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Test
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20.10.2017

Praxis

Praxis

Die Maschine-Software in ihrer aktuellen Fassung (2.6.9) ist ein gewachsenes System und entsprechend umfangreich – sowohl in Bezug auf die Funktionen als auch auf den Vorrat an Samples und Klangerzeugern. Deshalb werde ich im Folgenden nur das basale Konzept erläutern und dann auf die Neuerungen im Zusammenspiel mit der neuen Hardware eingehen. 

Ein elementares Prinzip von Maschine ist das Arbeiten in Gruppen. In diesen Gruppen können alle Arten von Klangerzeugern gleichberechtigt und gleichzeitig zum Einsatz gebracht werden: Samples, Drum-Modeling-Synths, interne und externe Plug-ins und Effekte. Diese Gleichberechtigung sämtlicher Klangerzeuger ist – gerade, wenn man in klassischen Signalpfaden denkt – etwas ungewohnt und dürfte nach wie vor der Grund für manche Umstiegsschwierigkeiten sein. Allerdings eröffnet es auch mächtige Möglichkeiten für komplexe Drumgrooves. Der Container für alles, was in diesen Gruppen passiert, ist das Pattern. Unterschiedliche Pattern können dann im Rahmen einer Szene in eine zeitliche Abfolge gebracht werden, was komplexe Arrangements ermöglicht.

Richten wir nun also unseren Blick auf den neuen Controller, allen voran natürlich auf die integrierte Soundkarte. Deren Funktionalität ist nahtlos in die Maschine-Software eingebettet: Einfach in den Voreinstellungen auswählen und schon sampelt man direkt in die Hardware und hört mit dem integrierten Line-Out oder Kopfhörer-Ausgang ab, als ob es schon immer so gewesen wäre. Vergessen sind also die Zeiten, in denen man mit einem externen Audiointerface hantieren musste. Die Wandler arbeiten mit zeitgemäßen 24 Bit/96 kHz und liefern eingangs- wie ausgangsseitig eine ausgezeichnete Klangqualität ab. Einziger Wermutstropfen: Jetzt, wo die Klangausgabe integriert ist, muss man sich prinzipbedingt entscheiden, ob der Sound am Master- oder Kopfhörer-Ausgang ausgegeben wird. Hoffentlich reichen Native hier noch einen optionalen Parallelbetrieb zweier Ausgänge via Software nach.

Was ich schon bei Maschine Studio als ausnehmend positiv empfand, gilt natürlich auch für die MK3: Nämlich die Displays, die einem jeweils mit 480 x 272 Pixeln entgegen strahlen und ein entsprechend aussagekräftiges Interface zur Interaktion mit der Software sind. Man kann sich – gerade als Neueinsteiger – hier bestens daran gewöhnen und den Rechner entsprechend neben, unter oder über den Arbeitsplatz positionieren und wirklich nur am Gerät arbeiten, ohne relevante Parameter zu vermissen: sehr gut. Die beiden Displays werden flankiert von den neuen, berührungsempfindlichen Encodern, die – tippt man auf deren Oberseite – ein Pop-up-Fenster öffnen, in dem man die möglichen Parameter gewissermaßen „previewen“ kann, die sich durch Drehen des Encoders anfahren lassen. Routinierte Maschine-User werden darauf verzichten können, für Anfänger ist das aber eine sehr hilfreiche Unterstützung.

