Test
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22.04.2019

Praxis

Gutes Stereobild, breiter Sweet Spot

Die Kali Audio LP-8 sind ganz schön „erwachsene“ Studiomonitore, wie die Dimensionen direkt klarmachen. Dementsprechend erweitere ich das übliche Stereodreieck meiner 6,5“-Nahfelmonitore auf gut 2,5 Meter. Im Laufe des Reviews habe ich aber festgestellt, dass auch Bedroom-Producer-Abstände von gut einem Meter durchaus funktionieren. Allerdings ist das Stereobild etwas präziser, wen der Abstand nicht allzu hoch ist. Damit bin ich beim ersten Thema, der räumlichen Darstellung: Insgesamt gelingt es den Kali LP-8 recht gut, Stereopositionen im Mix zu erkennen. Die häufige Problematik von Stapelung auf der linken und der rechten Box sowie der Tendenz, dass leicht zur Seite gepannte Signale auf die Phantommitte rutschen, gibt es begrüßenswerterweise nicht. Ich kenne Boxen, mit denen man bedeutend tiefer in die Bühne hineinblicken kann, um Tiefenstaffelung und Reverbeinsatz zu analysieren, allerdings sind diese durchweg teurer (oder weitaus kleiner, wie die Genelec 8010A). 

Die Waveguides scheinen gute Arbeit zu leisten, denn tatsächlich ist der Sweet Spot, also der Bereich, in dem man sich beim Abhören bewegen kann, ohne starke Verfärbungen (und somit Verfälschungen) zu erhalten, recht breit. Sehr gut gewählt sind die verschiedenen Anpassungen an den Aufstellort, das funktioniert vorbildlich.

Frequenzgang

Die 8“-Woofer im Ported-Gehäuse liefern tatsächlich ein ordentliches Fundament, mit dem sich das Geschehen im üblichen Grundtonbereich ordentlich beurteilen lässt. Schwimmen tut der Bass für einen Lautsprecher dieser Preiskategorie nur wenig, er ist überdies ausreichend präzise. Naturgemäß gestaltet sich die Arbeit mit vornehmlich für den Club gedachter Musik, sehr breitbandiger Klassik (etwa Orgelmusik) und weit heruntergestimmter Gitarrenmusik mit einem noch weiter nach unten reichenden System etwas einfacher.

In den Mitten spielen die beiden Kali angenehm klar und deutlich. Davon profitiert vor allem die Sprachwiedergabe! Auch die Übergabe zwischen den beiden Systemen ist gut gelungen, um die Trennfrequenz herum ist weder eine Überhöhung noch ein Loch zu hören. Und auch eine mangelnde Definition sucht man hier vergeblich. 

Die Höhen wirken im ersten Höreindruck klar und präzise, werden dabei insgesamt mit reichlich Pegel bedacht. Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, ihnen mit dem Shelvingfilter ein wenig Einhalt zu gebieten. Das Grundproblem ist jedoch nicht das reine Level, sondern eines, das sich die Kali-Boxen mit so vielen anderen in diesem Preissegment teilen: Es gibt im Signal eine Tendenz zu leicht kneifender und bissiger Wiedergabe. Gleichzeitig ist die Detailauflösung nicht allzu hoch. Dadurch wird die Möglichkeit zur genauen Analyse von Einschwingvorgängen, Texturen und Reflexionen etwas verringert und die Dauerhörbarkeit verringert. Nach etwa zwei Stunden Arbeit mit den LP-8 war ich meist „hörmüder“ als mit meinen (ebenfalls mit 1“-Seidenkalotten ausgestatteten) Standardabhören. 

Weitere Wiedergabeeigenschaften

Mit den Kali LP-8 kann man recht beeindruckende Pegel erzeugen. Angenehm ist, dass das LP-8-Pärchen seine grundlegenden Klangeigenschaften auch bei geringeren oder höheren Pegeln beibehält. Das Grundrauschen ist gering, bei sehr hohen Pegeln wird die Wiedergabe im Bass recht schlagartig „unrund“, sie wird kratzig und beginnt stärker zu komprimieren, dann greift auch schon die Schutzschaltung.

Gesamtbetrachtung

Anders als bei den nahezu unschlagbar günstigen LP-6 sehen sich die Kali LP-8 deutlich stärkerer Konkurrenz gegenüber. Zwar gibt es nur wenige Lautsprecher mit Achtzöller in diesem Preissegment (wie die Yamaha HS8), doch für einen geringeren Preis als die LP-8 ist schon die Focal Alpha 65 zu haben. Freilich mit 6,5“-Woofer.

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