Bass Hersteller_Marleaux
Test
7
20.09.2018

Praxis

Gewichtsmäßig liegt der Marleaux mit seinen 4,5 kg völlig im grünen Bereich, denn schließlich handelt es sich um einen Multistring-Bass mit 34-Zoll-Mensur und einer opulenten Tonabnehmer- und Elektronikausstattung. Durch die verlängerte und mit zwölf Stimmmechaniken bestückte Kopfplatte hängt der Zwölfsaiter natürlich nicht so perfekt ausbalanciert am Gurt wie ein "normaler" MBass. Von Kopflastigkeit kann aber dennoch keine Rede sein - der Multistring-Bass lässt sich insgesamt komfortabler spielen als so mancher Fünfsaiter und verursacht auch nach längerer Zeit keine Schulterbeschwerden.

Auch der Hals fühlt sich nicht so ungewöhnlich an, wie man es bei einem Exoten mit zwölf Saiten vielleicht vermuten würde. Klar, am Sattel ist er mit 5 mm etwas breiter, weil es sonst für die zwölf Saiten doch etwas zu eng würde. In den höheren Lagen fühlt man sich aber relativ schnell zu Hause, wenn man von einem ausgewachsenen Fünfsaiter kommt - das Profil ist nicht zu klobig und der Hals hat durch das Satin-Finish eine angenehm seidige Haptik.

Trotz der guten Ergonomie des Basses waren meine ersten Gehversuche auf den zwölf Saiten allerdings anfangs etwas holprig, denn ich hatte zuvor noch nie mit einem solchen Monster zu tun. Es erfordert schon eine gute Portion Geduld und Übung, bis man die breiten Saitenchöre wirklich im Griff hat und sich rein auf musikalische Dinge konzentrieren kann. Besonders die Greifhand ist hier gefordert, denn wenn man die drei Saiten mit den Fingern nicht exakt erwischt, hört man eben Leersaiten schwingen oder es entstehen seltsame Nebengeräusche - hier ist also wirklich Präzision angesagt!

Einfachere Grooves gehen einem anfangs deshalb deutlich leichter von der Hand als virtuose Läufe, und auch komplexere Akkorde werden auf dem Zwölfsaiter zu einer Herausforderung. Schade eigentlich, denn gerade opulente Akkorde haben mit dem "orchestralen" Zwölfsaiter-Sound ihren ganz besonderen Reiz. Klar ist aber auch: Hier macht definitiv Übung den Meister, und wer viel auf einem Zwölfsaiter spielt und/oder speziell darauf komponiert, wird natürlich auch ganz anders mit dem Instrument verwachsen!

Die Anschlagshand justiert sich meiner Erfahrung nach hingegen etwas schneller an die speziellen Zwölfsaiter-Verhältnisse, sodass man prinzipiell nach relativ kurzer Eingewöhnungsphase alle herkömmlichen Spieltechniken, wie Fingerstyle, Plektrum-Style oder Slapping, umsetzen kann. Je nach Anschlagrichtung stehen eben entweder die hohen Oktavsaiten oder die tiefe, normale Basssaite etwas mehr im Vordergrund - hier muss man einfach experimentieren und herausfinden, auf welchen Sound man steht oder was besser zur Musik passt.

Damit sind wir schon mitten beim Thema "Sound", und der ist beim Marleaux Zwölfsaiter wirklich alles andere als gewöhnlich und wirklich beeindruckend. Wer jetzt glaubt, dass man einen ähnlichen Octaver-Sound mithilfe eines Pedals doch viel einfacher umsetzten könnte, ist völlig auf dem Holzweg. Dadurch, dass die Oktave beim Marleaux mit richtigen Saiten erzeugt wird, wirkt der Sound ungeheuer lebendig, natürlich und viel facettenreicher als ein künstlich erzeugter Octaver-Sound. Außerdem entsteht durch die Verdoppelung der Oktavsaiten eine subtile Schwebung, die dem Sound ihren ganz eigenen Charakter gibt.

Funkige Riffs wirken mit dem MBass 12 String ultrafett, wie ihr im ersten Audiobeispiel hören könnt. Für die Aufnahme habe ich die beiden Delano-Quadcoils parallel geschaltet und die Tonblende voll aufgedreht. Flageoletts kommen mit dem Zwölfsaiter übrigens wirklich bombastisch - die Quarten am Ende des Clips stehen im Raum "wie in Stein gemeißelt"!

Wir bleiben im passiven Betrieb, mit dem Balanceregler habe ich jetzt allerdings auf den Stegtonabnehmer geblendet. Seriell geschaltete Spulen sorgen für einen fetteren, mittenstärkeren Sound:

Im Singlecoil-Betrieb klingt der Zwölfsaiter erwartungsgemäß knochiger, offener und transparenter. Im Clip hört ihr den Halstonabnehmer mit leicht absenkten Höhen via Tonblende:

Natürlich eignet sich der schwebende und reiche Sound des MBass 12 String hervorragend für soloartige Improvisationen. Für das kleine Solostück habe ich die Marleaux-Elektronik aktiviert und mit dem EQ die Bässe und Höhen angehoben. Der MBass klingt mit der Anpassung abermals breiter und klarer, der Sound wirkt aber nicht künstlich oder aufgeblasen. Mir gefällt der hochwertige Marleaux-Preamp gerade im Zusammenspiel mit den transparent klingenden Delano-Tonabnehmer wirklich ausgesprochen gut!

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare