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Feature
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08.12.2017

Interview und Gear-Chat mit Wolfgang Haffner

Der weltbekannte deutsche Schlagzeuger und Bandleader im Gespräch

über Musik, Prioritäten und das Geheimnis der Ruhe.

Jazzer, Groover, Virtuose, Minimalist, Echo-Peisträger, Workaholic, Ruhepol... Es gibt etliche Begriffe, die auf Wolfgang Haffner zutreffen. Um das facettenreiche Schaffen und die Hingabe des gebürtigen Oberfranken zu umschreiben, trifft es jedoch „Vollblutmusiker“ schlichtweg am besten. Nach seinem frühen Karrierestart Mitte der Achtzigerjahre, als Schlagzeuger des deutschen Jazz-Posaunisten Albert Mangelsdorff, erspielte sich Wolfgang schnell einen weltweiten Ruf als gefragter Sideman und blickt heute auf Produktionen und Tourneen mit Künstlern wie Chaka Khan, Al Jarreau, Pat Metheny, Nils Landgren, Till Brönner, Klaus Doldinger und weiteren großen Namen der internationalen Musikszene zurück. Seit einigen Jahren konzentriert er sich jedoch vor allem auf seine Arbeit als Bandleader und lebt dadurch stärker denn je seine Fertigkeiten im Komponieren und Arrangieren aus.

Wir trafen Wolfgang während der Tour zu seinem aktuellen Album „Kind of Spain“ im Backstage-Bereich der Hamburger Fabrik, wo er noch am selben Abend mit seiner Band ein atemberaubendes Konzert zum Besten gab. Vorab erzählte er uns unter anderem, was ihm heute als Musiker besonders wichtig ist und warum er noch lange nicht genug hat.

Hallo Wolfgang, deine aktuelle Platte heißt „Kind of Spain“. Erzähl doch gern mal, was es mit dem Titel auf sich hat…

Die Idee war, spanische Musik mit der Art, wie ich Musik schreibe und interpretiere, in Einklang zu bringen. Ich versuche grundsätzlich, mit relativ wenigen Noten möglichst viel auszusagen, was in der spanischen Musik nicht unbedingt immer gang und gäbe ist. Da geht es nämlich auch oft mal laut, kräftig und virtuos zu. Ich habe es als große Herausforderung gesehen, diese beiden Welten zusammen zu bringen. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis sich die Idee gefestigt und ich genügend Stücke gesammelt hatte. Neben eigenen Stücken sind übrigens auch Klassiker wie „Concierto de Aranjuez“, „El Vito“ oder „Recuerdos de la Alhambra“, aber auch eine Flamenco-Pop-Nummer von Vincente Amigo auf der Platte zu hören. Die heißt „Tres notas para decir te quiero“ und läuft auf der ganzen Welt im Radio.

Wie hast du es geschafft, die beiden Welten zusammen zu bringen?

Was die klassischen Stücke betrifft, habe ich mir lediglich die Melodien angeschaut und versucht, sie auf meine Art umzusetzen. Alles andere hätte sonst nach „Haffner versucht, spanische Musik nachzuspielen“ geklungen. Dabei kann man einfach nur verlieren, und ich bin einfach kein Verlierertyp! (lacht) Der einzige Song auf dem Album, der ein eindeutiges Stilmittel aus der spanischen Musik bedient, ist das kurze Intro der Platte. Wir haben da über typische Flamenco-Handclaps gejammt, die wir von einer berühmten ACT Platte von Arif Mardin und Vince Mendoza namens „Jazzpañia“ gesampelt haben. Auf dieser Platte haben sie damals Flamenco mit Jazz gemischt. Auf „Kind of Spain“ hört man wiederum meine ganz persönliche Sicht auf spanische Musik. In Spanien herrscht eine ganz starke Musikkultur, was ich sehr spannend finde. Der kann man sich nähern, aber eben mit dem nötigen Respekt.

„Kind of Spain“ ist bereits das sechste Album, das in Zusammenarbeit mit dem Label ACT entstanden ist. Wie viel Einfluss hat das Label im Entstehungsprozess gehabt?

Die konzeptionelle Idee für „Kind of Cool“ und „Kind of Spain“ kam jeweils vom Label, wobei das keine Vorgaben waren, nach denen ich mich zwangsläufig richten musste, sondern eher Empfehlungen. Die Idee, mich in irgendeiner Art und Weise mit spanischer Musik zu beschäftigen, fand ich gut, denn durch meine vielen Reisen durch Spanien konnte ich mich damit identifizieren. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich seit einigen Jahren auf Ibiza wohne. Andersrum hätte das für mich aber auch nicht funktioniert. Wenn da jetzt beispielsweise der Vorschlag kommt, „The Music of Norderney“ oder so zu produzieren, dann bin ich raus. Wenn es sich nicht authentisch anfühlt, dann macht das für mich einfach keinen Sinn.

