Test
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20.07.2020

Praxis

Haptik und Benutzung

Das IMG Stageline MX-2IO ist ein Interface, bei dem äußerlich viel richtig gemacht wurde. Das stabile und gleichzeitig sehr kompakte Gehäuse macht es zu einer guten Wahl als Interface für die Bühne und unterwegs. Dafür spricht auch, dass es per USB-Bus-Power betrieben wird. Die klare Gliederung der Bedienelemente sorgt dafür, dass man mit der Bedienoberfläche sofort zurechtkommt. Die Kippschalter sind auch bei schlechtem Licht sehr gut abzulesen und im dunkeln tastbar. Dazu sorgen die Status-LEDs und die Level-Meter für einen guten Überblick. Negativ aufgefallen ist mir im Betrieb, dass das Hardware-Monitoring nicht abstellbar ist. Nicht nur können die Mischverhältnisse nicht eingestellt werden, das Monitoring ist einfach immer aktiviert – und zwar sowohl auf Kopfhörern als auch Monitor-Ausgängen. Das sorgt für folgende umständliche Situation: Ich nehme etwas mit einem Mikrofon über das IMG Stageline MX-2IO auf. Ich trage Kopfhörer, um Übersprechungen zu vermeiden. Nach der Aufnahme möchte ich das Material auf meinen Monitor-Lautsprechern anhören und drehe das Monitor-Volumen wieder auf. Weil das Hardware-Monitoring aber immer läuft, wird das Mikrofonsignal aber auch auf den Boxen wiedergegeben und ich habe mir eine unangenehme Rückkopplung eingefangen. Also muss das mühsam eingepegelte Mikrofongain jedes mal wieder zugedreht werden, wenn die Lautsprecher benutzt werden sollen. Ganz zu schweigen davon, dass Software-Monitoring mit Effekten so gar nicht in Frage kommt, weil die Latenz zwischen Hardware- und Software-Monitoring unangenehme Kammfiltereffekte erzeugt. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso man sich entschlossen hat, dem Interface keinen Schalter zu spendieren, um das Hardware-Monitoring aus dem Signalweg zu nehmen, wohl aber einen, der das Hardware-Monitoring in Mono bzw. Stereo schaltet.

Die Systemlatenz liegt bei 48 kHz Abtastrate und einer Puffergröße von 32 Samples bei 8,9 ms. Ein Wert, der für die Preisklasse etwa im Mittelfeld liegt. Man kann sich ja streiten, ob man 192 kHz Abtastrate wirklich braucht, aber 96 kHz hätte ich schon erwartet bei einem Interface, das 2020 auf den Markt gekommen ist. Das liefern auch andere aktuellen Preiswert-Interfaces.

Klang

Klanglich gibt es am IMG Stageline MX-210 zunächst wenig auszusetzen. Die Preamps verrichten ihre Aufgabe unaufgeregt und ziemlich neutral. Ein leichtes Rauschen ist erst ganz am oberen Ende der Gain-Range zu hören. Die zwei Instrumenteneingänge klingen ordentlich mit E-Gitarre und Bass. Sie sind ein schöner Bonus, ebenso wie die schaltbaren Pads. Das ist nicht selbstverständlich für diese Preisklasse. Ein wenig Vorsicht ist jedoch geboten, denn die Mikrofoneingänge werden nicht stummgeschaltet, wenn ein Instrument oder Line-Signal eingesteckt wird oder andersherum. So kann es passieren, dass man im Eifer des Gefechts Nebengeräusche über ein noch steckendes Mikrofon mit aufnimmt. Kurios ist das Verhalten des Mono-Stereo-Schalters. Wie sich herausstellt, fasst er die beiden Signale von Input 1 und Input 2 nämlich nicht nur in der Monitorsektion zusammen. Stellt man das Monitoring auf Mono, nehmen auch in der DAW Kanal 1 und Kanal 2 aus dem MX-210 das gleiche Mono-Mischsignal aus Input 1 und 2 auf. Da wird offenbar das Signal für die Digitalwandlung sehr spät im Signalpfad abgegriffen. Der Aux-Eingang wird jedoch trotzdem in Stereo aufgenommen und ebenfalls auf Kanal 1 und 2 in der DAW gemischt.

Der Kopfhörerausgang klingt gut und bietet eine außerordentliche Lautstärke für ein Bus-Power-Interface. Auch eher leise spielende Kopfhörer lassen sich vom IMG Stageline MX-210 zu beinahe ohrenbetäubenden Pegeln motivieren.

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