Mikrofon
Test
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04.01.2011

Microtech Gefell UMT 70 S Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Anpassungsfähig

Es gibt Unternehmen, die eine lange, komplexe und interessante Geschichte haben. Zu diesen zählt Microtech Gefell auf alle Fälle. Und wenn dann noch eine direkte Verwurzelung mit einem Namen wie „Neumann“ vorhanden ist, wird es natürlich richtig packend. An dieser Stelle nun dediziert auf diese Historie einzugehen, würde den Rahmen sprengen, schließlich geht alles bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück – das Ergebnis wäre dann eine komplette Firmen-History, die vom Umfang her ein Vielfaches dieses Mikrofon-Tests haben würde. Es sei nur so viel verraten: Hier wurde echte Mikrofongeschichte geschrieben. Wer Interesse daran hat, kann sich auf der Internetseite von Microtech Gefell mal die Historie durchlesen – sehr aufschlussreich.

Begeben wir uns aus der Vergangenheit in die Gegenwart, denn diese hat uns etwas aus Thüringen, genauer gesagt aus dem kleinen Städtchen Gefell für unseren Vergleichstest ins Studio gebracht: das Microtech Gefell UMT 70 S. Dabei handelt es sich um ein transformatorloses Großmembran-Kondensatormikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik. Dieses Mikro ist in nickel matt und schwarz matt erhältlich – uns erreichte die Nickelvariante. Möchte manch anderes Mikrofon mit seiner Optik von vornherein irgendetwas Besonderes implizieren oder gar von Unzulänglichkeiten ablenken, trifft auf unseren Probanden aus Gefell eher das Wort „Understatement“ zu. Doch seht selbst...

Details

Zubehör nicht im Lieferumfang

Puristischer kann ein Mikrofon seine Reise kaum antreten. Das UMT 70 S kommt in einer naturbelassenen Holzkiste, die innen mit Schaumstoff ausgekleidet ist. Jegliches Zubehör wie Windschutz, Mikrohalter, Klemme oder elastische Spinnenhalterung ist optional erhältlich und gehört erst einmal nicht zum Lieferumfang. Da wir diese Tatsache bei der Zusammenstellung unseres Testfelds nicht unbedingt auf dem Schirm hatten, standen wir dann mit dem Microtech Gefell Mikro in der Hand im Studio und guckten uns kurz fragend an. Ok, eine normale Mikroklemme wäre natürlich zur Hand gewesen, aber eigentlich wollten wir doch lieber mit einer Spinne arbeiten. Woher nehmen, wenn nicht stehlen...? Da das Mikrofon ja auch rein äußerlich einfach anders als alle anderen ist, also kein Gewinde oder ähnliches zur Spinnenmontage besitzt, waren wir kurzfristig etwas ratlos. Doch manchmal kommt selbst mir ein kleiner Geistesblitz und ich meinte: „Hey, die AKG-Spinne ist doch mit ihrem Klemm-Mechanismus eigentlich sehr universell. Lass uns das mal ausprobieren.“ Gesagt, getan, ausprobiert...cool, klappt ja. Das UMT 70 S saß in der AKG-Spinne, als seien die beiden füreinander bestimmt. Mein Kollege Nick und ich konnten wieder entspannt lächeln. Schauen wir uns das Mikrofon nach dieser kleinen Anekdote nun genauer an:

Vorbildliche Verarbeitung, wie aus einem Guss

Das Microtech Gefell wirkt auf den ersten Blick eher wie ein „mutiertes“ Kleinmembran-Mikro mit aufgesetztem Großmembran-Korb. Der lange, schmale Schaft hat gerade mal einen Durchmesser von 21 mm und bildet ungefähr zwei Drittel des gesamten Mikrofons. Auf diesen Schaft ist der Mikrofonkorb aufgesetzt, dessen Durchmesser ca. 42 mm beträgt. Insgesamt bringt es das UMT 70 S bei einem Gewicht von lediglich 290 g auf eine Länge von 217 mm. Der Korb besteht aus einem soliden Drahtgeflecht – innen befindet sich ein feinmaschiges Metallgeflecht, das als Pop- und Allgemein-Schutz für die Kapsel fungiert. Unterhalb des Mikrokorbs befindet sich ein großer, griffiger Drehring, über den man die Richtcharakteristik einstellen kann – zur Auswahl stehen Kugel, Niere und Acht. In der Mitte des Mikros wurden zwei DIP-Schalter eingelassen, mit denen man eine Pad-Dämpfung von 10 dB sowie ein Lowcut-Filter (-10dB@90Hz) in Betrieb nehmen kann. Das UMT 70 S ist insgesamt vorbildlich verarbeitet – alles hinterlässt den Eindruck, wie aus einem Guss zu sein.

Die Verwandtschaft zu den Neumännern aus Berlin ist klar erkennbar

Das Microtech Gefell-Mikrofon ist mit zwei 1“-Kunststoffmembranen ausgestattet, die mit Gold beschichtet wurden. Mit der Richtcharakteristik Kugel verspricht der Hersteller einen nahezu linearen Frequenzgang, bei Niere und Acht gibt es eine Anhebung von ca. 4 dB bei ca. 7 kHz sowie eine Absenkung von ca. 5 dB ab ca. 150 Hz. Ebenso wie Neumanns TLM-Reihe ist auch das UMT 70 S mit einer transformatorlosen Schaltung realisiert worden – hier wird anstelle eines „normalen“ Übertragers eine symmetrische Ausgangsstufe eingesetzt. Die Verwandtschaft zu den Neumännern aus Berlin ist hier klar erkennbar. Kommen wir nun noch zu ein paar Herstellerangaben, um die theoretische Mikrofonbeschreibung abzuschließen. Der Übertragungsbereich beträgt 40 Hz - 18k Hz, der Ersatzgeräuschpegel 14 dB(A), der Geräuschpegelabstand 80 dB(A), der Dynamikumfang 120 dB, die Feldbetriebsübertragungsfaktoren 7 mV/Pa (Kugel bei 1 kHz), 13 mV/Pa (Niere) bzw. 8 mV/Pa (Acht) und der Grenzschalldruckpegel (THD: 0,5%) 134 bis 139 dB(SPL) (je nach Richtcharakteristik). 

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