Unterstützung gibt es auch an anderer Stelle, nämlich durch den neuen 4D-Controller, der auf Benutzereingaben in allen drei Achsen reagiert. Besonders hilfreich ist das in der Mixer-Ansicht, in der man mit dem Controller einhändig durch Gruppen und Einzelkanäle navigieren und durch Tastendruck zwischen Level und Panning umschalten kann. Überhaupt bewirkt die MK3-Hardware an sehr vielen Stellen, dass man direkter und ohne die Shift-Taste zu bemühen zu der gesuchten Funktion gelangt. Hier besonders im Fokus: Macros und Parameter-Locks, die beide nun dezidierte Taster haben und natürliche, wunderbare Gegenspieler sind: Mit Macros den Sound bis zum Anschlag verwursten und dann auf die „Eins“ wieder alles auf den Ausgangswert setzen zu können, ist und bleibt eine mächtige Waffe im EDM-Geschäft. Und es geht noch weiter, denn über den neuen Lock-Taster sind auch verschiedene Morph-Stadien speicher- und aufrufbar. Zwischen denen lässt sich wahlweise in metrischem Raster oder sofort hin- und herschalten. Sämtliche klangliche Zwischenschritte rechnet die Maschine-Software natürlich in Echtzeit. Ich muss gestehen, dass mich das wirklich begeistert hat und das sage ich als langjähriger Tester, der entsprechend abgeklärt allen (vermeintlichen) Innovation gegenübersteht. Aber die musikalischen Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, sind einfach erschlagend. Ich denke da nicht nur an dramatische EDM-Breakdowns, sondern auch an die typischen Dub-Techniken, bei denen es darum geht, kurzzeitig Effekte einzufliegen – wirklich toll. Hier mal ein simples Beispiel, das nur aus einem Drumloop und einem Bass besteht. Dabei moduliere ich mit drei Morph-Stadien gleichzeitig den Bitcrusher und das Tuning des Samplers sowie Frequenz, Resonanz, Oktave und Filter des Bass.

Ein interessantes Detail: Der frühere Navigate-Taster hat nun die Primärfunktion „Variation“ bekommen. Der entsprechende Dialog bietet wahlweise die Funktion „Humanize“ oder „Random“. Die erstere bewirkt einstellbar kleine Schwankungen im Timing und der Anschlagstärke – wunderbar, um hart quantisierte Maschinengrooves ein bisschen aufzulockern. Random geht robuster zu Werke und kümmert sich sowohl um die vorgenannten als auch um zufällige Noten.

Wenig bleibt eigentlich über den Smart-Strip zu sagen, denn er macht erfreulicherweise einfach das, wozu er da ist: Wahlweise agiert er als Pitch-Bender, Modulationsrad, Steuerbefehlsgeber für die Performance-Effekte oder als Strumming-Trigger für Noten. Pitch-Bend und Modulation sollten klar sein. Die neuen Performance-Effekte sind da schon spannender. Es handelt sich um:

Filter (Low-, High- und Bandpass), Flanger, Burst und Reso Echo, Ringmodulator, Stutter, Tremolo und Scratcher. Die Position des Fingers auf dem Touch-Strip regelt automatisch den zentralen Parameter (beim Filter beispielsweise die Frequenz), das Berühren des Strips aktiviert den Effekt. Damit lässt sich sowohl live als auch im Studio bestens im Klangmaterial herummatschen – allerdings immer nur auf der Ebene einer Gruppe. Hier sind die Effekte im Schnelldurchlauf:

Der Strumming-Modus bewirkt, dass Noten oder Akkorde, die man auf den Pads drückt, beim Streichen über den Strip arpeggiert abgespielt werden. Im Grunde also das alte Prinzip des „Omnichord“. Das Gefühl, hier eine echte Virtuosität zu erreichen, bekam ich in der knappen Testwoche nicht, allerdings taugt die unkonventionelle Spielweise durchaus als Inspiration. Im folgenden Beispiel habe ich ein Arpeggio mit dem Strip eingespielt und es live mit der Strip-Modulation bearbeitet:

Eine schöne Dreingabe zu der neuen Maschine-Software ist der einfache „Bass Synth“: Ein ebenso schnörkelloser wie durchsetzungsstarker Mono-Synthesizer, dessen Oszillator nahtlos zwischen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck interpoliert werden kann. Wie kaum anders zu erwarten, klingt das Ding wirklich ausgezeichnet – hier hört man deutlich das Algorithmus-Know-How aus Reaktor.

Es bleibt anzumerken, dass ich mir bei der Arbeit an meinem Studiotisch, die Maschine schon nach kürzester Zeit hinten aufbocken musste, um einen besseren Ablese- und Arbeitswinkel zu erreichen. Superklasse wäre es, wenn hier ähnliche Klappfüße integriert wären, wie sie die Maschine Studio hat. Da das nicht der Fall ist, wünsche ich mir noch einen preisgünstigen MK3-Stand, der den Controller entsprechend anwinkelt.

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