Was hat dich denn eigentlich dazu bewegt, nach Ibiza zu ziehen?

Siehst du das Wetter da draußen?! (lacht) Ich wollte einfach mal was anderes machen und hatte sowieso schon oft auf Formentera Urlaub gemacht. Um dahin zu kommen, fliegt man bis nach Ibiza und nimmt dann die Fähre. Irgendwann bin ich mal auf Ibiza hängengeblieben, als keine Fähre mehr fuhr und habe dann ein paar Tage dort verbracht. Aus einer Woche wurden dann zwei Wochen, und so weiter, bis ich wieder Gigs hatte und zurück musste. Da kam die Idee auf, meinen Wohnort einfach mal nach da unten zu verlagern. Das muss 2009 gewesen sein. Zu der Zeit waren wir mit meiner Platte „Round Silence“ auf Tour, für die ich damals übrigens einen Echo bekommen habe. Das war eine große Tour durch Europa und Asien. Da fehlte mir letztendlich die Zeit für einen Umzug. Anfang 2010 war ich dann noch mal da unten und habe gemerkt, dass es dort nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter schön ist und bin dann einfach dort geblieben.

Sind das Tourneen mit deiner eigenen Band?

Ja, überwiegend schon. Vor drei Wochen waren wir zum Beispiel in Namibia, jetzt sind wir erstmal viel in Deutschland und Österreich unterwegs. Nächstes Jahr folgen dann viele Festivals in ganz Europa, und nach Südamerika wollen wir auch noch hin.

Du hast dich ja nie nur als Schlagzeuger, sondern schon immer als ganzheitlicher Musiker verstanden. Allerdings warst du damals noch viel mehr als Sideman aktiv als heute...

Auf jeden Fall, bis etwa 2002. Ich war von 1989 bis 2000 fest in Klaus Doldingers Band „Passport“, in der wir mit der Ausnahme von ein paar Jazzstandards ausschließlich Doldingers Stücke gespielt.  Neben mir waren in der Band noch andere Musiker, die wie ich viel selbst komponiert haben. Natürlich versucht man da mal die eine oder andere eigene Nummer mit ins Programm zu bringen. Doldinger hat uns allerdings immer gesagt „Wenn ihr eure eigenen Stücke spielen wollt, dann gründet doch einfach eure eigene Band“. Das war letztendlich die Initialzündung für mich, meine eigene Musik in den Fokus zu stellen und mit einer eigenen Band unterwegs sein zu wollen.

Zu dem Zeitpunkt hattest du aber schon ein paar Platten unter deinem Namen veröffentlicht, oder?

Ja, schon. Da habe ich dann aber vielleicht zehn Gigs pro Platte gespielt und das war's dann. Zu der Zeit habe ich mich auch noch sehr stark als Sideman verstanden und nicht so sehr als Bandleader. Das hat sich wie gesagt 2002 gedreht. Das erste große Ding als Bandleader war damals eine furiose Tour zum Album „Urban Life“. 2004 kam ich dann mehr mit Elektronica in Berührung, durch Leute wie Bugge Wesseltoft oder das Esbjörn Svensson Trio. Das kann man auf meinem Album „Zooming“ deutlich hören.

Hast du nach wie vor viel Kontakt zur skandinavischen Musikszene?

Schon, das ist mittlerweile aber weniger geworden. Ich war damals ständig in Schweden. 2004 ist da zum Bespiel noch ein tolles Album mit Nils Landgren entstanden namens „Funky ABBA“. Eine Zeitlang habe ich in allen Bands von Nils gespielt, von der Nils Landgren Funk Unit über das Nils Landgren Quartett bis hin zu Big Bands, bei denen Nils als Gast in Erscheinung trat. Nils und ich haben zeitweise mehr Zeit miteinander verbracht als mit unseren Frauen! (lacht) Das ging über viele Jahre so, aber irgendwann hatte ich mehr und mehr andere Sachen zu tun. Ähnlich war es auch mit Till Brönner. Ich hatte irgendwann automatisch weniger Zeit als Sideman, weil ich mir einfach bewusst mehr Zeit für meine eigene Musik genommen habe. Natürlich sind wir alle noch freundschaftlich verbunden und spielen auch weiterhin noch gerne zusammen.

