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Test
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20.05.2014

Mackie SRM 650 Test

Aktive Fullrange PA-Box mit DSP

Ready for anything?

Mackie fährt in der Liga der aktiven Fullrange-Lautsprecher ordentlich Geschütz auf. Die SRM-Serie gibt es in vier verschiedenen Größen mit zwei kombinierbaren Subwoofern. Aus der Reihe der Fullrange-Speaker habe ich das größte Modell für einen ausgiebigen Produkttest erhalten, die SRM 650!

Alleine das Produktvideo begeistert mich bereits im Vorfeld. Da lehnt sich Mackie ordentlich aus dem Fenster und gibt vor, eine Box entwickelt und gefertigt zu haben, die gebaut ist wie ein Panzer, hochauflösend klingt, Road-tauglich und bereit für alle Anwendungen ist! Da lasse ich mich nicht zweimal bitten...

Details

Mit guten 109 Litern Volumen hat die Box schon eine ordentliche Größe, kommt allerdings bei 1600 Watt Spitzenleistung mit 21 Kilogramm Gewicht aus. Das begeistert den Roadie und den PA- Verantwortlichen an jedweder Bühne, zumal die Größe der einzelnen Boxen noch eine handliche Dimensionierung aufweist. Zwei SRM 650 inklusive Stativen, Kabelkiste, Live-Mixer, Mikrofon-Koffer und dem obligaten Werkzeug-Täschchen bekommt man sogar samt Praktikant zur Not noch mit einem Golf ans Venue gebracht.

In der Hochfrequenzabteilung arbeitet ein 1,4 Zoll großer Horntreiber, die Bässe bildet ein 15- Zoll-Lautsprecher ab, wobei die Übergangsfrequenz des 2-Wege-Systems bei 3000 Hz liegt. Die Class D Verstärkerstufen sind mit je 400 Watt RMS pro Kanal ausgewiesen und können 800 Watt in der Spitze abrufen – die Summe beider Kanäle ergeben dann die propagierten 1600 Watt Spitzenleistung und sollen dabei einen maximalen Pegel von 133 dB(SPL) produzieren.

Laut Mackies Präsentationsvideo können die SRM 650, „gebaut wie ein Panzer“, so manche harte Tour unbeschadet mitmachen, und tatsächlich ist die Verarbeitung auf den ersten Blick sehr solide. Die Wandstärke des verleimten, aus Pappelholz gefertigten Gehäuses beträgt 15 – 18 mm, beschichtet mit schwarzem Strukturlack wirkt die Optik und Haptik schon extrem Road-tauglich! Das Gehäuse ist für den aufrechten sowie liegenden Monitor-Einsatz (Floor Wedge) mit massiven, am Gehäuse verschraubten Gummifüßen versehen. Zwei solide Griffe an den ergonomisch günstigen Punkten geben sicheren Halt, die Box kann aber auch einhändig weggetragen werden. Acht Schrauben verhindern das frühzeitige „Aus“ des Griffs!

Der Grill, der die Lautsprecher schützt, ist ebenso leicht wie robust und mit insgesamt 16 Schrauben gesichert. Das rückseitige Anschlussterminal ist in das Gehäuse versenkt eingelassen, sodass beim Verrutschen während des Transports die Knöpfe und Regler „safe“ sind. Das Terminal ist gleich mit 14 Schrauben gesichert. Das sind ziemlich viele Schrauben, die alle gelöst werden wollen, wenn man mal an die Intarsien heran muss, um eventuell mal Bauteile auszutauschen. Nach reiflicher Untersuchung des Backpanels fällt auch das Fehlen der obligaten Schmelzsicherung auf. Diese ist in das Innere der Box verlegt worden! Sollte man diese mal wechseln müssen, führt kein Weg an der Fahrt zur Fachwerkstatt vorbei, da beim Lösen der Schrauben die Garantie verfällt, was ich als ziemlich lästig und unnötig empfinde. Für die „fliegende“ PA-Anwendung hat man die Box mit drei soliden M10-Gewinden versehen. Mit den entsprechenden M10-Ösen kann man die 21 Kilogramm leichte Box bequem an beinahe jede Bar oder Traverse ketten. Zusätzlich ist im Boden der Box ein Flansch zum Anbringen auf Boxenständer integriert.

