Hersteller_Masshoff_Drums
Test
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31.05.2013

Masshoff Big Chief 8“ x 14“ Snare Test

Premium Stahlsnare

It’s a mother

Masshoff BigChief Snare im bonedo-Test: Wenn einer der erfolgreichsten Drumtechs Deutschland keinen Bock mehr auf die ganzen mittelmäßigen Trommeln hat, die er für große Produktionen stimmen muss, dann macht er sich eben selber daran, eine der besten Working-Snares der Welt zu bauen – wenigstens dann, wenn dieser Drumtech Udo Masshoff heißt. Jener ist nicht nur als Trommler und TUning-Experte aufgefallen, sondern zuletzt auch als Host seiner eigenen Talkshow "Masshoffs Roundtable". Bei der Konzeption zur Big Chief Snare war jedenfalls genau das seine Intention – ob er sein Ziel erreicht hat, werden wir immerhin ein Stück weit in diesem Test herausfinden.

Der Schöpfer unserer Testsnare – Udo Masshoff – ist seit Jahrzehnten ein bunter Hund in der Hardcore-Trommelnerdszene (nicht per se mit der Trommlerszene zu verwechseln), die Großteils aus durchgeknallten Schnellrednern mit alleinigem Recht auf Gesetzgebung zu bestehen scheint. Der einzige, der sowohl ohne Punkt und Komma von seinen neuesten Ideen berichtet, diese aber eben auch umsetzt, ist Udo Masshoff. Gewissermaßen ist er ein Kind geblieben, und während alle anderen Kinder nur zaghaft ihrer Mutter erzählen, dass sie als Erwachsene in das Weltall fliegen werden, würde Udo uns vom Mond zuwinken, wenn das auch sein Traum gewesen wäre. Aber nein, Udo ist ein Meister des Details geworden, ohne jemals in irgendeiner seiner Tätigkeiten den Blick für Stil und Originalität zu verlieren. Wahrscheinlich ist er der Typ, von dem alle sagen, er würde aussehen wie frisch aus dem Bett gestiegen, dabei hat er für diesen Effekt stundenlang vor dem Spiegel jedes Haar einzeln an die richtige Stelle gelegt. Mit ebendieser Präzision – mit der er unter anderem einst auch die erste Konzeption für die dann goldene Ludwig Anniversary-Snare vorlegte - hat er sich also an die Konstruktion einer einzigartigen Trommel gewagt, einer schweren, großen Trommel, die der Wind goldener Trommeljahrzehnte umweht. Er ist der Hersteller der Snare, die innerhalb ihres ersten Jahres auf Erden bereits einen Studioflächenbrand verursacht hat und auf einigen der fettesten Recordings zu hören ist. Er ist Erfinder, Vater und Schöpfer der acht Zoll tiefen Big Chief Snaredrum.

Details

Ich fühle mich gerade ähnlich wie ein Alkoholkranker, dem acht Kurze vor die Nase gestellt wurden. Dies hier ist schließlich der Details-Part – und den muss ich nüchtern absolvieren, soll heißen: „Keine Polemik, es geht nur um technische Details“. Also versuche ich die Versuchung vor meinen Augen so selbstkontrolliert wie möglich zu analysieren, bevor es an den Praxis-Part geht.

So robust wie eine Felge

Die Big Chief ist vor allem eines: Stahl. Der Kessel besteht aus einem Stück gegossene Metalls, könnte also auch als Autofelge verwendet werden (den umgekehrten Weg geht diese Snare) Das ist natürlich nur ein Scherz, die Masshoff-Snare ist zu höherem berufen. Beachtlich ist nämlich auch der Herstellungsprozess des fast acht (8!) Kilogramm schweren Kessels. Jede der Masshoff-Snares wird aus einem gegossenen Stahlblock gefräst – mit Laserkraft! Am oberen und unteren Ende ist der Kessel verstärkt, was in etwa einem Vintage-Verstärkungsring ähnelt. Diese bauliche Maßnahme hat aber keinen statischen Nutzen (den Eimer bekommt nicht mal Hulk Hogan verformt), sondern dient der Klangoptimierung. Und jetzt die krassen Kurzfacts: Die komplette Big Chief Snare wiegt 9,3 Kilo, besteht aus über 500 Teilen, die unterschiedlichen Parts werden von 17 Zulieferern aus sechs Ländern hergestellt und in Berlin von Udo zusammengebaut. Wenn es also darum ginge, dieses Zahlenwerk zu beherrschen, dann stünde die Snare schon jetzt als Big Chief fest – eine Ludwig beispielsweise besteht nur aus etwa 160 Teilen. Der Preis spielt sich natürlich auch im oberen Segment ab. Wer aber denkt, er müsse dermaßen viel Geld nur aufgrund der Masse an Material ausgeben, der hat nur teilweise Recht, denn die einzelnen Parts sind jeweils das feinste, was es in diesem Bereich gibt.