Wo liegt für dich der größte Unterschied zwischen der Rolle als Sideman und der als Bandleader?

Mit meiner eigenen Band steht das ganze Ding genau so auf der Bühne, wie ich das möchte. Wenn dann wie heute Abend ein paar hundert Leute kommen, um genau das zu sehen, was du dir ausgedacht hast, dann ist das ein wahnsinnig gutes Gefühl! Als Sideman spielst du dagegen auch mal Nummern, die du vielleicht persönlich nicht mit ins Programm genommen hättest.

Was konntest du damals als umtriebiger Sideman für deine heutige Arbeit als Bandleader lernen?

Von Nils Landgren habe ich gelernt, dass man als Bandleader zwar eine ganz starke Richtung vorgeben muss, im entscheidenen Moment aber seinen Musikern den nötigen Freiraum lassen sollte. Aus diesem Wechselspiel kann viel Tolles entstehen. Denn unabhängig davon, ob man nun Bandleader oder Sideman ist, geht es bei Musik immer um Teamwork. Man schafft auf der Bühne immer etwas im Kollektiv.

Du hast einmal in einem Interview erzählt, dass du gern auch mal mit einem Paar Sticks spazieren gehst. Ist das deine Alternative zum Üben, oder was hat es damit auf sich?

Ich habe immer sehr viel geübt und bin dann tatsächlich oft anschließend im Wald spazieren gegangen. Da habe ich dann eben die Stöcke mitgenommen. Die Stöcke lagen sogar ganz früher auch mal neben meinem Kopfkissen! (lacht) Heute schaue ich einfach, dass ich technisch fit bleibe und setze mich daher noch regelmäßig ans Set. Ich brauche mittlerweile aber die Balance zwischen Spielen und Nichtspielen, Musik und keine Musik und genieße oft einfach die Ruhe. Aus der Ruhe schöpfe ich sehr viel Kraft. Ich gehe auch viel Schwimmen, fahre viel Fahrrad. Das ist obendrein auch wichtig, um bei so vielen Konzerten im Jahr körperlich fit zu bleiben und um den Kopf frei zu kriegen. Ich schaue heutzutage, dass alles möglichst im Fluss ist, das heißt, ich versuche alle Dinge ganz bewusst zu machen. Wenn ich mich mit dir unterhalte, schaue ich währenddessen nicht auf mein Handy. Wenn ich telefoniere, schaue ich nicht gleichzeitig Fernsehen. Wenn ich einen Film schaue, telefoniere ich nicht dabei, sondern konzentriere mich auf den Film. Auch wenn ich nach dem Konzert Platten signiere, versuche ich mir trotz des Trubels für jeden Einzelnen kurz Zeit zu nehmen. Natürlich gelingt das nicht immer, aber der Ansatz ist da. Und so halte ich es auch mit Musik. Entweder ich spiele oder ich spiele nicht. Wenn ich übe, dann ganz bewusst.

Hörst du denn noch viel Musik?

Ich habe erst gestern mit meiner Band über das Thema gesprochen. Wir waren damals alle total besessen von Musik, ständig auf der Suche nach neuen Sachen und haben versucht, allen Plattenempfehlungen möglichst nachzukommen. Mittlerweile bin ich da etwas anders drauf. Ich kann mir heute nicht mehr 50 neue Platten auf einmal anhören. Wenn ich mir ein neues Album anhören will, dann nehme ich mir richtig Zeit dafür. Das gibt mir einfach mehr. Um kreativ zu werden, hilft mir mittlerweile viel mehr die Ruhe, anstatt ständig neue Musik zu hören. Ich verstehe so viel deutlicher, was ich eigentlich machen möchte. Auch jetzt auf Tour beschäftige ich mich eigentlich nur mit meiner eigenen Musik und dem Bühnenprogramm.

Wie stark bindest du dabei denn deine Band und die Crew mit ein?

Sehr stark. Wir haben eigentlich jeden Tag neue Sachen zu besprechen. Da geht es aber weniger um Fehler, als vielmehr um konzeptionelle Details.

Also hältst du es nicht wie James Brown damals - Gagenabzug bei jedem Fehler...

