Hersteller_MXL
Test
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18.03.2013

Praxis

Das 603S von MXL muss sich im Rahmen unseres Testmarathons in erster Linie an der Akustikgitarre im Stereobetrieb behaupten. Gemäß der Klassenzugehörigkeit zeigt sich sofort der spartanische Bereich oberhalb von 15 kHz, sodass auch dieser Keinmembraner nicht mit absoluter Luftigkeit und Detailtreue dienen kann – das hätte mein Kleinmembrankondensatormikrofonmarktweltbild auch in seinen Grundfesten erschüttert, denn schließlich liegt der Straßenpreis eines einzelnen MXL-Mikrofons bei etwa 100 Euro. Die Einschränkungen des MXL 603S liegen also wie zu erwarten in der nicht übertrieben genauen Feinzeichnung, was man in den Soundbeispielen vor allem an den Anschlagsgeräuschen und an den Texturen ausschwingender Saiten nachvollziehen kann. Auch dynamisch ist ein 603S natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, doch verrichtet es seinen Job diesbezüglich recht ordentlich. Das Bild wirkt deutlich klarer und "kristallin", die Dynamikeinschränkungen und das schwache Air-Band sind besonders im Vergleich zum preiswerteren MXL 606 eine klare Qualitätsstufe höher, was mich das 603S weitaus eher empfehlen lässt als das 606. Und auch im mittleren und tiefen Frequenzbereich macht es eine bessere Figur, aber auch das, ohne zu begeistern.

Das Rauschen ist objektiv gesehen im vernünftigen Rahmen. Auch das ist keine Besonderheit, denn wirkliche Rauschgeneratoren gibt es heutzutage so gut wie nicht mehr, das Thema haben auch die Ingenieuere der preiswerten Mikrofone gut im Griff. Der Grenzschalldruckpegel auf der anderen Seite des Dynamikspektrums ist recht hoch, wenn, wie zu erwarten, darunter auch Kompressionen auftreten. Über die Notwendigkeit eines Pads am Mikrofon lässt sich streiten, ohne Vordämpfung und Filter zur Kompensierung der Bassanhebung bei naher Besprechung fällt also am ehesten das Close-Miking der Hi-Hat flach. Ein wenig lässt sich aber mit den meisten Preamps behelfen, wenngleich man schnell auch den Impedanzwandler eines Mikrofons ohne Pad über die lineare Übertragung hinausbringen und Verzerrungen erhalten kann. Mit vollem Bassspektrum bekommt man ja nochmal deutlich mehr Pegel.

Mit dem durch zwei einzelnen 603S entstandenen Stereobild kann man bezüglich Schärfe und Tiefe zufrieden sein, wenn man denn so vernünftig ist, für den geringen Preis keine Wunder zu erwarten. Je näher sich das aufzunehmende Geschehen an der 0° aufhält, desto besser werden die Signale. Spätestens jenseits von 90° wird der Frequenzgang nämlich besonders wild. Bei Stereoverfahren lohnt es sich, im Sinne eines guten Sounds den Versatzwinkel im Auge zu behalten.

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