Jedes Teilchen ist Premiumware

Da wäre beispielsweise die sogenannte Trick-Abhebung zu nennen, die selbst aus einer massiven Stahlmechanik besteht und mittels derer man den Teppich vierstufig stramm spannen kann (locker bis extrem fest). Dann sind die Spannschrauben besonders erwähnenswert – die von RhythmTech noch nicht ganz ausgereift produzierten iT Index Tension Tuners – denen Udo einzeln kleine Sicken verpasst, damit diese nicht sofort auseinanderfallen, wenn man ein Fell wechselt: Die Schrauben funktionieren mit Kugelrasterung. Jede kleinste Drehung mit dem Stimmschlüssel bewirkt, dass die Spannschraube eine winzig kleine Kugel weiterrutscht und dann in der Rasterung sitzen bleibt, wenn das Tuning stimmt. Die einzelne Schraube besteht bereits aus acht Teilen, was alleine den Stimmschraubenanteil am Gesamtteile-Konto auf sagenhafte 160 Teile anwachsen lässt. Sehr teileintensiv sind außerdem die Slingerland-Beavertail-Lugs, deren Design und Konstruktion seit fast einhundert Jahren unverändert zu den feinsten gehören, die es im Trommlerbereich gibt. Dass diese formvollendeten Bauteile an der Big Chief montiert sind, ist ein untrüglicher Beiweis dafür, dass Udo ein gutes Gespür für perfektes Design hat und den Willen, die beste Snare unserer Dekade zu konstruieren - allen firmenpolitischen und finanziellen Grenzen zum Trotz.

Das Vorbild für die Masshoff Big Chief ist die legendäre Glockenbronze-Snare „Ocheltree“ von Paiste. Der wesentliche Unterschied zwischen der Beckensnare und Udos Stahlfelge ist der, dass von Ersterer nur alle paar Monate ein Exemplar auf Ebay zu erstehen ist, wenn man gerade die nötigen drei bis viertausend Euro parat hat, während die zweite Trommel für etwa 1200 Euro bei einem verchromten Kessel bis hin zu 1900 Euro bei einem lackierten Kessel erhältlich ist.

Rost, alte Autos und Motorräder als Designvorlage

Individualität gewinnen die einzelnen Big Chiefs, von denen Udo bisher laut eigener Aussage 80 Stück produziert hat, im Detail. Die Lugs der Big Chief „RR“ beispielsweise sind im Kessel und außen mit dem Leder desselben 62er Rolls Royce unterlegt, dessen Lack den Kessel ziert. Eine andere hat den gleichen Look verpasst bekommen wie Udos runtergerockte Harley, während die Masshoff Snare von Charlie Watts mit dem gelb-schwarzen Ringelmuster der Socken lackiert wurde, die er bei einem seiner Stones-Gigs trug. Udo lässt sich seinen Spaß nicht nehmen.

Weiterhin sind Rims ein wesentlicher Bestandteil des endgültigen Sounds einer jeden Trommel, weshalb interessierte Käufer zwischen Holz-, Stahl-, S-, Slingerland- oder Gußspannreifen wählen darf. Für professionelle Drummer ist das wohl das sinnvollste Customizing beim Snarekauf. Ebenfalls praktisch ist das flache und breite Snarebed, in dem der 42 Spiralen breite Teppich plan aufliegt. Viele andere Snares könnten mit ihren schmaleren Beds ein solches Geschütz von Teppich nicht verarbeiten. Unkontrolliertes Rascheln wäre die Folge, produziert von einigen widerspenstigen Drähten, die keinen idealen Kontakt zum Fell hätten.

Im Gegensatz zu etlichen großen Snare-Herstellern wusste Klein-Udo bereits mit zehn Jahren, dass es ebenso wichtig ist, alle Bauteile auch im Kessel zu isolieren, weshalb er schon als junger Schlagzeugfanatiker sein nagelneues Kommunionsgeschenk (ein Rennrad!) auseinandergenommen hat, um die Schlauchgummis zu Kesselisolation zu verarbeiten. Naja, man sieht ja, was aus solchen Typen wird, wenn die Eltern nicht aufpassen.

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