Auf keinen Fall! Es heißt ja, dass manche Musiker es sich irgendwann nicht mehr leisten konnten, bei James Brown zu spielen! (lacht) Wir arbeiten an ganz anderen Sachen, wie zum Beispiel an unserem Bandsound. Spiele ich jetzt die eine Ballade mit einem Rimshot, oder mit einem Mallet? Sowas bespreche ich dann zum Beispiel immer wieder mit meinem Techniker. Diese kleinen Details können ja letztendlich eine große Wirkung haben. Zum Beispiel gab es gestern eine Stelle, bei der ich mich nicht wohl gefühlt habe. Zwar haben mir alle versichert, dass es nach draußen nicht aufgefallen wäre, aber so lange ich mich nicht wohl fühle, interessiert mich das zunächst nicht, wie es vor der Bühne klingt. Ich versuche grundsätzlich immer, dass sich jeder so gut es geht den ganzen Abend über gut anfühlt. Nur so kann man sich ganz und gar auf die Musik konzentrieren. Wenn dich zum Beispiel eine Frequenz in der Bassdrum nervt, bist du in dem Moment einfach nicht bei der Musik. Das kann man sicher ein Stück weit ausblenden, das ist aber manchmal schwierig.

Sagen wir mal, du spielst auf einem Open Air, die Soundcheck-Zeit ist knapp, und du spielst obendrein auf einem Leihset, das du nicht kennst. Hast du für den Umgang mit solchen Situationen mittlerweile Strategien entwickelt?

Da heißt es dann einfach „Augen zu und durch“. Wir haben zum Beispiel vor ein paar Jahren auf dem Electric Picnic Festival in Irland vor den Sex Pistols gespielt, was allein schon kurios war. Unser Flug hatte damals massiv Verspätung und wir sind dadurch erst eine Stunde vor Konzertbeginn auf dem Festivalgelände angekommen. Die Jungs Vorort wussten auch gar nicht was wir eigentlich für Musik machen. Da stand dann ein Leihset mit einer 24“ Bass Drum für mich bereit und das Klavier und der Bass Amp waren etwa sechs Meter von meinem Drum Riser entfernt aufgestellt. Das sind alles andere als gute Voraussetzungen für ein Jazz-Trio Konzert! Wir hatten aber keine andere Wahl und haben dann einfach versucht das Beste aus der Situation rauszuholen. Da genießen wir natürlich jetzt umso mehr, jeden Tag aufs Neue an Details schrauben zu können.

Übernimmst du auch das Feintuning am Drum Set beim Soundcheck?

Wenn nötig ja, allerdings musste ich da seit Tourstart nicht einmal nachstimmen! Ansonsten habe ich mittlerweile ein paar Strategien entwickelt, um jedes Set in wenigen Minuten nach mir klingen zu lassen.

Lass uns gern in dem Zusammenhang über dein Drum Set sprechen. Du spielst auf dieser Tour ein Vintage Set von Yamaha...

Genau! Das ist ein wundervolles Yamaha D-20 aus den späten Sechzigern. Das stand beim deutschen Yamaha Vertrieb im Showroom und ich habe es gleich ungehört mitgenommen – ein Hammerset! 

Du hast ja normalerweise modernere Sets im Einsatz. Macht das Vintage Set einen großen Unterschied für dich aus?

Es spielt sich leichter auf dem alten Set. Das D-20 singt mehr und produziert etwas mehr Ton. Das kommt sicherlich auch durch die dünnen Kessel. Ich mache mir aber generell nicht so viele Gedanken um Equipment, also wie viele Lagen jetzt beispielsweise ein Kessel hat und so weiter. Hauptsache es klingt gut! Eine Lieblings-Snare hatte ich noch nie und ich würde auch jedem wärmstens empfehlen, sich da nicht so abhängig zu machen. Jedes neue Instrument kann ja auch wieder eine Inspirationsquelle sein.

Hast du denn ein Lieblingsbecken? 

Mein Signature Becken, das 22“ Byzance Jazz Club Ride.

Arbeitest du auch mit Drum Techs zusammen?

Ja, mit Rossi Roßberg. Er war zum Beispiel kürzlich dabei, als ich einige Videos für Meinl gedreht habe. Bei der Gelegenheit hat er das Yamaha Vintage Set richtig durchgestimmt und mit verschiedenen Fellen rum probiert. Ich spiele meistens Remo Ambassador Coated Felle, habe mich aber jetzt für Remo Renaissance Felle entschieden.

Wolfgang Haffner spielt "Pasodoble" von seinem neuen Album „Kind of Spain“

Hast du konkrete Ziele, die du noch erreichen willst?

