Test
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17.02.2021

Praxis

16“ Hi-Hat: Die perfekte Hat?

Fangen wir mit den zwei kleinsten Becken aus diesem Test an: die 16“ Byzance Foundry Reserve Hi-Hat. Wie bereits beschrieben, fällt das Bottom-Becken wesentlich kräftiger als das Top-Becken aus, was einen sehr positiven Effekt auf den Klang und die Spielbarkeit der Hi-Hat hat. Jedenfalls zeichnet sich der deutliche Gewichtsunterschied bei unserem Testexemplar durch ein sehr gutes Verhältnis aus feiner Ansprache und Substanz aus. Trotz ihres 16“ Durchmessers ist diese Hi-Hat keinesfalls „washy“, sondern crisp und wandelbar. Ihr Sound setzt sich aus einem eher trockenen Grundcharakter und einem feinen, silbrigen Attack zusammen. Hi-Hats werden vor allem im Studio gerne mal mehr oder weniger abgeklebt, um störende Frequenzen zu beseitigen, die vor allem unter einem Hi-Hat-Mikrofon extrem herausstechen können. Bei unserem Testexemplar sind derartige Maßnahmen nicht nötig, denn sie klingt von Haus aus sehr ausgewogen. Damit unterscheidet sie sich für meinen Geschmack stark von der wesentlich komplexer und „ruffer“ klingenden 16“ Hi-Hat aus der 30th Anniversary Serie von Istanbul Agop, der sie rein optisch recht ähnlich ist.

19“ + 20“ Crash: Schnell da, schnell wieder weg

Frisch aus der Verpackung befreit, fallen die beiden Crashbecken zunächst mit einer ausgeprägt trashigen, fauchigen Klangfarbe auf, die zwar allgemein im Meinl-Sortiment recht prominent und von vielen TrommlerInnen gefragt ist, jedoch im ersten Moment - im Hinblick auf den stolzen Einkaufspreis - etwas zu extrem ausgeprägt erscheint. Spannend ist, dass sich der Klangcharakter der beiden Becken stark zum Positiven ändert, sobald eine Aufnahmekette aus guten Mikros und hochwertigen Preamps mit im Spiel ist. Aufgenommen ist die trashige Note vor allem beim 20“ Modell nun eher als Nuance zu verstehen, während beide Becken wesentlich voluminöser und feiner klingen. Vor allem diejenigen, die gern mit einem sehr abgespeckten Becken-Setup spielen, werden das gute Verhältnis aus schneller Ansprache, schnellem Ausklang und trockener Stick-Ansprache der beiden Crashes zu schätzen wissen.

24“ Ride + 24“ Light Ride: Silbriger Sticksound trifft dunkles Grundrauschen

Das 24“ Ride entspricht klanglich den Eigenschaften, die man von einem knapp drei Kilo schweren Becken seiner Größe erwartet. Das Verhältnis aus Gewicht und Durchmesser sorgt für einen trockenen, durchsetzungsstarken Sticksound, sowohl auf dem Body als auch auf der Kuppe des Beckens. Auf Swells mit Mallets sowie auf gecrashte Schläge auf den Rand reagiert das Becken zwar recht musikalisch, jedoch mit viel Volumen. Seine Crash-Ride-Qualitäten gehören nicht unbedingt zu seinen größten Stärken. Passend zur Optik ist der grundsätzliche Klangcharakter des 24“ Rides eher zeitlos und würde sich sicherlich je nach Stockmodell und Spielweise sowohl in jazzigen als auch in poppigeren Gefilden zuhause fühlen. 

Beim Kollegen, dem 24“ Light Ride, ist durch die geringere Masse des Beckens der Übergang zwischen „Wash“ und Sticksound erwartungsgemäß wesentlich fließender. Dadurch fallen etwas zu harte Schläge klanglich sowie in puncto Lautstärke nicht so schnell aus dem Rahmen und fügen sich musikalischer in den Spielfluss ein. Somit wirkt das Becken im Vergleich zum Regular-Modell etwas zugänglicher und einfacher im Handling. Seine Stärken kann dieses Becken sicherlich vor allem in leiseren, akustischen Kontexten ausspielen, wo sein holzig-silbriger Sticksound gut zum Tragen kommt. Aufgrund seiner tollen Crash-Eigenschaften ließe sich das Light Ride jedoch sicherlich auch mal als Crashbecken in lauteren Umgebungen einsetzen. 

Was bei beiden 24“ Ride-Modellen auffällt, ist ein dunkler Unterton, der bei steigender Spielintensität zunehmend in den Vordergrund rückt. Im direkten Vergleich mit zwei gleich großen Becken aus dem privaten Fundus - einem 24“ Istanbul Agop Signature Ride und einem 24“ Paiste 2002 Big Beat Ride - ist dieser dunkle Grundton im Falle der Meinl-Fraktion sehr präsent und nahezu störend. Vor allem im Studiokontext könnte das zu Problemen beim Mixing führen.

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