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Test
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04.03.2014

Neumann KM 183 und KM 184 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofone

Ideal Standard?

Im Test verschiedener Kleinmembran-Kondensatormikrofone darf natürlich auch Neumann mit den Modellen KM 183 und KM 184 nicht fehlen. Der traditionsreiche Hersteller ist vor allem für seine Großmembran-Kondensatormikrofone bekannt. Kunststück: Georg Neumann ist der Urvater des heutigen Kondensator-Mikrofons. Doch neben U87, U89, M 149 Tube, TLM 103 und einigen anderen Schätzchen im aktuellen Sortiment ist besonders die nichtmodulare KM-180-Serie sehr beliebt. 

Auf dem Markt positionieren sich die 180er-Mikrofone preislich deutlich unter den Top-Produkten – auch denen aus eigenem Haus: Die wesentlich unbekanntere Modularserie ist deutlich teurer, gilt aber auch als hochwertiger. Zudem ist es mit der Kapsel KK 120 die einzige Möglichkeit, eine Kleinmembran-Acht von Neumann zu nutzen. Das Nierenmikrofon KM 184 findet man häufig in Studios, es ist jedoch auch auf Bühnen öfter zu sehen. 

Details

183, 184 und 185

Insgesamt drei verschiedene Mikrofone sind in der Kleinmembran-Serie 180 verfügbar. Anhand der letzten Zahl der Produkbezeichnung erkennt man die Richtcharakteristik: 184 steht für die Niere, 183 für die ebenfalls getestete Druckempfänger-Kugel. Die Hyperniere trägt eine 5 als letzte Ziffer. Die Serie 180 beerbt ihre Vorgänger, im Falle des KM 184 das KM 84, das tonadergespeiste KM 74 sowie das KM 64. Das 64 entstammt noch der Röhrenzeit und wurde mit einer heute sehr raren AC-701K-Triode von Telefunken betrieben. Die aktuelle Produktrange ist nicht nur röhren- sondern auch übertragerlos – das KM 184 könnte also nach Neumann-Bezeichnungslogik auch TLM 184 heißen. 

KM 183: 0,5% Verzerrungsprodukte erst bei 140 dB(SPL)

Beide Mikrofone verfügen über die gleiche schlichte Optik. Auch in mattem Schwarz erhältlich, bilden die Mikrofone einfache Mattnickel-Zylinder von etwas über 10 Zentimetern Länge und 22 Millimetern Durchmesser, jedes KM wiegt etwa 80 Gramm. Auffälligstes Merkmal ist das rote Neumann-Emblem, eine blaue Raute würde auf ein digitales Neumann-Mikrofon schließen lassen. Die analogen Varianten werden per XLR-Male-Buchse mit der Außenwelt verbunden, das wird sicher niemanden verwundern. Mit 50 Ohm ist die Ausgangsimpedanz erstaunlich gering, sodass man schon mit niederohmigen Eingängen keinerlei Klangfarbenänderungen zu befürchten hat. Möchte  man die Richtcharakteristika unterscheiden, hilft neben dem Produktkürzel und dem aufgedruckten Symbol ein Blick auf den optisch durch einen Spalt abgesetzten Kopf: Das KM 183 hat keine seitlichen Schalleintrittsöffnungen, denn als echter Druckempfänger benötigt es sie auch nicht. Blickt man auf die Kapsel, erkennt man hinter dem oberen Schutzgitter ein gelochtes Blech. Dies ist ein Indiz für die Verwendung eines Push-Pull-Kondensators, in dessen Mitte die eigentliche Membran liegt. Womöglich besonders dadurch kann bei gleichzeitig hohem Grenzschalldruckpegel ein A-bewerteter Ersatzgeräuschpegel von 13 dB erzielt werden: Das KM 184 produziert erst bei 138 dB(SPL) 0,5 % Klirr, das KM 183 sogar erst bei 140. Der Feldleerlauf-Übertragungsfaktor liegt bei 12 (KM 183) und 15 mV/Pa (KM 184). 

KM 184 erbt nicht die Linearität des KM 84

Anders als das Neumann KM 84 weist das Mitte 1993 vorgestellte KM 184 nicht mehr die unaufgeregten Höhen auf, sondern ist mit einem leichten Boost bei einer Mittenfrequenz von 9 kHz ausgestattet. Laut Neumann-Unterlagen ist dies aber nicht durch Resonanzen geschehen (die vor allem bei preiswerteren Mikrofonen gerne auch ihre klanglich negativen Auswirkungen unter Beweis stellen), sondern durch gezielte Veränderung des hinteren Schallzutritts. Im Bassbereich zeigt das Mikrofon einen Roll-Off, welcher um die 100 Hz beginnt und bei etwa 80 Hz -3 dB Dämfung erreicht. Bei 20 Hz liegt der Pegelverlust schon bei gut 10 dB. Nicht vergessen: Diese Angaben gelten bei normierter Freifeldmessung, wer “mehr Bass” möchte, bewegt das Mikrofon näher an die Schallquelle und nutzt den Nahbesprechungseffekt – das MK 184 ist schließlich ein Druckgradientenempfänger. 

Das KM 183 ist stark diffusfeldentzerrt

Bei einem Druckempfänger wie dem Neumann KM 183 sieht es anders aus: Der Druckstau vor der Membran erhöht besonders die Frequenzbereiche mit geringer Wellenlänge, also hoher Frequenz. Optimiert man den Frequenzgang eines Druckmikrofons auf den Nahbereich, ist es bei größerem Abstand höhenarm und fade. Das KM 183 ist jedoch diffusfeldentzerrt - und zwar sehr deutlich: Bei 10 kHz liegt die Übertragung um geschlagene 7 dB über der bei 1 kHz. Toll ist, dass trotzt dieser Entzerrung die Kugelform des Polar Patterns auch erst bei 10 kHz merklich zusammenfällt und das Mikrofon richtend wird. Im Bass ist das Omni-Mikrofon erst im Infraschall beschränkt, sodass selbst 20 Hz noch ohne Pegelverlust übertragen werden.

Komplette Kiste

Erwirbt man Neumanns KM 183 oder 184 als Stereopärchen, erhält man dieses in einer schnieken Holzkiste. In dieser finden in Schaumstoff-Formausschnitten beide Mikros Platz, zudem passen noch die beiden mitgelieferten Windschütze und die winkelbaren Mikrofonklemmen in die Box – mehr nicht. Sehr gut, dass Neumann hier nicht wie manche andere Hersteller mit dicken Kisten angeben will. Sehr gut ist allerdings auch, dass es eine alltagstaugliche Verpackung überhaupt gibt: So manches Neumann-Mikro kommt ganz banal im Pappkarton.

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