Software Hersteller_NativeInstruments
Test
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20.10.2017

Native Instruments Maschine MK3

Groove Production Studio

Aller guten Dinge sind drei

Native Instruments updaten ihre Groove-Box auf Hardware-Versionsnummer drei. Und um in der Software-Terminologie zu bleiben, kann man sagen, dass es sich um ein Major-Update handelt. Denn nicht nur formale Dinge wie etwa die – aus Maschine Studio bekannten – Farbdisplays, die Triggerpads, der Touchstrip oder die integrierte Soundkarte sind neu. Nein, das gesamte Bedienlayout wurde runderneuert und optimiert. 

Details

Details

Starten wir zunächst einmal mit dem, was war und ist: Denn auch bei Maschine MK3 handelt es sich – wie in den vorherigen Generationen schon – immer noch um ein Controller-Rechner-Verbundsystem. Dem Wunsch mancher Anwender, dass Maschine doch standalone sein möge, wurde also nicht entsprochen. Das aber wäre auch zu viel erwartet, denn es ist nun einmal ein eisernes Konzept bei NI, dass der Anwender für die Rechenpower zu sorgen hat. Auf dem Computer läuft dann also wahlweise allein oder in Form eines Plug-ins (VST, AU, AAX) die Maschine-Software, die wiederum nahtlos mit dem Controller kommuniziert. Wer noch einmal nachlesen möchte, wie sich das Konzept im Prinzip darstellt, kann dies im Test der MK2 nachlesen.

Auspacken

Auch die MK3 kommt – wie alle Produkte von Native Instruments – in einer hübschen Verpackung daher, auf der bereits deutlich der Inhalt zu erkennen ist und von der ein nicht unerheblicher Nimm-mich-mit-Effekt ausgeht, woran auch der integrierte Plastik-Henkel nicht ganz unbeteiligt ist. Hat man die Kiste nach Hause gewuchtet, zeigt sich darin – sicher geschützt von Styropor-Formteilen – ein aufgeräumter Inhalt: Der Maschine-Controller selbst, ein Umschlag mit Seriennummer, Maschine-Stickern und einer Sicherheitshinweis-Karte, sowie ein USB-Kabel und ein Netzteil. Das allerdings ist verzichtbar, denn die Entwickler haben es geschafft, dass sich die neue Maschine, trotz großer Displays mit dem Strom der USB-Buchse (ausreichend Spannung vorausgesetzt) begnügt. Bedienungsanleitung und Software muss man sich nach der Registrierung auf der Homepage von NI saugen. Überhaupt läuft eigentlich alles im Online-Dialog: Auch die virtuelle Auslieferung des inklusiven „Komplete 11 Select“ erfolgt automatisiert, nachdem man seine Maschine-Hardware registriert hat.

Erster Eindruck

Dass die MK3 von Grund auf neu entwickelt wurde, zeigt sich schon beim ersten Kontakt. Ihr Gewicht ist um knapp ein halbes Kilo auf 2,2 kg gewachsen, was wohl maßgeblich an der neuen Bodenplatte aus Metall liegt. Aber auch der gesamte optische Eindruck ist jetzt sachlicher, kompakter, kantiger und vor allen Dingen dunkler, denn wo früher die Funktionstasten in grauem, semi-transparentem Kunststoff gefertigt waren, ist – abgesehen von den Trigger-Pads und den Soft-Switch- und Group-Tasten – alles in Schwarz gehalten. Außerdem sind die Funktionen nicht aufgedruckt, sondern scheinen invertiert durch die Lackierung durch. Oder um es anders zu sagen: die MK3 könnte – zumindest optisch – auch von Ableton sein.

