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Test
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10.06.2014

Marshall JVM1HT3 Vicky Morgan Bundle Test

Gitarren-Vollröhrentopteil mit Box

Auge um Auge...

Das Marshall JVM1HT3 Vicky Morgan Bundle im bonedo-Test - Dass man bei Marshall durchaus auch dann für neue Ideen offen ist, wenn es nicht nur um innere Werte geht, zeigen die stylischen Modellen der Custom Tattoo Serie.

Wir wollten wissen, ob das Topteil zusammen mit der todschicken Box nur ein cooler Hingucker ist, oder ob die Kombination auch einen akzeptablen Röhrensound liefern kann.

Details

Konzept

Vollröhrenverstärker mit geringer Wattzahl haben seit einiger Zeit Hochkonjunktur und so warten in den Musikläden und Onlineshops dieser Welt immer mehr Amps mit einer übersichtlichen Ausgangsleistung auf Kundschaft. Das Besondere am Marshall JVM1HT3 ist seine ausgewachsene Röhrenvorstufe, die mit vier ECC83 Glaskolben betrieben wird. Im Gegensatz dazu kommt die Miniaturendstufe mit lediglich einer einzigen ECC 82 Röhre aus. Mehr als Übungslautstärke ist damit zwar nicht möglich, aber das gesteckte Ziel ist ja ein authentischer Röhrensound mit allen Vor- und Nachteilen, auch bei kleinen Lautstärken.

Aufbau Frontpaneel Topteil

Auf dem Frontpaneel des kleinen Topteilgehäuses befindet sich neben dem Gitarreneingang der Volumeregler des Clean-Kanals. Es folgt ein Drucktaster für die manuelle Kanalumschaltung, die übrigens auch mittels Fußschalter vorgenommen werden kann. Der Amp ist nämlich zweikanalig aufgebaut und beherbergt neben dem unverzerrten auch einen Overdrive-Kanal mit Gain- und Volume-Regler. Beide teilen sich eine gemeinsame Vierband-Klangregelung, was hier sehr gut und ohne einen wahrnehmbaren Kompromiss gelungen ist. Wie man es von gut abgehangenen Röhrenamps gewohnt ist, steht neben Bass, Middle und Treble auch ein Presence-Regler zu Verfügung, mit dem sich die oberen Frequenzbänder modellieren lassen. Ein weiterer Klangverbieger ist der sogenannte Resonance-Switch. Mit ihm lässt sich der Bassbereich eindrucksvoll anreichern, um dem Sound mehr Fülle zu geben. Ein On/Off-Schalter für das Powermanagement rundet das Bild ab. 

Die Rückseite

Das Gehäuse ist rückseitig komplett verschlossen, was für Marshall Röhrenamps eigentlich ungewöhnlich ist. Zum Ableiten der Röhren-Wärme reicht eine mit einem Metallgitter versehene Öffnung auf der Oberseite des Gehäuses aus, weil die Hitzeentwicklung der Vorstufenröhren längst nicht an das Niveau ausgewachsener Endstufenröhren heranreicht. Ich hab es mir trotzdem nicht nehmen lassen und die rückseitige Holzabdeckung kurzerhand abgeschraubt. Hier ist außer den fünf Glaskolben, von denen eine in einem Abschirmbecher untergebracht ist, nichts von der restlichen Schaltung zu sehen. Auf den ersten Blick ist handwerklich nichts zu bemängeln, auch haben die Röhren genügend Raum, um nicht zu überhitzen. Also Abdeckung wieder festgeschraubt und weiter im Text. An der Rückseite befindet sich ein Anschluss für den mitgelieferten Fußschalter, der Amp lässt sich, wie schon erwähnt, bei Bedarf aber auch auf der Vorderseite per Hand umschalten. Die beiden benachbarten Buchsen bilden einen seriellen Effekt-Einschleifweg. Hier bitte ein möglichst gutes digitales Effektgerät verwenden und kein "Vintage-Schätzchen" aus den Anfängen der digitalen Revolution Anfang der Achtziger oder noch davor, da sonst der Sound jegliche Dynamik verliert. Die Line-Out-Klinkenbuchse soll den den Klang einer Gitarrenbox emulieren, sodass der Amp auch zu Recordingzwecken im Homestudio verwendet werden kann. Eine Gitarrenbox braucht die Endstufe übrigens nur dann, wenn das Verstärkerteil auf "High" eingestellt ist, was per Drucktaster auf der Rückseite passiert. In der "Low"-Position bringt der Amp nur noch eine Leistung von 0,1 Watt, was besonders die Nachbarschaft erfreuen dürfte. Ein Lautsprecherausgang und der Schuko-Netzsteckeranschluss mit integrierter Sicherung runden das Bild ab.

Die Box

Passend zum roten Topteil gibt es die MRC110T3 Gitarrenbox, die mit einem 10 Zoll Celestion G10F Speaker bestückt ist. Die Box hat eine Leistung von 15 Watt und eine Impedanz von 16 Ohm. Mit einem Gewicht von knapp neun Kilo ist man hier auch als mit "Rücken" geplagter Gitarrist immer noch auf der sicheren Seite. Die Box ist rückseitig geöffnet, was je nach Einsatzgebiet Vor- und Nachteile mit sich bringt. Wenn man eine geöffnete Gitarrenbox vor einer Wand aufbaut, bekommt man einen fetteren Sound, was sich besonders im heimischen Wohnzimmer positiv bemerkbar macht. Anders sieht es bei Open Air Gigs aus, da hier ein Großteil der Schwingungen nach hinten im Nirvana verpufft. Während sich der Amp in einen einfarbigen, schlichten roten Kunstlederbezug kleidet, setzt sich die Box dank der ausgefallenen Lautsprecherbespannung optisch gut ab. Und das Beste an solch auffälligen Designs: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Marshallamps und Boxen der Tattoo-Serie in ferner Zukunft einmal als Sammlerstücke gehandelt werden.

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