Test
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30.12.2018

Istanbul Agop Xist ION Dark und Clap Stack Cymbals Test

Becken Serie & Cymbal Stack

Im Dunkeln ist gut munkeln

Die Zeiten, in denen es im Produktportfolio der Beckenfirmen genau zwei Effektmodelle – China und Splash – gab, sind vorbei. Moderne Drummer verlangen nach einzigartigen Sounds und nach einem speziellem Look. Im Zuge dessen hält der Trend, Becken nicht zu polieren oder abzudrehen, genauso unvermindert an wie der „Lochfraß“. Letzterer dürfte Anfang der 2000er von Sabian's HHX O-Zone Crash eingeleitet worden sein, Meinl und Zildjian hingegen haben in den letzten Jahren den Verdunkelungstrend forciert. Gerne wählen Drummer auch beides in Kombination, allerdings muss man für entsprechende Modelle der Byzance oder K Custom Serien ordentlich in die Tasche greifen. Istanbul Agop stellte kürzlich mit den Xist ION Dark Modellen wesentlich günstigere Alternativen vor. Zu den Testbecken gesellte sich allerdings noch eine weitere Neuheit aus der Agop-Schmiede, nämlich das Clap Stack. 

Stilistisch passt das perfekt zusammen, denn die gemeinsame Zielgruppe ist der modern orientierte Trommler mit einer Affinität zu elektronischen Sounds. Anders als die Traditional- und Signature-Serien werden die Typen der Xist-Reihe nicht per Hand gehämmert, sondern teilweise maschinell hergestellt. Wie sich unsere Testobjekte im Einsatz schlagen (lassen), erfahrt ihr auf den folgenden Zeilen.

Details

Bei der Produktion kommen automatisierte Verfahren zum Einsatz

Eine 15 Zoll große Dark Hi-Hat, zwei Dark Crash Becken in 17 und 19 Zoll, ein 19er Dark Trash Becken, ein 21er Dark Ride sowie einen – in Kooperation mit Trevor Lawrence jr. entwickelten – Spezialeffekt namens Clap Stack finde ich im Versandkarton. Damit liegen alle aktuell verfügbaren Xist ION Dark Modelle vor. Das Stack gehört nicht zur Xist Serie, wurde mir aber freundlicherweise vom Istanbul Agop Vertrieb Fentex zum Test mitgeschickt. Es besteht aus drei gewölbten Metallscheiben, welche die Maße 11, 13 und 15 Zoll aufweisen. Offenbar hat Istanbul Agop ein Faible für ungerade Durchmesser. Alle Teile bestehen aus B20 Bronze und besitzen nicht-abgedrehte Oberflächen im Raw-Look. Preislich liegen die Xist Modelle deutlich unter den Oberklasseserien der Marke, was daran liegt, dass der Fertigungsprozess einfacher gehalten ist. Unsere Testbecken weisen beispielsweise konzentrische Hämmerungsmuster auf, welche offenbar maschinell aufgebracht werden. Auch das grundlegende Profil der Xist Modelle wird durch ein automatisiertes Gussverfahren erreicht und nicht durch das Bearbeiten durch einen Beckenschmied. Mit Ausnahme des Clap Stacks und des Hi-Hat Bottoms besitzen alle Instrumente sternförmig um die Kuppen herum gruppierte Bohrungen, welche zum Rand hin kleiner werden. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Anordnung der Löcher unterbrochen ist, es handelt sich also jeweils um zwei dreistrahlige Pärchen. Hier könnt ihr euch alle Modellen einzeln und im zusammen anschauen:

Das Ride und die beiden Crashes sind nahezu identisch konstruiert

Mit etwa 1050 und 1590 Gramm liegen die 17er und 19er Crashes relativ weit auseinander, ich würde das kleinere in die Kategorie thin und das größere im Bereich medium-thin einordnen. Der Grund dafür könnte sein, dass bei beiden Modellen die gleiche Bohrungsgröße zum Einsatz kommt, beim 17er also prozentual mehr Material entfernt wird. Auch bei der Bearbeitung erkenne ich keine Unterschiede. So weisen beide Modelle die erwähnte, konzentrisch um die Kuppen angeordneten Hämmerungsmuster auf, die Unterseiten wirken hingegen wie angeschliffen. Diese Schleifspuren in Kombination mit der Metallstruktur würde ich als Indiz für die spezielle Gussmethode der Xist-Becken betrachten. Die Kuppen sind gänzlich unbearbeitet. Das 21er Ride liegt bei knappen 2300 Gramm, was für Agop-Verhältnisse schon recht mächtig ist, im Vergleich mit den „West-Marken“ allerdings in der Thin-Abteilung landet. Es gleicht den Crashes bis auf eine Ausnahme: Seine Bohrungen fallen insgesamt eine Nummer kleiner aus. In Kombination mit der relativ großen Kuppe verspricht das etwas weniger „Trash“ bei gleichzeitig besserer Stick-Definition. 

Der formale Außenseiter der Xist ION Dark Reihe ist sicherlich das Dark Trash Modell, welches mich mit seinem unregelmäßigen Profil an Becken wie beispielsweise das Zildjian Crash of Doom erinnert. Den Glasplatten-Check erspare ich mir hier, denn der Schlapphut-artig gewellte, unregelmäßige Rand ist hier ganz offensichtlich Teil der Konstruktion. Es wiegt mit 1600 Gramm praktisch genau so viel wie das 19er Crash, besitzt allerdings die kleineren Bohrungen des Rides, beziehungsweise des Hi-Hat Tops. Ein weiterer Unterschied zu allen anderen Xist-Modellen ist das nur halb gehämmerte Profil. 

Das Hi-Hat Top weist eine Delle auf 

Der größte Unterschied bei der Konstruktion der 15er Hi-Hats besteht im ungelochten, schweren Bottom-Becken. Es wiegt etwas über 1400 Gramm, das Top bewegt sich im Bereich von einem Kilo. Die Bohrungen entsprechen jenen des Ride-Beckens, fallen also kleiner aus als bei den Crashes. Ist an der Verarbeitung der anderen Modelle nichts auszusetzen, fallen mir an der Hi-Hat ein paar Schnitzer auf. So gibt es in der Kuppe des Top-Beckens eine recht kräftige Delle, weiterhin liegen beide Becken nicht plan auf einer ebenen Glasplatte auf. Ob sich das auf die Artikulation und das Spielgefühl wirkt, werden wir im Praxisteil herausfinden. 

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