Bass
Test
7
20.12.2014

Praxis

Ein derart kleiner Bass mit sehr dicken Saiten aus Polyurethan fühlt sich natürlich komplett anders an als ein herkömmlicher E-Bass. Folglich wird hier auch eine andere Handhabung erforderlich. Im Sitzen spielt sich der U-Bass am besten, wenn man ihn auf den linken Oberschenkel platziert, wie es klassische Gitarristen machen. Dann ist die Position der rechten Hand natürlicher und das Handgelenk muss nicht so stark abgeknickt werden. Am angenehmsten lässt sich der U-Bass aber am Gurt spielen, denn der leichte Bass hängt relativ gerade vor dem Bauch und man braucht keine zusätzliche Kraft aufzuwenden, um das Instrument in einer guten Spielposition zu halten.

Auch der extrem kurze Hals bereitet einem aus spieltechnischer Sicht keinerlei Probleme. Das Profil ist gar nicht so grazil, wie man es bei einem Bass dieser Größe vielleicht vermuten würde, sondern besitzt eher Precision-ähnliche Maße und liegt damit erstaunlich gut in der Hand. Bevor es nun richtig losgeht, muss der U-Bass aber erst noch gestimmt werden. Auch der Stimmvorgang ist anfangs gewöhnungsbedürftig, denn die Polyurethan-Saiten sind viel flexibler und dehnbarer als normale Basssaiten. Um die Saiten in Stimmung zu bringen, braucht man daher deutlich mehr Umdrehungen an der Mechanik als bei einem normalen E-Bass. Außerdem haben die Saiten die Tendenz, sich schnell wieder nach unten zu verstimmen. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass die Saiten nach ein paar Tagen Dehnung etwas stimmstabiler wurden, denn ich musste im Verlauf der Testphase deutlich weniger nachjustieren.

Jetzt wollen wir aber endlich hören, was der Handtaschen-Bass von Kala soundmäßig zu bieten hat. Im ersten Beispiel spiele ich den U-Bass - mit den EQ-Reglern in Neutralstellung - einen simplen Bassgroove.

Der winzige Bass klingt in der Tat ungeheuer fett und liefert einen sehr speziellen, aber absolut brauchbaren Basssound für eine Bandbegleitung. Durch die kurze Mensur und die Poly-Saiten entstehen kaum Obertöne, Tiefmitten und Bässe treten deshalb stark in den Vordergrund und sorgen für den eher deftigen Sound.

Etwas mehr Mitten und Biss kann man dem U-Bass aber entlocken, wenn man die Saiten fester und weiter hinten am Steg anschlägt.

Auf diese Weise gespielt, präsentiert sich der U-Bass etwas aggressiver. Man muss jedoch aufpassen, dass man den Anschlag gut dosiert, da die flexiblen Saiten ansonsten zu sehr schlabbern und kaum noch kaum noch Sustain produzieren.

Ich habe oft gelesen, dass sich die Kala-Bässe hervorragend zum Simulieren eines kontrabassähnlichen Sounds eignen. Im nächsten Beispiel spiele ich mit meinem Testkandidaten deshalb einen Walking-Bass, bei dem ich die Bassfrequenzen mit dem EQ leicht angehoben und die Höhen gleichzeitig etwas reduziert habe.

Wie ein Kontrabass hört sich das jedoch nicht gerade an, dazu fehlt dem Sound die Tiefe und die Obertonstrukur. Wohl aber produziert der Kala einen voluminösen Sound mit einer leichten akustischen Note. Somit eignet er sich gut für Walking und besitzt durchaus Charme.

Zum Schluss unseres Test wollte ich aber noch wissen, ob sich der U-Bass auch für solistische Ausflüge in den höheren Lagen empfiehlt. Ich habe dazu zwei Chorusse über einen F-Blues gespielt und am U-Bass den Bassregler wieder in Neutralstellung gebracht. Die Höhen habe ich leicht angehoben, damit der Sound etwas präsenter wird.

Ich finde, dass der Sound durchaus transparent genug für eine virtuosere Spielweise ist. Der Bass spricht außerdem relativ schnell an, obwohl die weichen Saiten das Attack logischerweise etwas ausbremsen. Spieltechnisch gesehen wird es ab dem zwölften oder 14. Bund allerdings ungeheuer eng auf dem Griffbrett und man muss seine Technik extrem anpassen, wenn man die Töne hier noch exakt treffen will.

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