Test
4
21.04.2018

Ludwig 14“ x 5“ Black Beauty Snare Test

Snaredrum mit Messingkessel

Zeitlos schwarze Schönheit

Spricht man bei Snares über die Black Beauty, geschieht das beinahe mit einer gewissen Ehrfurcht. Sie gilt als eine der meist aufgenommenen Snares, bringt Toningenieure zum Schwärmen und zaubert Schlagzeugern ein breites Grinsen ins Gesicht. Black Beauty – hört man diese zwei Worte im Zusammenhang mit einer Snare, ist klar, dass man von einer Trommel mit ausgezeichneter Qualität spricht. Dabei hatte sie immer auch ihre kleinen Unvollkommenheiten. Für die umständlich einzustellende Parallelabhebung der Anfangsjahre gab es in den letzten Jahrzehnten einen nur mäßig funktionierenden Strainer, der manch einen sicher zur Verzweiflung gebracht hat. Nun ist nach jahrelangem Beharren auf ebendieser P85 Abhebung endlich eine Weiterentwicklung erschienen, die auch an unserem Testinstrument, der Ludwig 14“ x 5“ Black Beauty, verbaut ist.

Ironischerweise war der Name Black Beauty keine Ludwig Kreation. Die erste Trommel, die mit dieser Bezeichnung auf den Markt kam, wurde von Ludwigs Rivalen Slingerland hergestellt. Mittlerweile kosten die wenigen existierenden Modelle nach dem Verschwinden von Slingerland ein Vermögen, wobei die frühen, mit aufwändiger, blumiger Gravur verzierten Ludwig Black Beauties aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren ebenso alles andere als erschwinglich sind. Die Vorfahren des heutigen Modells wurden dann erst in den späten Siebzigerjahren eingeführt und sind in Aufbau und Hardware der schon damals viel verkauften Supraphonic nachempfunden. Mittlerweile sind die Black Beauties in verschiedenen Größen, mit unterschiedlicher Hardware und wahlweise gehämmerten Kesseln erhältlich.

Details

Schauen wir uns diesen absoluten Klassiker doch mal im Detail an. Der Kessel ist aus einem 1,2 Millimeter dünnen Stück Messing nahtlos gefertigt und in der Mitte mit einer rund um den Kessel laufenden Sicke versehen, wodurch dieser steif und belastbar wird. Das normalerweise gelblich schimmernde Messing wurde anschließend schwarz vernickelt, wodurch die Snare ihren berühmten Namen bekam. Die Fellauflagekanten wurden im Winkel von 45 Grad durch gezieltes Umbiegen des Messings erzielt. Auf der Unterseite des Kessels verläuft ein fein gearbeitetes Snarebed, das maßgeblich für eine gute Teppichansprache verantwortlich ist. Die Felle, hauseigene einlagige Ludwig Weather Master Medium Modelle, werden von 2,3 Millimeter dreifach geflanschten Stahlspannreifen und mit schwarzen Plastikscheiben unterlegten Stimmschrauben gehalten.

Zehn Imperial Lugs sorgen für den klassischen Look

Am Kessel sind zehn Imperial Lugs montiert, deren Design sich seit ihrer Einführung im Jahr 1936 nur unwesentlich verändert hat. Anders als früher sind diese aber nun mit schwarzem Gummi unterlegt, um den direkten Kontakt zwischen Hardware und Kessel zu verhindern. Geändert hat sich allerdings über die Jahrzehnte immer wieder das Badge. Von der WFL Drum Company übernommen, zierte die goldfarbene Krone die Kessel der Ludwig Drums bis in die frühen Siebziger, bis sie von den sogenannten Blue Olive Badges abgelöst wurde. Seit Mitte der Achtziger ist das königliche Emblem wieder zurück, erst seltsam groß, was zur Folge hatte, dass die Krone teilweise unter dem Kragen der Felle verschwand, doch nun prangt dort wieder das altbewährte Badge und sorgt für einen klassischen Look. Anders als bei den früheren sogenannten Keystone Badges ist dort nicht mehr der damalige Firmensitz in Chicago vermerkt. Der aktuelle, plakative Schriftzug „Made in USA“ trifft nur zum Teil zu. Einige Bauteile kommen aus dem fernen Asien und werden in der heutigen Fertigungsstätte in Monroe montiert. Dazu gehört unter anderem der 20-spiralige Teppich, der, mit schickem Ludwig Logo geschmückt, wohl etwas von seiner preisgünstigen Machart ablenken soll. Es ist schon erstaunlich, dass das absolute Vorzeigemodell der Ludwig Drum Company mit einem derartigen Snare-Teppich bestückt wird. Immerhin sprechen wir hier von einem vierstelligen Betrag, für den man ein Instrument mit einem Snare-Teppich bekommt, der auch bei günstigen Einsteigermodellen verbaut wird. 

Ein neuer Strainer und Vierkantschrauben? Fast zu schön um wahr zu sein!

Ein Lichtblick hingegen ist die neue, endlich weiterentwickelte Teppichabhebung. Nach der schlichten, aber funktionierenden P83 Abhebung, die von Ende der Fünfzigerjahre bis in die frühen Siebzigerjahre verbaut wurde, waren die Kessel, mit Ausnahme der mittlerweile aus der Mode gekommenen, umständlichen Super Sensitive Abhebung, mit dem P85 Strainer ausgestattet, der in den seltensten Fällen über lange Zeit wirklich reibungslos funktionierte. Teilweise werden heute noch Snare-Modelle damit ausgeliefert, und es passiert nicht selten, dass diese Abhebungen schon im Laden nicht mehr funktionieren, wie ich neulich in einem Berliner Drumshop feststellen konnte. Nun wurden endlich die Rufe nach einer Weiterentwicklung erhört, und siehe da, die neue P85AC Abhebung ist endlich da. Das Throw Off Prinzip mit klappbarem Hebel ist altbewährt, die Teppichspannung lässt sich über eine mit den Umrissen einer Krone verzierte Rändelschraube einstellen. Diese ist gerastert und kann sich damit nicht mehr durch die Vibration beim Spielen lösen. Das zur Abhebung gehörende PC35AC Butt End ist ebenfalls mit einer kleinen Krone verziert. War das Butt End der alten P85 Abhebung noch mit kleinen Schlitzschrauben versehen, kommen nun Vierkantschrauben zum Einsatz, die sich mit einem einfachen Stimmschlüssel bedienen lassen. Der vernickelte Kessel und die übrigen, verchromten Bauteile sind optisch gut verarbeitet und weisen keinerlei Verarbeitungsmängel auf. Nun ist es aber höchste Zeit, dem Klang der schwarzen Schönheit im Praxisteil zu lauschen.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare