformat gewählt wird. Eine andere Möglichkeit wäre beispielsweise, während einer Aufnahme Indexpunkte zu setzen und damit wichtige Stellen zu markieren oder auch schlicht und einfach die orangene Hintergrundbeleuchtung des Displays an- und abzuschalten. Unter dem Strich ist diese Customizing-Funktion ein schönes Element in der Bedienphilosophie, das es erlaubt, den Recorder ein Stück weit an die individuellen Bedürfnisse anzupassen und sich so den ein oder anderen Druck auf das Steuerkreuz zu sparen.

Auf der Rückseite des LS-5 befinden sich zwei kleine Stereolautsprecher mit einer Leistung von je 200 mW. Um einen Konzertsaal zu beschallen reicht das natürlich nicht, aber zumindest lässt sich so grob kontrollieren, ob mit einer Aufnahme alles geklappt hat oder sich auch wirklich kein Störsignal aus einem Mobiltelefon eingeschlichen hat. Für genaueres Abhören empfiehlt sich ein guter Kopfhörer, und sobald dieser in die entsprechende Buchse gestöpselt wird, werden die Lautsprecher deaktiviert. In unmittelbarer Nähe der Lautsprecher befindet sich übrigens auch ein Gewinde zur Befestigung an einem Fotostativ, und hier stoßen wir genau wie beim LS-10 und LS-11 auf einen kleinen Haarriss in der Logik des Designs: Sobald der Recorder auf einem solchen Stativ montiert wird, werden die Lautsprecher fast vollständig verdeckt, was ein kritisches Abhören erschwert. Wer einen Kopfhörer anschließt, hat damit natürlich kein Problem. Ein mitgelieferter Adapter auf die Gewindegröße eines Mikrofonstativs wäre wünschenswert – vor allem für Musiker.

Eine Frage von Format – Dateitypen, Abtastraten und weitere technische Details
In Bezug auf Dateiformate bringt der LS-5 die erfreulich hohe Flexibilität seines großen Bruders mit. Er nimmt unkomprimierte WAV-Dateien in allen gängigen Abtastraten zwischen 16 Bit/44,1 kHz und 24 Bit/96 kHz auf. Die gute, alte CD-Qualität ist hier also das untere Ende der Fahnenstange. Je höher die Auflösung, für die man sich entscheidet, desto größer ist natürlich auch die dabei entstehende Datenmenge, was sich letztendlich darauf auswirkt, wie lange der LS-5 aufnehmen kann, bis der interne 2 GB Flash-Speicher voll ist. Für unkomprimierte Audiodaten beträgt diese maximale Aufnahmedauer zwischen 55 Minuten (höchste Qualität) und etwas mehr als drei Stunden (CD-Qualität). Wer mono aufnimmt, kann die jeweiligen Werte noch verdoppeln.

WAV-Dateien sind aber noch nicht alles, denn der LS-5 spricht, singt und tiriliert auch MP3 und WMV. Das spart gehörig Platz auf dem internen Speicherchip, und das ist auch gut so, denn die üppigeren 8 GB des LS-11 stehen nun einmal nicht zur Verfügung. Das MP3-Format konzentriert sich auf höhere Bitraten bis zu 320 kbps (Aufnahmedauer: gut 14 Stunden) und bietet in der höchsten Auflösung eine Tonqualität, die im Vergleich zu unkomprimiertem PCM-Audio nur selten als minderwertig empfunden wird. Der wahre Speicherökonom kann die Datenübertragungsrate mit dem WMA-Format auch bis hinunter auf 64 kbps schrauben und so die mögliche Aufnahmedauer auf bis zu knapp 70 Stunden (mono: 140 Stunden) ausdehnen. In diesem Fall wird der Datenverlust durch die Kompression aber deutlich hörbar, eine solche Einstellung eignet sich bestenfalls für Sprache.

Die generell wesentlich angenehmere Alternative zum Verkleinern des Platzbedarfs ist ein Vergrößern des vorhandenen Platzes. Bezogen auf den LS-5 kann man das tun, indem man ihn mit einer SD- oder SDHC-Karte mit bis zu 32 GB Speicherplatz aufrüstet. Wer zusätzlich noch den internen Flash-Speicher verwendet, der kann so über 15 Stunden Audiomaterial in Höchstqualität aufnehmen, und das sollte doch für die meisten Situationen ausreichen, wenn nicht gerade eine Lesung von Tolstois „Krieg und Frieden“ aufgezeichnet werden soll.

Wer kein passendes Netzteil besitzt, für den ist abgesehen von der maximalen Aufnahmedauer auch die mögliche Betriebszeit des Recorders interessant, also die Frage, wie lange der LS-5 mit zwei frischen AA-Batterien durchhält. Dieser Punkt steht auch in Abhängigkeit von der Qualität der Batterien selbst, aber es lässt sich ruhigen Gewissens sagen, dass der LS-5 genauso wie sein großer Bruder in diesem Bereich die Nase Sehr weit vorne hat. Mit den angegebenen 23 Stunden im Aufnahmemodus schlagen die beiden Kandidaten aus dem Hause Olympus die meisten Konkurrenten mit weitem Abstand. Manch anderem Recorder geht nach gerade mal einem Viertel dieser Zeit die Puste aus. Auch wenn die angegebene Betriebsdauer mit günstigeren Energiezellen nicht ganz erreicht werden sollte, kann man sich doch entspannt mit dem Wissen zurücklehnen, dass man eines der sparsamsten Geräte seiner Klasse verwendet. Dickes Plus!

2 / 4
.

Verwandte Artikel

User Kommentare