Hersteller_Modal_Electronics
Test
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24.03.2020

Praxis

Handhabung

Es ist einfach fantastisch. Synthesizer-Kenner kommen auf Anhieb vollkommen ohne die Bedienungsanleitung (PDF Manual) zurecht. Man verbindet den Argon8 mit seinem Rechner oder Tablet-PC und nutzt die MODALApp. Editor und Gerät laufen immer synchronisiert. So kann man spontan und abwechselnd am Gerät schrauben oder mit dem Editor arbeiten, wie es gerade passt. Einen Absturz der App (genutzt in der Standalone-Version für Mac OS X) gibt es nicht zu vermelden, sie läuft durchweg stabil. Die Oberfläche des Argon8 bietet relativ Bedienelemente, ohne überladen zu wirken. Manche Funktionen sind per Shift-Taste aufzurufen und lassen sich dank der hilfreichen Beschriftung auf dem Panel schnell finden. Musiker, die gern an Reglern drehen und ihre Klangaktionen per MIDI in der DAW aufnehmen, kommen auf ihre Kosten. Weil der Editor so übersichtlich und praktisch ist, bin ich aber selber kaum in Versuchung kommen, mich öfter direkt am Gerät zu vergnügen.

Im Presetmanager der MODALapp finden sich bereits zahlreiche Vorlagen für die Effektsettings. Damit lässt sich gezielt arbeiten. Einzelne Effekte können bei Bedarf immer noch schnell abgewandelt werden. Auch für den Sequenzer sind fertige Muster vorhanden, die zumindest verschiedene Möglichkeiten demonstrieren. Die einfache Bedienung ist ein Kaufargument. Am besten lässt man die Factory Patches links liegen und erstellt mit viel Spaß beim Editieren gleich seine Sounds. Nach wenigen Stunden mit dem Argon8 konnte ich bereits neue Patches genießen. Wie das Ergebnis dieser Edit-Session mit dem Argon8 klingt, zeigt das folgende Audio-Demo. Es sind vor allem LFO-modulierte Pads und per Joystick kontrollierte Arpeggios. Natürlich hat jeder Producer seine speziellen Vorlieben. Wenn du dich selber mit dem Argon8 beschäftigst, kommen vielleicht Bässe oder schneidende Leadsynths heraus, was der Argon8 sehr gut beherrscht. Bei einer kreativen Durststrecke kann schließlich noch die Funktion „Randomise Preset“ genutzt werden für zufällige Klangschöpfungen. Wie auch immer, Sounddesign ist beim Argon8 eine angenehme Pflicht!

 

Wie klingt’s?

Jeder hat seine klangliche Idealvorstellung von der Wavetable-Synthese. Ich freue mich hauptsächlich über atmosphärische und pulsierende Flächen, Effekte sowie Collagenklänge, die per moduliertem Wellensatz einige spektrale Veränderungen aufzeigen und dank einer guten Effektsektion möglichst warm und breit klingen. Erinnert sei an Waldorf Blofeld oder den Studiologic Sledge mit der Waldorf-Soundengine und noch mehr an die tollen Software-Synthesizer (Arturia Pigments 2Synapse Audio Dune 3, Waldorf Nave, etc.). Schon beim ersten Anspielen wird jedoch klar, dass der Argon8 in eine andere Richtung tendiert. Er könnte etwas mehr Pegel aus dem Audio-Ausgang liefern, sein Gesamtklang strotzt nicht gerade vor Fülle – so der erste allgemeine Eindruck. Für Patches, die für die Studioproduktion verwendet und gemischt werden, ist dies weiter nicht so relevant wie für den Live-Einsatz, bei dem man direkt fertige Klangprogramme zum Besten geben muss. Hier wären ein Kompressor und Equalizer, leider nicht in der FX-Sektion enthalten, hilfreich.

Enorme warme Flächen mit sweependen Filtern oder kraftvolle Synthbrass und Compings bringt er nicht. Seine digitalen Flächenklänge sind herrlich, wenn sie milchig schimmern. Der Argon8 kann schnell ziemlich bissig, drahtig und schmutzig werden. Er ist tatsächlich ein digitaler Kandidat, der auch in Technokreisen so einige Fans gewinnen kann. An Bord befinden sich insgesamt 500 Speicherplätze. Davon sind 300 Patches werkseitig vorgegeben. Qualitativ finde ich dieses Angebot eher durchwachsen und der Sequenzer tritt leider viel zu selten auf den Plan. Es sind viele bekannte Soundtypen dabei, innovative oder animierende Patches spielen eher am Rande mit. Wählen wir aus den angesagten Klangsparten einige Kostproben. So können wir uns ein konkreteres Bild von den Klangeigenschaften machen.

Trotz der acht Stimmen ergeben sich gute Flächensounds. Das Beispiel „Wavy Dream“ zeigt eine Mischung aus leicht moduliertem Wavetable und Oszillator-Synchronisation, die mit X-Over-Delay und Chorus angereichert wird. Bei solchen hybriden Pads zeigt sich der Argon8 von seiner besseren Seite. Das „Wide Open Pad“ demonstriert die „analogen“ Qualitäten, überzeugender sind aber eindeutig digitale Flächen wie „Soft Digi“.

Eine gute Figur macht der Argon8 bei den Bässen. Wie angenehm fies er sein kann, deutet insbesondere das Beispiel “Tattoo Bass” an. Die beiden anderen Bässe sind nicht weniger modulativ spielbar.

Drei Soundbeispiele für die Rubrik “Leadsynth”: Klare, moderne und präzise Linien und auch Vintage-Style beherrscht der Argon8.

Ob Sequenzer- oder Arpeggiator-Muster – hier kommt man schnell in Fahrt. Ein schönes Aktionsfeld. Selbst Acid-orieniertes Material lässt sich gut entlocken, wie die ersten beiden Patches zu verstehen geben.

Keyboards und Chords-Sounds sind zwei Sparten, die nicht unterschätzt werden sollen. Wer alternative E-Pianos erstellen möchte, ist mit dem Argon8 auf dem richtigen Kurs. Bei “Soft Roads” kommt übrigens der interne Sequenzer zum Einsatz, ich habe für diese Demo nur die Play-Taste gedrückt.

Modal Electronics Argon8 Sound Demo (No Talking)

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