Hersteller_Miktek
Test
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31.07.2014

Praxis

Die Verantwortlichen bei Miktek sind ziemliche “Höhenfreunde”. Wer aufgrund des Etiketts  “deutsche NOS-Röhre” ein samtiges, warmes, rundes, fettes und dichtes Klangbild erwartet, der wird enttäuscht. Das CV4 zeichnet ein sehr detailliertes, recht klares Bild in den Höhen - deutlich offener, freier und strahlender als etwa ein M 149 oder das als Beispiel verwendete MG UM 92.1S. Es klingt dabei aber nicht crisp wie viele Brauner-Röhren. Für manche Anwendungen, gerade bei Vocals, würde ich mir eine etwas geringere Glasigkeit wünschen: Das MG ist im Direktvergleich sicher etwas unspektakulärer, dafür aber nüchterner und neutraler – doch auch, ohne zu langweilen. Mikteks CV4 liefert aber dennoch für viele Situationen eine hervorragende Ausgangsbasis, die leichte klangliche Bereicherung durch Röhre und Übertragung verdeckt nichts, sondern vermengt sich mit dem Gesamtsignal. Hier machen sich hochwertige und ausreichend dimensionierte Bauteile positiv bemerkbar. Dynamisch gilt das prinzipiell auch, doch wird es bei hohen Pegeln etwas früher unangenehm, als man es von manchen anderen Mikrofonen mit moderneren Designs gewohnt ist. Was vor voll aufgerissenen Amps eine zu früh einsetzende Kompression und eine deutliche, scharfe spektrale Anreicherung bedeuten kann, ist möglicherweise außen vor der Bassdrum genau das, was man sucht. 

Wirklich interessant am CV4 ist, dass es seinen offenen, sagen wir “fröhlichen” Charakter auch im Nahbereich behält. Wo viele andere Doppelmembran-Kondenser dazu tendieren, belegt und muffelig zu klingen, wird das CV4 zwar wie üblich durch den Proximity-Effekt ein wenig bassstärker, bleibt doch weiterhin klar. Wer also auch gerne nah mikrofoniert und es höhenreich mag, kann mit diesem Miktek einen schönen, frischen Allrounder finden.

Es wird vielleicht ein wenig dauern, das Werkzeug richtig kennenzulernen, um seine Eigenschaften im Recording richtig einschätzen zu können. Denn ganz offensichtlich wurde das CV nicht dahingehend optimiert, das axiale Direktsignal bei allen Richtcharakteristiken identisch darzustellen. Die Veränderungen sind nicht nur im Kilohertz-Bereich auffällig, wo sich vor allem fast jeder S-Laut-Problematik Herr werden lässt, sondern auch im Grundtonbereich von Stimmen und Instrumenten. So liefert die rückseitige Membran, ob nun invertiert der vorderen zugeführt oder nicht, eine durchaus charmante Komponente hinzu. Besonders die Acht klingt durchaus so, wie ich in der Frequenzgangbeschreibung angegeben habe. Im Zusammenspiel mit Instrumentarium kann das aber durchaus passend sein. Und ja, bidirektional klingt das CV4 am meisten “vintage”.

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