Weiter zum Backpanel

Neben der Spannungsversorgung befinden sich auf der Rückseite zwei Eingangskanäle, eine Ausgangsbuchse und die Bedienungsknöpfe für den EQ, den Feedback-Destroyer sowie den Limiter. Der Eingangskanal 1 verfügt über eine weibliche Kombibuchse von Neutrik für XLR- und Klinken-Stecker. Ein Gain-Regler zeigt sich für die Eingangsempfindlichkeit verantwortlich, die konzentrisch um das Poti aufgedruckte Skala zeigt hierbei die Aufholverstärkung von OFF über LINE zu MIC an. In der Mitte des Regelweges befindet sich eine Rasterung, die bei der Orientierung hilft, falls man den Aufdruck nicht genau sehen kann. Eine Signal-LED zeigt an, ob genügend Pegel am Eingang anliegt. Der Gain-Regler macht allerdings keinen sonderlich vertrauenserweckenden Eindruck. Ich hätte erwartet, dass für den rauen PA-Alltag der Regler wenigstens mit dem Gehäuse verschraubt wäre – für mich im Grunde eine Mindestanforderung. Ein Platinenschaden ist mit dem so wackeligen Regler, an dem nun wirklich gerne mal gedreht wird, durchaus im Bereich des Möglichen. Eingangskanal 2 stellt parallel zur Kombibuchse noch ein Paar Cinch-Buchsen bereit. Der Ausgang ist als „Thru“ bezeichnet und kann per Knopf wahlweise passiv das Signal von Eingang 1 oder aktiv das summierte Signal beider Kanäle durchschleifen.

Das Bedienpanel befindet sich gleich darüber. Zur Linken die Speaker-Modi mit folgenden Presets:  

  • „PA“ - für den Betrieb der Box als Standalone-PA
  • „DJ „für den PA Einsatz eines DJs und dessen „Music Playback“
  • „MON“ für den Einsatz der Box als Monitor-Speaker
  • „SOLO“ gedacht für den Singer/Songwriter, der mit einer Gitarre und einem Mikro etwas Verstärkung benötigt.  

Daneben befindet sich der Multiband „Feedback Destroyer“. Vier Sperrfilter mit je einer 16tel Oktave Bandbreite arbeiten automatisch im Hintergrund, suchen die rückkopplungsfreudigen Frequenzen und senken diese ab. Mit Hilfe eines Tasters kann man die Filter wieder zurücksetzen und einen neutralen Übertragungsbereich herstellen.

Rechts davon befindet sich der Schalter für den Limiter, der gleich auch der Schalter für das „Running Man“-Logo auf der Frontseite ist. Wenn das „Boogie Woogie“-Männchen leuchtet, ist der Limiter aktiv. Ist die Lampe aus, läuft man beim harten Betrieb Gefahr, die Box zu übersteuern und zu beschädigen. Sollte man aber den Limiter überstrapazieren, sodass die Endstufen in der Box heiß laufen, dann deaktiviert die thermische Schutzschaltung die Box bevor der Hitzestau Schlimmeres verursacht. Merkwürdigerweise hat man den Limiter-Schalter so ausgelegt, dass er,  wenn dieser eingerastet ist, deaktiviert ist und umgekehrt. Die Logik dahinter ist mir bis dato noch nicht aufgegangen, aber wenn man es weiß und verinnerlicht hat, wird´s schon gehen...  

Die ganzen Schutzmaßnahmen sind wohldurchdacht und bauen logisch aufeinander auf, sodass der Box ein Maximum an Lautstärke entlockt werden kann, ohne dass sich einzelne Bauteile in Wohlgefallen auflösen müssen. Für den gesamten Schutz sorgt Mackies eigener DSP namens „Smart Protect“, der die thermische Schutzschaltung, den Limiter und ein sehr steiles High Pass Filter für extrem tiefe Frequenzen beinhaltet. Letzteres sorgt dafür, dass auch bei extremen Verstärkungen der Bass-Speaker mechanisch nicht mehr auslenkt als seine Schwingspule hergibt.

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