Hersteller_Korg
Test
3
29.10.2012

Praxis

Bedienung
Wer den KROME einschaltet, braucht zunächst einmal Geduld. Etwa eine Minute benötigt die Workstation zum Hochfahren. Das ist zwar deutlich kürzer als beim KRONOS, kann im stressigen Live-Betrieb aber bereits eine kleine Ewigkeit sein. Doch wenn es dann läuft, freut man sich vor allem über das Touch-Display. Die Bedienung ist intuitiv und schnell. Selbst beim Abtauchen in die Tiefen der Untermenüs, wie es bei Workstations auf Grund der unzähligen Editiermöglichkeiten ja öfter mal vorkommt, bleibt sie übersichtlich und nachvollziehbar. Menüführung und Touch-Display ergänzen sich hier vorbildlich.

Die Spielhilfen fallen deutlich rudimentärer aus als beim KRONOS oder der M3. Lediglich vier dreifach belegte Drehpotis sind im Angebot. Über einen Select-Taster kann zwischen den Funktionen Tone (z.B. Filter Cutoff und EG), Arp (z.B. Gate und Velocity) und User (frei zuweisbar, z.B. für Effektparameter) gewählt werden. Ergänzt werden die Potis von den Tastern, die die Mastereffekte an- und ausschalten, sowie zwei weiteren, frei belegbaren Knöpfen links neben der Tastatur. Das ist nicht viel, aber mit diesen Bedienelementen lässt sich trotzdem allerhand anstellen. Man muss sich eben vorher überlegen, welche Parameter man beim Spielen verändern möchte. Richtige Soundkontrolle, wie man sie etwa bei Synthie-Sounds benötigt, fühlt sich jedoch anders an. Vor allem im Combination- und Sequencer-Modus stößt man hier recht schnell an die Grenzen.

Praktisch ist der als Download erhältliche Software-Editor. Zwar ist das Touch-Display in Sachen Übersicht ja schon gar nicht schlecht. Noch bequemer wird die Programmierung allerdings auf dem Computer-Bildschirm. Per Mausklick kann hier fröhlich editiert und anschließend auf der Workstation und/oder dem Rechner gespeichert werden. Und sogar an eine Plug-in-Version des Editors wurde gedacht. So lassen sich die Sounds des KROME problemlos aus einer DAW heraus ansteuern – und bearbeiten!

Übrigens: Für Bedienungsanleitungs-Muffel liefert Korg auf der beiliegenden CD ein einstündiges Video-Tutorial mit, das die Grundlagen der Workstation in Ruhe erklärt. Guter Service!

Sounds
Die neue Klangerzeugung des KROME nennt sich EDS-X (Enhanced Definition Synthesis-eXpanded). Im Gegensatz zur M3 und M50 wurde sie also um ein „X“ erweitert. Insgesamt gibt es eine Auswahl aus 640 Programs und 384 Combinations.

Zunächst zum akustischen Piano: Mit seinen acht Layern klingt das KROME Grand Piano wirklich sehr gut. Auf einer geeigneten Tastatur lässt es sich sehr dynamisch und natürlich spielen. Die Lautstärke der Saitenresonanzen bei getretenem Pedal ist einstellbar. Darüber hinaus gibt es aber keine weiteren Geräuschsamples oder Eingriffsmöglichkeiten in den Sound. Von der luxuriösen Ausstattung des KRONOS (mit Hammergeräuschen, Deckelöffnung etc.) ist man also ein ganzes Stück entfernt. Mit der Preisklasse des KROME im Hinterkopf kann man das Piano jedoch als hervorragend bezeichnen. Natürlich gibt es auch diverse Abstufungen von brillanten Rock-Pianos bis hin zu dunkleren, gedeckteren Klängen.

Auch die E-Pianos sind durchweg hochwertig, auch wenn sie nicht an die des hauseigenen Platzhirschen Korg SV-1 heranreichen. Rhodes, Wurlitzer und Clavinet klingen vor allem in Verbindung mit den vielfältigen Effekten absolut überzeugend.

Der Grundsound der Orgeln ist ebenfalls recht gut und schmatzig. Allerdings überzeugt mich der Leslie-Effekt nicht. Man hört hier kaum einen Unterschied zwischen schnell und langsam. In den nächsten beiden Soundbeispielen wird der KROME-eigene Leslie-Effekt dem gleichen Orgel-Grundsound mit einem Leslie aus dem Neo Instruments Ventilator gegenübergestellt.

Die Streicher-, Holz- und Blechbläsersounds erfüllen ebenfalls einen hohen Standard, ohne jedoch zu überraschen. Wesentliche Verbesserungen wären hier wohl auch nur durch noch deutlich größere Samplebänke zu erreichen. Bei der großen Auswahl ist jedoch für 95% aller Live-Anforderungen etwas dabei.

Auch die synthetischen Sounds sind vielfältig und in guter Qualität vorhanden. Die Flächen klingen sehr lebendig, was vor allem an den vielen Layer-Möglichkeiten liegt. Aber auch bratzige Wände sind im Angebot. Die Leadsounds sind durchsetzungsfähig, doch wünscht man sich hier schon mal das ein oder andere zusätzliche Poti, um live so richtig „abzudrehen“.

Zu guter Letzt sind die Drumsounds ein echtes Highlight, was vor allem durch die verschiedenen Groovepatterns betont wird. Hier findet man neben Standards auch den ein oder anderen individuellen Groove.

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