Test
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28.08.2017

Praxis

Anwendungen

Typische Einsatzgebiete für den Phasenschieber sind Mixdown, Post-Production und Mastering, insbesondere Stem-Mastering. Überall dort, wo mehrere Signale zusammenkommen und sich Phasenversatz zwischen diesen Signalen ergeben kann, ist das Plug-in sinnvoll. Das ist beispielsweise durch viele Mikrofone auf engem Raum gerade bei Schlagzeugspuren oder Instrumenten möglich, welche zum einen über eine DI-Box direkt und zusätzlich noch mit Mikrofon vor einem Verstärker abgenommen werden. Aber auch, wenn ein zeitlicher Versatz beim Mischen zwischen den Spuren im Rechner und den Signalen von analogen Geräten außerhalb des Rechners besteht, kann sich ein solcher Phasenversatz ergeben.

Der Effekt kann dabei von sehr subtil bis dramatisch sein. Das hängt davon ab, wie ähnlich die Frequenzspektren und Pegel der bearbeiteten Signale im Verhältnis zu den unbearbeiteten Signalen in der Mischung sind.

In dem Audiobeispiel „Drums“ ist der MAAT RSPS als Mono Insert auf einer von zwei parallel aufgenommenen Bassdrum-Spuren eingesetzt. Bei 100Hz habe ich eine Verschiebung von 150° eingestellt und schon wird die Bassdrum fett.

Im zweiten Audiobeispiel habe ich eine missglückte M/S-Stereoaufnahme einer Akustikgitarre aus einem älteren Testbericht genommen. Die Phasenlage der beiden Kanäle zueinander ist so verdreht, dass diese Aufnahme eigentlich nicht zu gebrauchen ist, von Monokompatibilität ganz zu schweigen. Mit dem MAAT RS PhaseShifter konnte ich sowohl die Phasenfehler als auch eine kleine Pegeldifferenz so ausgleichen, dass ich aus einer unbrauchbaren eine gute, monokompatible Aufnahme erhalte.

Noch einmal zur Erinnerung: ich habe in beiden Beispielen nicht mit einem Equalizer eingegriffen, sondern ausschliesslich den Phasenwinkel einer Spur verändert.

Darüber hinaus sind der Kreativität beim Einsatz des PhaseShifters keine Grenzen gesetzt. Ich kann mir vorstellen, dass gerade elektronische Drums, bei denen oft mehrere Sounds gelayert werden, sehr vom Einsatz des MAAT RS PhaseShifter profitieren, wenn die Phasen der verschiedenen Layer gegeneinander verschoben werden.

Ein Tipp, den mir Friedemann Tischmeyer gab, ist den PhasenSchieber im S-Kanal einer M/S-Aufnahme zu platzieren und nur die Stereobasis der Höhen zu bearbeiten.

Einziger Kritikpunkt, wenn man so will, ist das Fehlen einer grafischen Hilfe zum Finden des richtigen Phasenwinkels. Ich empfand dies allerdings nur zu Beginn als ein Hindernis. Mit zunehmender Gewöhnung und Sensibilisierung der Ohren hört man sehr gut, wann etwas „out-of-phase“ ist. Und diese Fähigkeit zahlt sich nicht nur im Umgang mit dem MAAT RS PhaseShifter aus.

Klang

Das MAAT Plug-in verhält sich klanglich neutral. Ich konnte keine Färbung oder Veränderung außer den beabsichtigen Einstellungen wahrnehmen. Auch die wichtigen Transienten passieren den Phasenschieber unbeschadet. Klanglich ist das Plug-in damit auf einer Höhe mit den Hardware-Modulen aus Roger Schults Werkstatt. Es wird nichts gefärbt oder beschönigt. Das Modul macht genau das, was der Name sagt.

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