Software Hersteller_Manley
Test
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31.10.2019

Praxis

Klang

Wie der Manley Massive Passive in der Theorie klingt, hab ich bereits in den Details ausführlich erläutert, deswegen mach es hier nur kurz: Er macht alles schöner, rund und weich – das kann manchmal aber auch zu viel des Guten sein. Besonders schnelle, elektronische Kickdrums können dadurch ihren Impact verlieren – aber selbst das kann ja gewollt sein. Gleiches gilt für schlampig geschnittene Vocals oder Ähnliches – die steilen Knackser und Cuts bügelt die Übertrager-Bauweise ebenfalls gut weg. Falls es mal schnell gehen muss. 

Hören wir uns ein erstes Beispiel an: Hier habe ich einen Bus aus drei Acoustic-Gitarren bearbeitet, wodurch sie weniger scharf und kantig klingen, dafür nun aber breit und cremig. Besonders im zweiten Teil des Beispiels, wo das Stereobild aufgeht, macht der echte Manley noch viel weiter auf. Im Vergleich dazu die Plug-ins von UAD-2, denen das Gewisse Extra fehlt. Die UAD-2 Version stellt zwar grundsätzlich den gleichen Übertragungsverlauf her, aber sie klingt ein wenig härter und schriller in den Höhen und im Stereo-Part des Acoustic-Beispiels auch weniger breit. Es sind zwar nur Nuancen, aber eben vorhandene Nuancen, an denen man „in-the-box“ mit weiteren Tools feilen müsste, um es ähnlich hinzubekommen. Der echte Manley hingegen erledigt alles in einem Aufwasch.

Der Massive Passive macht leblose Files lebendig. Den großen Aha-Moment hatte ich damals mit einer Machinedrum, die für sich irgendwie immer flach klingt. Dank Manley und seinen parallelen Bändern entsteht in der Tat so etwas wie Tiefenstaffelung. Auch die Phase-Shifts der einzelnen Bändern machen das statische File deutlich fresher. Die Machinedrum hab ich zwar nicht mehr, aber das Nepheton 808-Plugin erfüllt den Zweck auch. Es fällt auf, es sind nicht nur die Frequenz-Änderungen die den Sound ausmachen, sondern auch die Verbiegung des Phasengangs. Es kann sich außerdem lohnen, mit dem Manley zu übertreiben und dann mit etwas Cleanen zu korrigieren. Im folgendem Fall hab ich den dynamischen EQ von Ozone 9 benutzt.

Kann man zu viel Manley nutzen? Ich denke nicht. Das ist aber auch Geschmacksache. Hier ein kleiner Song, den ich nur mit meinem Manley bearbeitet habe – und zwar auf jeder Spur mit anschließendem Freeze. So umständlich war das aber gar nicht, weil ich zuerst den Mix mit den Universal Audio Manely Mastering Varianten erstellt habe und diese dann mit dem Original ersetzt habe. Ich habe zunächst alles optisch gleich eingestellt und dann nach Gehör Feinanpassungen vorgenommen. Summiert wurden alle Beispiele digital.

Der Manley klingt edel und hat Charakter. Er wertet viele Signale deutlich auf, auch wenn er sie ganz streng genommen ein wenig verschleift - aber eben auf eine schöne, musikalische Art. Das ist nicht immer ideal, aber für mich gerade in der Zeit von knochigem Plug-in-Sound eine echte Wohltat für den Mix. Man muss auch nicht einmal den EQ nutzen: Selbst wenn man nur die Gain-Stufe nutzt, macht er „besseren Klang“. Und da er sogar unsymmetrische Eingänge besitzt, kann man ihn sogar als DI-Box missbrauchen – eine zugegeben sehr teure DI-Box, aber mit Stil!

Und hier noch mal die einzelnen Spuren des Songs. Bitte beachtet, dass es die unveränderten Stems sind, teilweise lange Zeit also gar nichts zu hören ist.

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