Ich hatte immer schon Ziele, die ich erreichen wollte. Nachdem ich sie erreicht hatte, ging es aber immer weiter. Ich habe zum Beispiel viele Live-Platten vom Montreaux Jazz Festival gehört und natürlich davon geträumt, auch selbst mal dort zu spielen. Da denkt man vorher noch „einmal Montreaux spielen und das war's dann.“ Dann spielst du zum ersten Mal und denkst dir nachher „das war jetzt geil, aber ich will da noch mal hin!“. Mittlerweile war ich sieben Mal dort und so geht es mir in vielen Fällen. 

Du hast ja obendrein auch mit vielen großen Namen gespielt. Gibt es Musiker, mit denen du gerne noch zusammen arbeiten würdest?

Ich will einfach weiterhin gute Musik machen. Ich bin ein glücklicher Mensch, egal ob ich mit diesem oder jenem Musiker gespielt habe. Mit vielen großen Namen durfte ich ja schon spielen, wie zum Beispiel mit Al Jarreau, einem meiner Heroes. Ich bin auch mittlerweile auf rund 400 Platten zu hören und habe weit über 100 Touren gespielt. Nach alldem kann ich jetzt die Rolle des Bandleaders noch mehr genießen. Die Rolle des Sideman habe ich einfach bis zum Exzess betrieben. Ich renne jetzt aber nicht durch die Welt und denke, ich bin der Allergrößte, auch wenn ich 1,92 Meter groß bin. (lacht) 

Wann ist ein Konzert für dich gelungen?

Mein Ziel ist immer, die Leute aus ihrem Alltag rauszuholen. Im Idealfall verschmilzt das Publikum mit der Band und wird eins mit der Musik. Das sind die großen Momente! Wie bei allem im Leben lässt sich das aber nicht erzwingen, sondern passiert einfach. 

Hast du über die Jahre eine Strategie entwickelt, wie du dich in die richtige Stimmung für ein Konzert bringst?

Spätestens eine halbe Stunde vor Konzertbeginn ist niemand mehr in der Garderobe, der nicht zu meinem Team gehört. Ich möchte in dem Moment einfach nichts hören, was nicht mit dem Konzert an sich zu tun hat. Es geht da vor allem um Team Spirit. Auch wenn ich allein bei Drum Festivals auftrete, halte ich das so. Keith Richards hat mal etwas gesagt wie „twenty years of Rock 'n' Roll are twenty years of waiting“. Da hilft es natürlich auch, sich grundsätzlich mit Musikern zu umgeben, mit denen man nicht nur zwei Stunden auf der Bühne, sondern auch die 22 anderen Stunden klar kommt.  

Wärmst du dich denn vor der Show auf?

Ich schaue, dass meine Hände und Arme nicht zu kalt werden, aber ans Pad setze ich mich selten vor dem Konzert. Mir reicht eigentlich die Zeit beim Soundcheck, um mich warm zu spielen, und ansonsten genieße ich eher die Ruhe und meide alles, was mich irgendwie rausbringen könnte.

Hättest du nach all den Jahren einen Tipp für den jungen Haffner, der damals mit 18 Jahren bei Albert Mangelsdorff gespielt hat?

Mein Tipp wäre, alles genau so wieder zu machen! (lacht)

Vielen Dank Wolfgang für das nette Gespräch!

  • WOLFGANGS EQUIPMENT („Kind of Spain“ Tour 2017):
  • Drums: Yamaha D-20 (Baujahr: Ende 60er)
  • 20“ x 14“ Bassdrum
  • 14“ x 5“ Snare
  • 12“ x 8“ Rack Tom
  • 14“ x 14“ Floor Tom
  • Becken: Meinl Byzance
  • 22“ Vintage Pure Light Ride
  • 22“ Jazz Club Ride
  • 20“ Extra Dry Thin Crash
  • 20“ Extra Thin Hammered Crash (mit drei Nieten)
  • 14“ Jazz Thin Hi-Hat
  • Felle: Remo Diplomat Fiberskyn (Snare), Renaissance (Toms) & Powerstroke 3 coated (Bass Drum)
  • Sticks: Vic Firth (5A, T1 General Mallets, Heritage Brushes, Tala Wand Slats)
  • Sonstiges: Protection Racket Cases, Sky Gel Damper, Muffstick (Firma: Muffkopf)

ANSPIELTIPPS DER REDAKTION:

 

  • Wolfgang Haffner – Kind of Spain (2017)
  • Chuck Loeb, Wolfgang Haffner, Mitchel Forman – Metro „Big Band Boom“ (2015)
  • Wolfgang Haffner – Acoustic Shapes (Live) (2008)
  • Wolfgang Haffner – Shapes (2006)
  • Nils Landgren Funk Unit – Funky ABBA (2004)

Wolfgang Haffner Website: www.wolfganghaffner.de

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