Hersteller_Marleaux Bass
Test
7
15.04.2015

Praxis

Sound

Mein Test-Votan bringt ungefähr 4,1 kg auf die Waage und ist damit für einen Viersaiter zwar nicht ultra leicht, er hängt aber absolut perfekt balanciert in einer optimalen Spielposition am Körper und fühlt sich deshalb deutlich leichter an, als er es in Wahrheit ist. Der Spielkomfort ist wirklich beeindruckend: alle Töne auf dem Griffbrett sind mühelos zu erreichen, und man hat grundsätzlich das Gefühl, dass das Spiel in jeder Hinsicht unterstützt wird und das Instrument selbst dabei in den Hintergrund rückt. Das ist ein Luxus, den man wirklich nur von einem Weltklasse-Boutique-Hersteller bekommt, der sich pausenlos Gedanken über die Architektur eines Instruments gemacht hat. Begünstigt wird die gute Bespielbarkeit übrigens durch das hervorragende Setup des Instruments ab Werk. Der Bass kam mit minimaler Halskrümmung und einer äußerst niedrigen Saitenlage für maximalen Komfort bei mir an - trotzdem rasselt auf dem Griffbret bei halbwegs moderater Spielweise aber kein einziger Ton auf dem Griffbrett! Die Bundierung ist folglich genauso erstklassig wie die restliche Verarbeitung des Instruments - alles andere hätte mich aber auch gewundert.

Aus ergonomischer Sicht und in Sachen Spielkomfort kann der Marleaux also direkt Bestnoten einfahren, und nach den ersten paar Tönen im Trockenbetrieb habe ich den Verdacht, dass es beim Thema Sound genauso weitergeht. Die gesamte Konstruktion ist nämlich ungeheuer schwingungsstark, alle Töne klingen gleich lang aus und der akustische Klang ist bereits relativ laut und sehr gut definiert - beste Vorraussetzungen also für eine überzeugende Performance am Verstärker. Damit ihr euch selbst ein Bild vom verstärkten Sound und den Klangmöglichkeiten des Votans machen könnt, hören wir uns in den ersten drei Audiobeispielen verschiedene Tonabnehmerschaltungen im passiven Modus an.

Der Votan produziert mit den Delano Quadcoil-Tonabnehmern in paralleler Schaltung einen sehr ausgewogenen, dennoch aber charakterstarken und warmen Bassound mit einem soliden Fundament. Keine Frequenz ist über- oder unterbelichtet, der Sound ist stets super aufgeräumt und transparent. Erwartungsgemäß präsentiert sich der Marleaux mit beiden Tonabnehmern im Singlecoils-Modus deutlich schlanker und knochiger und bietet damit schöne Sounds für Situationen, in denen ein filigranerer Sound angebracht ist. Mit den Delanos in serieller Schaltung besitzt der Bass aus deutschen Landen dagegen am meisten Pfund. Die Höhen treten hier etwas in den Hintergrund und das Fundament kommt ultra fett daher, der kernige Sound ist allerdings immer noch hervorragend definiert und verliert nichts von seiner Durchsetzungskraft im Mix.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Klangvariationen der Votan bereits mit den verschiedenen möglichen Tonabnehmerschaltungen liefert, denn die Delanos können separat in jedem der drei Modi operieren und sorgen dabei immer für praxistaugliche Sounds in erstklassiger Klangqualität. Dazu gibt es noch eine passive Tonblende zum Abrunden der Höhen und die übliche Blend-Möglichkeit der beiden Tonabnehmer - alles zusammen genommen bietet mir der Votan ehrlich gesagt bereits im passiven Modus ausreichend Flexibiltät, um Sounds für sämtliche Musikstile und Spieltechniken abrufen zu können!

Dieser vielseitige Harzer legt aber noch einen drauf, denn mit einem Zug am Lautstärkeknopf kann der Bass in den aktiven Betrieb befördert werden und stellt jetzt zur weiteren Klangformung den 2-Band EQ mit einem Doppelpoti für Bässe und Höhen zur Verfügung. Die Marleaux Votan V2-Elektronik verändert den Klang bei neutraler Stellung des EQs zunächst nicht, man verliert aber etwas Dynamik und Direktheit im Klang. Dieses Phänomen kenne ich auch schon von anderen sehr hochwertigen Basspreamps - es ist auch keinesfalls als spezielles Manko zu verstehen, sondern anscheinend wirklich unvermeidlich, sobald das Signal eine Elektronik durchläuft. Als Entschädigung dafür bekommt man aber einen ungemein effektiv arbeitenden EQ, der ausgesprochen geschmackvoll abgestimmt ist und das klanglilche Spektrum des Votans abermals erheblich erweitert. Mit dem Bassregler lässt sich das sowieso schon kräftige Fundament des Marleaux bei Bedarf weiter aufpumpen, und der Höhenregler sorgt für zusätzliche Transparenz bei moderneren Sounds und klingt selbst voll aufgedreht noch geschmeidig.

Um das zu demonstrieren, hört ihr zum Abschluss noch ein paar Audiobeispiele, für die ich den Votan im aktiven Betrieb mit verschiedenen EQ- und Tonabnehmer-Einstellungen aufgenommen habe.

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