Hersteller_Ludwig
Test
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25.07.2016

Praxis

Kompromissbehaftete Hardware

Für die Soundfiles installiere ich das Vibra Band, also die mitgelieferte Freischwinghalterung samt Klammer für den Beckenständer, um möglichst alles an Sustain aus dem 12 Zoll großen Tom heraus zu kitzeln. Bei beiden Toms fällt auf, dass die Flügelmuttern zum Anziehen am Bracket für Tomhalter und Floortom-Beine relativ hakelig laufen. Die Bassdrum ist federleicht und würde sich somit super zum Giggen eignen, wenn da nicht die installierte Fußkonstruktion wäre, die zum Grübeln einlädt… Die Beine, die von Haus aus nicht sonderlich vertrauenserweckend wirken, sind zwar von Gummi auf Dorn (durch Abziehen des Gummis) umrüstbar, sie sind aber ein Stück zu kurz geraten, bzw. müssten etwas weiter unten am Kessel montiert sein. In vorliegender Situation kommt der Spannreifen auf der Resonanzseite nicht weit genug hoch, sondern bleibt immer kurz über dem Boden. Das hat zur Folge, dass ich am Schlagfell mit dem Beater meiner Fußmaschine immer über den eigentlichen Punkt hinaus muss, an dem er normalerweise auf das Fell trifft. Das ist etwas unpraktisch und eine klare Fehlkonstruktion.

Es rumpelt, es ist ein Ludwig!

Die Tomfelle müssen sich auf den Gratungen erst etwas „eingrooven", und auch die eine oder andere Stimmschraube läuft etwas schwerer, aber mit etwas Geduld ist das Ludwig relativ gutmütig in Stimmung gebracht. Mit einer kurzen 20er Bassdrum ist man meistens nicht so richtig authentisch in Bebop-Gefilden unterwegs, und für die ganz große Rockbühne würden die meisten mit einer 22er oder 24er Kick auflaufen, aber die warm bollernden, mittig schmatzenden Sounds haben die alten Ludwig Kicks bekannt gemacht, deshalb versuche ich die Bassdrum zuerst in einem 70er Jahre Tuning in tiefer und mittlerer Stimmung. Dazu nehme ich ein Smooth White Fell mit Dämpfung aus meinem Fundus – dieses hat schon ein Loch im Resonanzfell – und lege ein wenig Dämpfung vor beide Felle im Inneren der Trommel. Das klingt dann so.

Soundfiles tiefe Stimmung

Das kann man auf jeden Fall so machen, die Bassdrum kommt aber in meinen Ohren erst in einer etwas höheren Lage zum Leben, wenn sich, wie beim 14er Floortom auch, etwas mehr Ton in den Gesamtklang mischt. Ich drehe also an allen drei Trommeln sämtliche Schrauben etwas höher, das klingt dann so:

Soundfiles mittlere Stimmung

Die mittlere Stimmung wäre mein Favorit, wenn es um soulige Retro-Sounds geht, auch die Toms gehen hier noch ein Stückchen weiter auf und machen viel Spaß zu spielen. Für die letzte Stimmung entferne ich jegliche Dämpfung aus der Bassdrum und reinstalliere das originale, ungelochte Resonanzfell. Jetzt geht es noch einen ganze Etage höher, um mal zu sehen, ob das Club Date auch richtig singen kann? Es kann. Bei der Bassdrum ist es mir fast schon too much, hier müsste von innen noch mit einem Filzstreifen oder ähnlichem an den Fellen gedämpft werden, den beiden Toms geht auch in höherer Lage nicht die Luft aus, ganz im Gegenteil.

Soundfiles hohe Stimmung

Klanglich kann das Set auf jeden Fall überzeugen, auch einigen Kollegen, denen ich das Set im Testlauf unter die Stöcke gebe, sind begeistert. Zitat: „Das Set klingt ja super, so etwas kleines überlege ich mir auch gerade zuzulegen. Was kostet das? 700 Euro?“ Auf meine Antwort folgte dann ein erschrockener Gesichtsausdruck. Somit ist die Zielgruppe wohl weniger der pragmatisch veranlagte Profi-Trommler, sondern betuchte Kundschaft in den besten Jahren, die bereit ist, dem kultigen Namen Ludwig und dem „Made in USA“ Label mit ordentlich Scheinen zu huldigen.

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