Auffällig auch: Die neue Spationierung der Trigger-Pads. Durch einen einfachen Trick sind sie – bei gleicher Grundfläche des Pad-Grid – gewachsen: Indem nämlich die Nummerierung und Beschriftung auf die Pads gewandert sind, wurde Platz frei, um das Spacing zwischen den Zellen zu verkleinern. Damit haben die Finger effektiv mehr Platz auf den Pads, sodass man nun problemlos mit zwei Fingern auf einem Pad klopfen kann. Weitere sinnvolle Überlegungen scheinen in das Thema Beschriftung gegangen zu sein, denn frühere Labels wie „Master, Groups, Transport oder Pads“ über den Funktionsbereichen wurden kurzerhand weggelassen. Gut so, denn schon nach kurzer Einarbeitung brauchte die wirklich keiner mehr: Man muss nicht ablesen, dass man gerade auf den Pads trommelt, während man gerade auf den Pads trommelt.

Die Neuorganisation besonders des früheren Master-Blocks und des Browse/Sampling-Bereichs ist wirklich umfassend: Alle Potis des Master-Bereichs wurden entfernt und durch Funktionstasten nebst einem sogenannten 4D-Encoder ersetzt. 4D deshalb, weil er sich sowohl drücken als auch drehen lässt und wie ein Cursor in alle Richtungen agiert. Gewachsen ist auch die Tastenzahl in der linken oberen Ecke. Waren hier früher lediglich Browse, Sampling und Cursor zu finden, sind nun Arranger, Mixer, File, Settings, Auto und Macro dazu gekommen. Ebenfalls komplett neu: Fünf dezidierte Taster für die Interaktion mit den Pads (Pad Mode, Keyboard, Chords, Step, Fixed Velocity).

Und so viel sei schon vor dem Praxisteil verraten: Der Plan von Native Instruments ist aufgegangen. Das Neuarrangement der Tasten bewegt sich in einem Rahmen, der den Workflow deutlich verbessert, dabei aber angestammte Maschine-User beim Umlernen nicht vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Es braucht ein paar Stunden, in denen die Hand noch manches Mal wie ein Adler über dem Tal kreist, dafür gewinnen dann aber die „Ach Mensch, das ist ja jetzt hier direkt auf dieser Taste, super“-Momente sehr schnell die Oberhand.

Anschlüsse

Der Blick auf die Rückseite zeigt ein weitaus belebteres Bild als in bei früheren Versionen: Gab sich die MK2 noch mit Midi und USB zufrieden, ist die Rückseite der MK3 komplett belegt: Links startet sie mit einem Kopfhörer-Ausgang (Klinke) nebst Lautstärke-Regelung, gefolgt von einem Stereo-Line-Out (Klinke), der ebenfalls über ein Volume-Poti, einen Mikro-In (mono) und einen Line-In (1/2, symmetrisch, stereo) verfügt. Wobei der Mikro-Eingang ebenfalls in seiner Eingangsverstärkung adjustierbar ist. Es folgt ein Duo aus Midi-In/Out, eine Pedal-, eine USB- und optionale Netzteil-Buchse samt Power-Taster. Alle Buchsen sind gut zugänglich und mit eindeutiger Beschriftung versehen. Nicht ganz glücklich bin ich mit den Poti-Kappen: Nicht nur, dass sie sehr klein sind, sie sind – abgesehen von einer 12-Uhr-“Nase“ – zudem noch sehr glatt. Das macht das Einstellen insbesondere mit schwitzigen oder fettigen Fingern irgendwie unnötig „fitzelig“. Ein bisschen Gummierung oder Riffelung hätte hier die haptische Verbindlichkeit sicherlich erhöht.

Installation

Wie viele andere große Software-Hersteller setzen auch Native Instruments auf einen zentralen Lizenz- und Installations-Client. Das macht auch und gerade im Fall von Native Instruments, deren Anwender oft eine zweistellige Anzahl von Programmen installiert haben, durchaus Sinn und erspart viel Sucherei nach Updates. Gleichzeitig bietet es dem Hersteller natürlich eine weitaus engmaschigere Kontrolle über das, was die Anwender so auf ihrem Rechner installiert haben. Schlechte Zeiten für Raubkopierer. Das muss uns legale Anwender natürlich nicht weiter kümmern und wir können den Klienten nutzen, der sich heute „Native Access“ nennt und in früheren Zeiten mal „Service Center“ hieß.

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